Seckenheim

Seckenheim Oberbürgermeister Peter Kurz zum kommunalpolitischen Rundgang im Stadtteil / Im Mittelpunkt: Ärger der Bürger über die neue Buslinie 43

Ein heißer Tag – in jeder Beziehung

Archivartikel

Für seinen Rundgang hat er sich einen der heißesten Tage dieses Jahres ausgesucht, aber auch im übertragenen Sinne wird es für ihn ein solcher: Oberbürgermeister Peter Kurz ist mit seinen beiden Bürgermeistern Christian Specht (Nahverkehr, Sicherheit und Ordnung) sowie Ulrike Freundlieb (Jugend, Bildung) nach Seckenheim gekommen, um einige Brennpunkte der örtlichen Kommunalpolitik in Augenschein zu nehmen. Und so schlägt der versammelten Verwaltungsspitze der Unmut mancher Bürger entgegen, der sich in den zurückliegenden Wochen und Monaten zu verschiedenen Themen vor Ort angesammelt hat.

Am deutlichsten wird dies bei der jüngsten „Baustelle“ der Seckenheimer Politik, der am 11. Juni eingeführten neuen Buslinie 43. Um den Ortskern besser zu erschließen, soll diese durch die Meßkircher und die Rastatter Straße führen. Bei letzterer ist dies bislang noch nicht umgesetzt, weil sie derzeit noch gesperrt ist. „Die Leute dort können sich freuen, dass sie den Baukran haben“, meint Anwohner Dirk Eiermann aus der Meßkircher Straße, wo der Unmut schon heute groß ist.

„2000 Busse pro Monat fahren durch diese enge Straße, jeder 19 Tonnen schwer“, erregt sich Eiermann: „Und das in einer Straße, in der Lkw mit mehr als 7,5 Tonnen nicht erlaubt sind.“ Außerdem kritikwürdig aus seiner Sicht: „Diese Busse sind zu 90 Prozent leer.“

„Wir haben nichts grundsätzlich gegen Nahverkehr . . .“ betont Eiermann – „Ja, ja, das sagt jeder“, fährt der Oberbürgermeister dazwischen, und man spürt, dass es in ihm ein wenig „brodelt“ – „aber er darf nicht gesundheitsschädlich sein“, führt Eiermann seinen Satz weiter: „Doch das ist er hier, was Lärmbelästigung und Luftverschmutzung betrifft.“

Klage über Lärmbelastung

Eine Frau unterstützt ihn mit eigenen Erfahrungen: „Der Bus fährt einen halben Meter von meinen Fenstern entfernt vorbei“, berichtet sie: „Ich überlege mir sogar schon wegzuziehen.“ Aber auch das sei schwierig: „Auf Grund dessen, dass der Bus so nah an meinem Haus vorbeifährt, hat es schon jetzt einen Wertverlust von zehn bis 20 Prozent.“

„Die neue Linienführung ist in einem langen, zweieinhalb Jahre währenden Prozess mit den Vertretern Ihres Stadtteils, dem Bezirksbeirat, abgestimmt worden“, entgegnet der für Nahverkehr zuständige Erste Bürgermeister Christian Specht (CDU): „Da sind die Wünsche vieler Bürger mit eingeflossen.“ Diese wollten eine bequemere Anbindung an die Stadtbahnlinie 5, aber auch an den Friedhof. Und was den Bedarf angeht, da könne man jetzt noch gar nichts sagen, betont Specht: „Derzeit sind Ferien, außerdem wird auf Grund der Sperrung der Rastatter Straße ein Teil der Linie noch gar nicht befahren.“

Aber schon jetzt mag Specht die negativen Beobachtungen der Bürger nicht bestätigen: „Auch wenn wir noch keine exakten Zahlen haben, können wir dennoch eine erhebliche Fahrgastzunahme verzeichnen“, erklärt er: „Sogar besser als gedacht!“

Doch Christian Specht zeigt sich auch zugänglich: „Wenn die Linie einige Zeit lang in vollem Betrieb ist, werden wir uns die Zahlen angucken und auch noch einmal die Auswirkungen vor Ort. Und wir werden dann zu einer Veranstaltung einladen“, kündigt er an: „Aber ich kann Ihnen nichts versprechen. Denn eigentlich gibt es keine Alternativen, sonst wären sie ja gewählt worden.“

„Führen Sie den Bus wie früher durch die Badener Straße!“, entgegnet ihm eine Frau und gibt damit die Stimmung der Anwesenden wieder: „Die haben breite Vorgärten vor ihren Häusern. Da fährt der Bus nicht direkt an den Fenstern vorbei.“

Peter Kurz zeigt sich weniger konziliant: „Wenn niemand mit dem Bus fahren würde, wäre der Aufsichtsrat der RNV der erste, der darauf reagieren würde“, betont er ein wenig ärgerlich: „Wir lassen doch keinen Bus aus Spaß fahren!“ Und wenn man immer von „Betroffenen“ der neuen Linie spreche: „Dazu zählen nicht nur die Anwohner der Straßen, durch die der Bus fährt, sondern das sind auch die Menschen, die diese Linie nutzen.“ Und in einer Bilanz müssten auch deren Bedürfnisse berücksichtigt werden.