Seckenheim

Seckenheim Seit mehr als einem halben Jahr leiden die Anwohner der Rastatter Straße unter den Begleitumständen einer Baustelle

Die schweren Mülltonnen stinken den Bürgern gewaltig

Von unserem Redaktionsmitglied

Konstantin Groß

Es ist der 14. Februar diesen Jahres. In der Rastatter Straße kocht die Bürger-Wut. Wortreich beschwert sich ein Mann, dass er wegen der dortigen Baustelle die Mülltonnen einer alten Dame bis zum Ende der gesperrten Straße ziehen muss. Bis auf wenige Zentimeter nähert er sich mit seinem Gesicht dem von Boris Weirauch. Dann ergreift er den Arm des SPD-Landtagsabgeordneten. Doch das ist diesem dann doch zu viel: „Fassen Sie mich bitte nicht an!“, fordert er von dem erregten Bürger.

Die Szene fährt manchem Teilnehmer in die Glieder. Sie zeigt, wie groß der Unmut der Anwohner inzwischen ist, wie sehr emotional diese Angelegenheit diskutiert wird.

Worum geht es? Wegen eines privaten Bauvorhabens ist die Rastatter Straße zwischen Haupt- und Zähringer Straße seit Mitte September 2017 gesperrt. Für die Anwohner bedeutet dies massive Belastungen – für ihre Mobilität, vor allem jedoch in Sachen Müllentsorgung.

Zwar ist die Rastatter von der Zähringer Straße aus befahrbar, doch die Müllfahrzeuge fahren nicht hinein – weder vorwärts, weil sie nur schwer wenden können, aber auch nicht rückwärts. Vielmehr werden die Anwohner aufgefordert, ihre Mülltonnen an einem der beiden Enden der Straße aufzustellen, also an der Haupt- oder der Zähringer Straße.

Ganz abgesehen von der Optik für die Haupteinkaufsstraße Seckenheims: „Diese Regelung ist nicht zumutbar“, findet Anwohner Andreas Hänssler. Vor allem für ältere Menschen ist es nicht zu bewältigen, die schweren, vollen Tonnen über Dutzende von Metern zu ziehen.

Lange Dauer der Baustelle

Was die Betroffenen ärgert, ist die lange Dauer der Sperrung. „Das Bauvorhaben kommt nur sehr langsam voran“, klagt Anwohner Hänssler. Ursprünglich bis Ende 2017 vorgesehen, soll die Sperrung der Straße laut Angaben der Stadt „Ende April, spätestens Ende der ersten Maiwoche“ enden. Der Bauherr zahlt an die Stadt eine Sondernutzungsgebühr dafür, dass er die Straße belegt; die Müllgebühr der Bürger ist trotz der misslichen Lage gleich geblieben.

Um diese Lage vor Ort zu entspannen, machte Anwohner Hänssler gleich mehrere Vorschläge. Der private Bauherr solle den Transport der Mülltonnen in die Hauptstraße bzw. die Zähringer Straße übernehmen. Tue er dies nicht, müsse die Stadt aktiv werden, forderte Hänssler. Diese solle dann den Transport der Mülltonnen an die Straßen vornehmen lassen und die Kosten dem Bauherrn in Rechnung stellen. Oder das Amt für Abfallwirtschaft miete – ebenfalls auf Kosten des Bauherrn – einen kleineren Müllwagen, der in der Straße rangieren kann.

Vorschläge nicht aufgegriffen

Diese Vorschläge schickte Hänssler bereits am 28. November 2017 an die Bürgermeister Lothar Quast (Bauen) und Felicitas Kubala Umwelt); aufgegriffen wurden sie nicht. Im Gegenteil: Die Abfallwirtschaft riet ihm, mit dem Bauherrn doch selbst eine Lösung zu finden. „Reichlich vermessen“ fand Hänssler diesen Rat.

Bald schlug das Problem auch in der örtlichen Politik auf. Bei der stark frequentierten Stadtteilbegehung der SPD am 14. Februar war es das beherrschende Thema und führte zu dem eingangs erwähnten Vorfall.

Dabei ist Boris Weirauch ganz auf der Seite der Bürger. „Für einen so langen Zeitraum kann es gerade den älteren Anwohnern nicht zugemutet werden, die schweren Mülltonnen quer durch Seckenheim zu schieben“, kritisiert der Abgeordnete.

Nach der Begehung wandte sich auch Weirauch an Kubala. Warum die Müllfahrzeuge nicht rückwärts in die Straße fahren können, fragte er. „Gemäß den geltenden Unfallverhütungsvorschriften ist das Rückwärtsfahren in einer solchen Straße mit diesen äußeren Verhältnissen nicht gestattet“, antwortete Kubala.

Wenn schon keine organisatorische Änderung möglich sei – kann dann nicht eine Reduzierung der Müllgebühren für die Anwohner erfolgen, setzte Weihrauch nach. „In der Gebührensatzung der Stadt Mannheim ist eine Reduzierung der Abfallgebühr für solche Fälle nicht vorgesehen“, entgegnete die Dezernentin. Dann müsse diese Satzung eben für derartige Härtefälle, sofern irgend möglich, geändert werden, lautete Weirauchs erste Reaktion.

Wenn auch dies nicht geht, dann soll „die Sondernutzungsgebühr, die der Bauherr der Baustelle an die Stadt wegen der Straßensperrung abführen muss, an die Bewohner weitergegeben werden“, fordert Stadtrat Ralph Waibel: „Damit diese in eigener Verantwortung eine Firma beauftragen, um die Tonne an die Sammelpunkte zu verbringen.“

„Egal wie man es dreht und wendet“, fasst SPD-Bezirksbeiratssprecherin Evi Korta-Petry zusammen: „Wir fordern von der Fachverwaltung ein Entgegenkommen.“

Natürlich wurde auch diese vom „MM“ um eine Stellungnahme gebeten. Bis Redaktionsschluss lag eine solche jedoch noch nicht vor.