Seckenheim

Seckenheim Stefan Waghubinger auf der Palü-Bühne

Eine Trennung ist (nicht) lustig

Archivartikel

Es war am Weltelterntag, als Palü-Chef Andreas Hänssler mit Stefan Waghubinger einen Kabarettisten auf der Bühne im Jugendstilsaal des Badischen Hofes ankündigte, dessen Protagonist gerade im Begriff war sich von seiner Frau zu trennen. Einige Utensilien hatte er schon in Kisten eingepackt und auf dem Speicher im Elternhaus deponiert, der Rest sollte bald angeliefert werden, und darauf wartete er auf diesem Dachboden. Und wer wartet, denkt nach, kommt ins Grübeln und beginnt den Besuchern in der ausverkauften Kleinkunstbühne „Palü“ zu erzählen, was ihn bewegt, was er über Gott und die Welt so denkt. Alle wichtigen Fragen des Lebens beantwortet er leicht skurril, philosophiert und lässt das Publikum an seinen Gedankengängen teilhaben.

Unüberwindbare Unterschiede

Nicht immer erntet er schallendes Gelächter, er regt vielmehr an nachzudenken. Und so ist es auch kein Wunder, dass er einmal mehr feststellt, welche Unterschiede es zwischen Männern und Frauen gibt. Frauen würden halt die Entscheidungen treffen, Männer meistens nur den Nagel. Aber eigentlich wisse er ja schon immer vorher was passiert und dann komme es doch anders. Aus dem Hamsterkäfig hat er eine Weihnachtskrippe gebastelt, obwohl sein Sohn den dahingegangenen Hamster ersetzt haben wollte, doch Waghubinger kann Hamsterkäufe nicht leiden. Zwischen Sohn und Vater stimmt die Kommunikation, doch er stellt fest, dass er das, was seine Frau mit Worten sagt zwar hört, aber nicht versteht.

Ja, man verstehe sich nicht mehr, es sei zu spät, man habe sich auseinander gelebt. Leider kommt die Erkenntnis, dass es zu spät ist, ja nie rechtzeitig. Jetzt hätten die guten Tage kommen können, doch es habe in seiner Ehe auch schöne Zeiten gegeben. An diese zu denken, macht ihn jedoch traurig. Und da er ungern traurig ist resümiert er „zum Glück hat es wenig schöne Zeiten gegeben“. Aber er will nicht schlecht über seine Frau reden, doch er wisse niemand, der das sonst übernehmen könnte, schließlich habe er ihr die Entscheidung überlassen, wer in der Wohnung bleibt.

Zwei interessante Aspekte

Und so wartet er jetzt auf dem Dachboden auf die Umzugskartons und erzählt von Gesprächen mit seinem Imbiss-Philosophen. Intensiv befasst er sich da mit dem Thema Leitkultur und hat zwei interessante Aspekte entdeckt. Da ist erstens die Lichterkette zu Advent auf Nachbars Balkon und zweitens seine Übung zur Weihnachtszeit immer etwas für Kinder in Afrika zu spenden. Nebenbei gibt er die Erkenntnis weiter, dass das Bedürfnis an der Supermarktkasse passend zu zahlen, mit abnehmender Sehkraft zunehme. Der studierte Theologe erklärt ebenso anschaulich wie banal wie geistreich den Unterschied zwischen heilig und selig und stellt letztendlich fest, dass alle Religionen von Gott noch einiges lernen könnten. Seine Probleme mit der Wahl von politischen Parteien vergleicht er mit der Auswahl aus einer Sushibar. Auch da wird alles in mundgerechten Stücken optisch ansprechend serviert, aber was ist, wenn man eigentlich gar kein Sushi mag? Apropos Essen: Adam und Eva waren leider keine Chinesen, denn die hätten nicht den Apfel, sondern die Schlange gegessen, schade.

Lustig, hintergründig, brillant und treffend formuliert, glänzend vorgetragen zugleich mit einer zurückhaltenden Komik, so ging Waghubinger seine Themen an, unspektakulär aber großartig, Satire der Spitzenklasse, mit anhaltenden Beifall belohnt. hat