Seckenheim

Seckenheim Rolf Gärtner sieht das Problem vollgelaufener Keller in zu gering dimensionierten Querschnitten / Stadtentwässerung wehrt sich gegen Kritik

„Die sollen größere Rohre verlegen“

„Die haben mich zur Weißglut gebracht, weil sie einen für blöd halten“. Der Seckenheimer Rolf Gärtner ist aufgebracht und er lässt kein gutes Haar an der Mannheimer Stadtentwässerung. Der Industrieplaner im Ruhestand will es sich auch „nicht bieten lassen, dass sich der Betrieb aus der Verantwortung stiehlt“. „Die sollen endlich ihrer Verpflichtung nachkommen und neue Rohre mit größerem Durchmesser verlegen“, fordert Rolf Gärtner von dem kommunalen Dienstleister.

Die Stimmung beim Seckenheimer ist im Keller, seit eben in diesen nach einem Starkregen Wasser eingedrungen ist. Seither hält Rolf Gärtner mit den Abwasserbeseitigern Kontakt. Die Antworten sind für ihn schlichtweg inakzeptabel. Die Kunden seien selbst verantwortlich, wenn das Abwasser aus dem Straßenkanal in die Häuser laufe, regt Gärtner auf. Eigene bauliche Mängel will er nicht gelten lassen. Auch der Hinweis des Betriebs, den Schaden der Versicherung zu melden, kann Rolf Gärtner nicht beruhigen. „Wie lange schauen sich die Versicherungen das noch an“? ist seine Frage.

Eimerweise Wasser geschöpft

Die Leidensgeschichte des Ingenieurs begann in der Nacht vom 31. Mai auf den 1. Juni. Regenmassen entluden sich über Seckenheim. Wasser drang in viele Keller ein, auch in den von Rolf Gärtner in der Oberkirche Straße 17. „Ein Rückstau, verursacht durch viel zu klein bemessene Straßenkanäle, verursachte einen Schaden von mehreren tausend Euro“, schimpft der Seckenheimer erbittert. Durch den enormen Wasserdruck war in seinem Keller ein Rohr gebrochen und durch den Sog des wieder abfließenden Wassers hat es den Deckel des Absperrhahns abgeschert, erklärt der Hausbesitzer. Eimerweise habe man Wasser geschöpft, beklagt sich auch seine Ehefrau. Als Problem sieht ihr Mann ferner, dass die Muffen für den Druck nicht ausgelegt seien und daher Wasser durchlassen.

Ein Fachgeschäft, so Gärtner, habe den Schaden repariert. Der Boden wurde geöffnet, die gebrochene Rohrleitung erneuert, ein Absperrventil eingebaut. Die Gärtners fühlten sich nun in Sicherheit. Doch der nächste Starkregen zog sie wieder runter. Erneut stand der Keller unter Wasser.

Verantwortlich für die Ableitung von Schmutz- und Regenwasser aus dem gesamten Mannheimer Stadtgebiet ist der Eigenbetrieb Stadtentwässerung (EBS Mannheim). Im Zuständigkeitsbereich des EBS befinden sich rund 900 Kilometer Kanäle. Stefan Rongisch – Sachgebietsleiter Planung und Bau Kanalisation – hat sich der Beschwerde von Rolf Gärtner angenommen. Danach versicherte er dem Seckenheimer, dass auch in Seckenheim verschiedene Maßnahmen zur Verbesserung der Abflusssituation durchgeführt würden.

Gegen Rückstau schützen

Rongisch räumt durchaus ein, dass Starkregen die Dimensionierung der Kanäle übersteigen kann. Der Abfluss sei dann nur verzögert möglich. Aber kein System sei auf diese seltenen Fälle ausgelegt, weiß der Fachmann. Der Bau von größeren Straßenkanälen sei wenig sinnvoll, hört man von ihm. Dies würde hohe Investitionen erfordern und in Trockenwetterzeiten zu vermehrten Ablagerungen mit Geruchsbelästigung führen. Zudem mache es auch keinen Sinn, wenn im Abwassersystem zwischendrin ein größer dimensioniertes Rohr eingebaut werde. Das Kleinere, das danach folgt, würde die Menge nicht aufnehmen können.

Prinzipiell sei das Kanalnetz langfristig aufgebaut und die Rohre steigern sich in ihrer Dimensionierung von klein auf groß. Stefan Rongisch lässt auch nicht unerwähnt, dass der Bürger sich selbst gegen Rückstau schützen müsse und eine Rückstauklappe auch gewartet werden müsse. „Der Hausbesitzer muss das Ganze im Blick haben“, betont ebenso Alexander Mauritz, Leiter der Stadtentwässerung.

Rongisch berichtet zudem, dass Kanäle mittels Inliner saniert werden. Dadurch entstehe ein muffenloses Rohr im Rohr, das die Ableitung des Abwassers übernehme. Für Rolf Gärtner ist dies kein Trost, im Gegenteil. Er kritisiert, dass dadurch die Querschnitte verringert würden. „Um einen Zentimeter“, räumt Rongisch ein. Vor diesen Arbeiten würden jedoch Berechnungen erhoben, ob das System dadurch beeinträchtigt werde, informiert der Mannheimer Planer.

Rolf Gärtner beruhigt diese Information auch nicht. „Das Wasser hat bei mir im Haus nichts zu suchen“, sieht er die Verantwortung für die Verhinderung eines Rückstaus ganz klar bei der EBS. Als „temporäre Lösung“ schlägt er „einen Absperrhahn vor jedem Haus“ vor. Dieser müsse sich automatisch schließen.