Seckenheim

Ein Gewinn für das Projekt

Archivartikel

Konstantin Groß über die neue Bürgerinitiative

Nun gibt es also auch beim Thema Stem eine Bürgerinitiative. Das ist nichts Besonderes, denn seit den 1970er Jahren bei jedem großen Projekt fast schon Tradition. In diesem Fall erstaunlich eher, dass es so lange – ein Jahr nach Beginn der Diskussion – gedauert hat, bis sie entsteht.

Jede solcher Initiativen ist ein Zeichen dafür, dass die Kommunikation zwischen Bürgern und Politik gescheitert ist. Und das ist auch bei Stem der Fall: Nach der chaotischen ersten Bürgeranhörung verlief die zweite zwar in geordneteren Bahnen, aber aus Sicht vieler Bürger gerade auf Grund dieser Reglementierung unbefriedigend; den ständigen Verweis der Veranstaltungsleitung auf das „Fußballspiel ab 20.30 Uhr“ empfanden viele Teilnehmer als unangemessen.

Das jetzige Treffen zeigt aber auch, dass unter den Anwohnern unterschiedliche Einschätzungen bestehen. So gibt es jene, die einer Bebauung, sofern sie locker erfolgt, zustimmen könnten – sei es, weil dies auch für sie selbst Lärmschutz bedeuten würde, sei es aus taktischen Gründen, weil sie erkennen: Eine Totalverweigerung und damit der Verzicht auf Einflussnahme auf die Planung könnte noch Schlimmeres bringen. Und es gibt die, denen am liebsten wäre, wenn sich hier gar nichts täte – es sei denn, dass die Natur sich wieder ausbreitet.

Seriöse Argumentation wichtig

Natürlich ist es das gute Recht der Anwohner, die für ihre Lebensqualität optimale Lösung zu fordern und dafür auch einzutreten. Verantwortliche Politik jedoch muss auch gesamtgesellschaftliche Ziele einbeziehen, so etwa die Schaffung zusätzlichen Wohnraums, also den Ausgleich schaffen zwischen Allgemeinwohl und Bedürfnissen der Anwohner.

Um in dieser Diskussion ernst genommen zu werden, steht der BI noch viel Arbeit bevor. Sie muss nach außen ihre Ziele klar benennen und nach innen Kompromisslinien klären. Vor allem muss sie qualifiziert argumentieren; zu oft begannen beim jüngsten Treffen die Sätze noch mit „Ich habe gehört“ oder „Ich habe irgendwo gelesen“, wurde manches als Tatsache dargestellt, das nicht mehr aktuellem Sachstand entspricht; so steht zum Beispiel längst fest, dass die Erschließung über den Holzweg erfolgen kann.

Wenn die BI seriös agiert, dann wird sie für das gesamte Projekt Stem ein Gewinn.