Seckenheim

Erleichterung? Ja, aber . . .

Der Schrecksekunde folgte bei den Seckenheimer Kommunalpolitikern die Erleichterung: Die Ankündigung der Bundeswehr, ihre Liegenschaft in der Seckenheimer Loretto-Kaserne nicht vor 2022 und damit mindestens drei Jahre später als bislang erwartet zu räumen, bringt das gesamte Projekt doch nicht ins Wanken. Das ist eine gute Nachricht. Doch es bleiben Fragen.

Zum einen die nach der Informationspolitik der Bundeswehr. Es ist das Verdienst des örtlichen Bundestagsabgeordneten Nikolas Löbel, als ehemaliger Stadtrat in Seckenheim mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut, die brisante Information eingeholt und an die Öffentlichkeit gegeben zu haben. Ohne dies wären die Bürger vor Ort bis heute nicht über die neue Entwicklung informiert. Diese Kritik trifft aber auch die Stadt, die nach eigenen Angaben seit längerem darüber unterrichtet war. Offensive Öffentlichkeitsarbeit sieht irgendwie anders aus.

Zum Zweiten: Zwar soll sich der Start des Projektes nicht verzögern, aber die nunmehr „zwei Geschwindigkeiten“ auf diesem Areal haben dennoch Folgen. So werden jene, die als erste hier einziehen, länger als bislang gedacht mit Baulärm und Dreck zu leben haben. Das ist in einem Neubaugebiet zwar nicht zu vermeiden; weniger lange wäre aber besser.

Supermarkt und Brunnen

Ein gewichtigeres, weil die Infrastruktur betreffendes Problem kommt hinzu: Der auf dem bisherigen Grundstück der Bundeswehr geplante Supermarkt wird angesichts der neuen Entwicklung nicht vor 2023 eröffnen können. Das ist nicht nur ein Nachteil für die Bewohner dieses Quartiers, sondern für den gesamten Stadtteil, in dem die Lebensmittelversorgung ohnehin angespannt ist. Nicht ohne Grund hat das jüngste Einzelhandelsgutachten der Stadt mehrmals auf Besserung durch den Vollsortimenter auf Hammonds verwiesen; der lässt nun auf sich warten.

Und dann ist da schließlich noch die Frage des Zabbe-Brunnens. Der ohnehin heftig umstrittene neue Standort Badener Platz scheint nun ebenfalls nicht mehr kurzfristig realisierbar. Sogar für Befürworter ist daher klar, dass diese Variante damit gestorben scheint. Es ist undenkbar, dieses für die Identität des Vorortes so wichtige Kleinod weitere fünf Jahre auf einem Bauhof zu lagern. Die Diskussion um den Brunnen muss erneut beginnen – und zwar nicht mehr hinter verschlossenen Türen und in Gremien, sondern mit der Bevölkerung insgesamt.

Zum Thema