Seckenheim

Endlich vom Eis

Der Zabbe-Brunnen darf an seinen angestammten Platz auf den Seckenheimer Planken zurückkehren – angesichts dieser Nachricht werden nicht nur jene, die dafür gekämpft haben, glücklich, sondern auch viele andere erleichtert sein. Denn das Thema hat das Klima vor Ort über Jahre belastet, ja teilweise vergiftet.

Und dies ist eine der erstaunlichen Erkenntnisse aus dieser Geschichte. Dass nämlich die Frage, wo die steinerne Plastik eines Jauchewagens stehen soll, Emotionen freizulegen vermag wie kein anderes Thema im Vorort – nicht das wichtige Sportstättenkonzept, nicht die neue Buslinie, sogar der Mobilfunkturm nicht. Nur der Brunnen spaltete Vereine und Ortsverbände mancher Partei, führte bei Begehungen und Festen zwischen den Protagonisten zu Wortgefechten, die gar nicht zitierfähig sind.

Schon deshalb musste die Kuh vom Eis. Aber nicht irgendwie. Die jetzige Entscheidung ist die einzig richtige. Ein solches Bauwerk, das die Identität einer Gemeinde tangiert, muss in die Ortsmitte und nicht an die Peripherie, auch wenn das Argument der Integration neuer Wohnquartiere rational begründet sein mag. Aber darum geht es hier nicht, sondern es geht um Emotionen.

Durchhalten und Umkehr

Es versteht sich von selbst, dass es nach dieser Lösung nur noch jene zu geben scheint, die schon immer für sie waren. Um dieser Legendenbildung entgegenzuwirken – der Erfolg hat vor allem einen Namen: Dieter Fedel. Mit seinem Pappschild bildete er das Gesicht der Kampagne für den Standort Planken, zu manchen Zeiten als Einzelkämpfer, oftmals mit Spott und Hohn bedacht. Im politischen Bereich ist Marianne Seitz zu nennen, die sich in dieser Sache auch gegen die Mehrheit ihrer Partei stellte. Lange blieb sie das einzige Gemeinderatsmitglied, das eindeutig für den Brunnen auf den Planken kämpfte.

Am Ende war es der inzwischen verstorbene SPD-Stadtrat Ralph Waibel, der einen Ausweg aus dem Dilemma aufzeigte. Im Herzen Anhänger des Standortes nahe seinem Schifferkinderheim, erkannte dieser erfahrene Mann mit feiner Sensorik für Stimmungen, dass „sein“ Standort ohne Blessuren für die Seele des Stadtteils nicht durchsetzbar war.

So zeigt dieses Thema eines: Dass Bürger etwas bewegen können. Wenn sie mit Herzblut für ihr Ziel eintreten und am Ball bleiben. So gehen die zu ziehenden Lehren über den kleinen Zabbe-Brunnen in Seckenheim hinaus.

 
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