Seckenheim

Enttäuschte Hoffnung

Konstantin Groß zum Mobilfunkturm in Seckenheim

Für die Bewohner von Seckenheim-Süd war 2019 kein gutes Jahr: Sie bekamen einen Mobilfunkmast vor die Nase gesetzt, der sie seither auf die Palme bringt. Nun müssen sie sich wohl zunehmend der Erkenntnis stellen: Er verschwindet nicht, die Hoffnung darauf aber schon.

Die leeren Stühle bei der jüngsten Versammlung senden eine ernüchternde Botschaft. Zu sagen, dies sei das Ende des Protestes, mag verfrüht sein. Unstrittig ist jedoch, dass er in eine Krise geraten ist. Denn inzwischen scheint klar, dass der Mast stehen bleiben wird. Hinter vorgehaltener Hand ist das auch den meisten Aktiven bewusst.

Die Rechtslage ist eindeutig. Der Oberbürgermeister hat sich daher ohne Wenn und Aber hinter seine Verwaltung gestellt – in einer Klarheit, die die Aktiven überrascht, ja erschreckt.

Ernüchternd mag für sie auch die Resonanz im Stadtteil sein. Über den Kreis der betroffenen Anwohner hinaus blieb sie überschaubar. Im Gegenteil: Die Kommentare bis hin zu unflätigen Beleidigungen auf Facebook fielen ziemlich eindeutig aus.

Auch im politischen Raum gibt es keine Unterstützung – von verbalen Streicheleinheiten durch Stadt- und Bezirksbeiräte einmal abgesehen. Kein einziger von ihnen fordert: Der Turm muss weg. Alleine die Rechtspopulisten haben sich, so hört man, bei der BI angetragen; doch ihr Angebot wurde dankend abgelehnt – eine Haltung von deren Sprechern, die höchste Anerkennung verdient.

Wer erwartet haben mag, eine Ökopartei wie die Grünen würde sich für die Mobilfunkgegner in die Schlacht werfen, der sieht sich getäuscht. Sie beantragen lediglich für die Zukunft ein „Gesamtkonzept“ – im Arsenal politischer Beruhigungspillen kommt das gleich nach dem Arbeitskreis.

Und im Bund geht die Politik – und dies in einem breiten Konsens – ohnehin in die entgegengesetzte Richtung: Mehr Türme, schnellere Genehmigung, noch weniger Mitwirkungsrechte.

75 000 neue Anlagen sollen her – das bedeutet 1200 in der Region, 200 in Mannheim. Doch die BI in Seckenheim hat die Mannheimer Politik in dieser Frage sensibilisiert. Insofern war ihr Kampf nicht vergebens. Auch wenn er ihnen selbst wohl nichts bringt.

 
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