Seckenheim

Doppelt falsche Entscheidung

Archivartikel

Konstantin Groß zur Diskussion um den Zabbe-Brunnen

In Seckenheim formiert sich massiver Widerstand gegen den Beschluss des Bezirksbeirates, den Zabbe-Brunnen nicht mehr in der Ortsmitte auf den Planken aufzustellen. Diese Initiative ist nur zu begrüßen. Denn die Vorgehensweise des Bezirksbeirates ist falsch – und dies gleich in doppelter Hinsicht.

Falsch ist zum einen die Form der Entscheidungsfindung. Zum zweiten Mal erfolgte sie in nicht-öffentlicher Sitzung, deutlicher gesagt: hinter verschlossenen Türen. Elf Bezirksbeiräte gingen daran, ohne jedwede Beteiligung der Bevölkerung ein Thema zu entscheiden, das – wie der gestrige Vormittag erneut gezeigt hat – viele Bürger emotional bewegt. Auch eine Versammlung der Interessengemeinschaft der Vereine, die zuvor ähnlich entschieden hatte wie der Bezirksbeirat, kann kein Ersatz sein für eine intensive Bürgerbeteiligung.

Warum hat der Bezirksbeirat nur so große Angst davor, dieses Thema gemeinsam mit den Bürgern zu diskutieren und in ihrem Sinne zu entscheiden? Hier geht es um keine jener hochsensiblen Fragen, die zuweilen sehr be-wusst und meistens zu Recht einer öffentlichen Diskussion entzogen werden. Wenn Bürger sogar bei der Frage des Standorts für einen Brunnen, der die Identität ihres Stadtteils symbolisiert, nicht mitreden dürfen – wo sonst.

Die Antwort ist einfach: Der Bezirksbeirat glaubt offenbar, für seine Haltung in der Bevölkerung keine Mehrheit zu haben. Darauf deuten nicht nur die 400 Unterschriften, die der unermüdliche und dafür zuweilen zu Unrecht angegriffene Dieter Fedel gesammelt hat; darauf deutet auch die Zusammensetzung der Kritiker gestern Vormittag: Kerwe-Chef Alfred Heierling und der langjährige Chef der IG der Vereine, Werner Bordne, sind nicht irgendwer in Seckenheim; es sind seit Jahrzehnten prägende Persönlichkeiten des gesellschaftlichen Lebens im Vorort. Und mit Marianne Seitz hat sich eine Stadträtin sogar gegen die gesamte Bezirksbeiratsfraktion ihrer Partei, der CDU, positioniert. Damit hat sie bei diesem Thema die Parteiräson klar hintangestellt.

Der zweite Fehler der Bezirksbeirats-Entscheidung liegt natürlich im Ergebnis selbst. Der Brunnen ist mehr als ein Wasserspiel, er ist ein Denkmal. Und dieses gehört wie in jedem anderen Stadtteil und in jeder anderen Gemeinde in die Ortsmitte. Mit dieser Haltung liegen die Kritiker richtig, der Bezirksbeirat mit seiner Sicht falsch – doppelt falsch.