Seckenheim

Seckenheim Am Sonntag erhält Stadträtin Marianne Seitz den renommierten Blümmel-Orden / Feier im Schloss mit 250 Gästen

„Durch Tiefen gewachsen“

Ich dachte, sie hat ihn schon – etwas überrascht reagieren manche Zeitgenossen, als im November bekanntgegeben wird, dass Stadträtin Marianne Seitz den renommierten Blümmel-Orden für 2020 erhält. Denn alle sind sich einig: Die engagierte Kommunalpolitikerin ist für diese Auszeichnung, in vier Jahrzehnten ihres Bestehens längst zur inoffiziellen Ehrenbürgerschaft des Ortes geworden, prädestiniert.

Kaum eine aktuell öffentlich aktive Persönlichkeit gilt außerhalb Seckenheims so sehr als Verkörperung dieses Vorortes wie Marianne Seitz. Denn sie bleibt ihrer Heimat stets treu. Bereits Mutter Elisabeth, geborene Keller, ist Seckenheimerin; mit Ehemann Hermann Krauß, der aus Neckarhausen stammt, zieht sie zehn Kinder groß; die 1949 geborene Marianne ist das dritte.

Als solches wird sie bald eingebunden in die Arbeit in Haus und Hof in der Kloppenheimer Straße 39, lernt dabei schon früh zurückzustehen zu Gunsten anderer. „Nicht die Höhen des Lebens haben mich geprägt, sondern die Tiefen“, bilanziert sie einfach und doch alles sagend. Der mit dem Blümmel-Orden gewürdigte selbstlose Einsatz für Andere, für die Gemeinschaft, hat in diesen Erfahrungen ihren Ursprung.

Aber sie ist auch fähig, sich durchzusetzen in Dingen, die ihr wichtig sind. Seit Schultagen schwärmt das Mädchen aus gut katholischem Hause für den schneidigen Handballer Wolfgang Seitz; doch der ist evangelisch – zu jener Zeit in einem Ort wie Seckenheim schon ein gewisses Problem. Doch beide halten zueinander: 1971 kommt es zur ersten ökumenischen Trauung am Ort.

Soziale Ader, sich einbringen in der Kirche: Da ist es nicht weit zum kommunalpolitischen Engagement. Kein Geringerer als Ministerpräsident Lothar Späth wirbt sie beim Backstubenfest für die CDU.

Seit 23 Jahren im Rat

Bald ist sie Bezirksbeirätin, Gemeinderatskandidatin, verfehlt 1994 den Einzug ins Stadtparlament nur knapp. Doch am 13. Mai 1997 wird sie von Oberbürgermeister Gerhard Widder verpflichtet. Seit 23 Jahren vertritt sie nun Seckenheim im Rat.

Was sieht sie selbst als ihre Erfolge? „Erfolge sind natürlich immer Gemeinschaftswerk“, wehrt sie bescheiden ab. Lieber möchte sie die Frage in dem Sinne verstehen, wofür auch sie sich erfolgreich eingesetzt hat. Da nennt sie die Möll-Halle, den Bau der städtischen Kindergärten in der Rastatter und in der Badenweiler Straße sowie die Rettung des Rathauses, für das sie sich noch heute als Vorsitzende des Fördervereins engagiert. Und nicht zu vergessen: „Dass der Zabbe-Brunnen nun doch wieder auf die Planken kommt, freut mich besonders.“ Doch es bleiben weitere Ziele: die Erweiterung der Trauerhalle und vor allem ein Sportstättenkonzept für den Stadtteil.

Doch man wird ihrem Wirken nicht gerecht, wenn man es auf Bauten beschränkt. Marianne Seitz ist niemand, der große Konzepte entwickelt. Ihr Schwerpunkt, ja ihre Stärke, ist der Einsatz für Menschen, und die wissen das auch: Wer für einen Angehörigen dringend einen Platz in einem Altenheim benötigt oder als alter Mensch seinen Sperrmüll plötzlich mehrere Straßen weiter tragen muss, weil Abholfahrzeuge nicht mehr in seine Straße fahren, der wendet sich an Marianne Seitz.

Sie ist es, die für die behinderte Maja eine Wohnung organisiert, der Familie Fuchs nach dem Brand ihres Hauses Obdach verschafft, dem Flüchtling Shira aus Sri Lanka und dem Studenten Raol aus Togo den Weg in ein erfolgreiches Leben in Deutschland ebnet; durch ihre Anwesenheit am Sonntag bezeugen diese beiden den Einsatz von Seitz und ihre eigene Dankbarkeit dafür.

„Es ist eine positive Überraschung für mich, dass man an mich gedacht hat“, kommentiert Marianne Seitz bescheiden die anstehende Ehrung, die in der Tat verdient ist, manche mögen sagen: überfällig. Nach der Feier zu ihrem 70. Geburtstag im vergangenen Jahr und vor ihrer Goldenen Hochzeit im kommenden ist es für sie jedenfalls eine Anerkennung, die sie freuen darf.

Doch die gläubige Katholikin, die alljährlich eine Wallfahrt nach Walldürn unternimmt, bleibt demütig, der Vergänglichkeit derart irdischer Ehrungen bewusst. „Wenn der Herrgott einen oben braucht, muss man halt hoch“, lächelt sie. Doch Menschen wie Marianne Seitz werden vor allem auf der Erde gebraucht.

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