Seckenheim

Seckenheim Anwohner der Stem-Barracks gründen Bürgerinitiative / Zentrales Ziel: Möglichst viel Gelände renaturieren

„Fläche der Natur zurückgeben“

Archivartikel

Die Anlieger der Stem-Barracks wollen ihre Interessen in die Planung des Areals künftig gemeinsam einbringen. Bei einem Treffen der Anwohner haben sie jetzt die Gründung einer Bürgerinitiative beschlossen. Ihr Ziel ist es, einen möglichst großen Anteil der Fläche entlang der A 656 zu renaturieren.

Volkmar Bauder ist erfahren in Sachen bürgerschaftlichen Engagements – und dies nicht nur vor seinem familiären Hintergrund (er ist der Sohn des bekannten Stadtrats Otto Bauder). Der ehemalige Sportlehrer hat schon beim Bau der Randerschließungsstraße eine BI organisiert; die konnte eine zuvor nicht geplante Unterführung durchsetzen.

Nun engagiert er sich wieder. Dabei geht es ihm und einigen Nachbarn anfangs nur darum, ihren Garten zu erweitern und Gelände auf zehn Meter Tiefe hinzuzukaufen: „Doch unsere Anfragen blieben ohne Reaktion.“ Das führt zur Beschäftigung mit der Planung an sich – und zu neuem Engagement.

Gemeinsam mit dem Landwirt Hermann Michl lädt Bauder per Wurfzettel für Donnerstagabend zu einer Versammlung ein. Die Suche nach einem Ort wird nicht einfach, bleibt auch nicht ohne Absage. Der Kindergarten Don Bosco erklärt sich bereit. Zehn kleine Stühlchen warten auf die Teilnehmer.

Sie reichen bei weitem nicht. Gut 40 Interessierte kommen. „Ich freue mich unheimlich, dass das Interesse so groß ist“, zeigt Bauder sich überwältigt. Detailliert trägt er seine Bedenken gegen die bislang bekannten Planungen vor: Angesichts der großen Konversionsflächen von Hammonds bis Franklin sei es nicht notwendig, auch noch das kleine Stem-Areal zuzubauen: „Wir sollten es der Natur zurückgeben“, formuliert er: „Sie hat es verdient. Die Fläche war ja früher auch schon Wald.“ Die beiden denkmalgeschützten Gebäude, die erhalten bleiben müssen, könnten trotzdem genutzt werden – für Freizeit, Kultur oder Vereine. Für seine Ideen erhält Bauder viel Zuspruch.

Aber es gibt auch Bedenken: „Die Renaturierung ist utopisch“, sagt ein Bewohner des Sandhangs. „Für die Stadt ist das finanziell nicht machbar.“ Er warnt vor einer Totalverweigerung: „Wenn nichts passiert, dann ergreift der Bund die Initiative und stellt uns einen Klotz hin.“ Bebauung sei auch für Anwohner positiv, weil diese einen Lärmschutz bringe: „Sie darf nur nicht zu dicht sein.“

„Wir müssen kompromissbereit sein, um ernst genommen zu werden“, ergänzt ein Teilnehmer und schlägt eine „sozialverträgliche“ Bebauung vor: Kleingewerbe, Häuser mit höheren Dächern zur Autobahn hin, Nutzung der historischen Gebäude etwa als Autobahnmuseum.

Sportgelände kritisch gesehen

„Auch Kleingewerbe macht Lärm“, lehnt eine Frau dies eher ab. Und ihr Nachbar ergänzt: „Auch bei einer begrenzten Bebauung bleibt die Frage der Verkehrserschließung“ – ein Kernproblem, wie sich zeigt. „Auf gar keinen Fall darf sie durch den Dünenrand erfolgen“, warnt ein Mann.

Nicht nur wegen des Verkehrs wird auch eine sportliche Nutzung kritisch gesehen: „Die Lärmbelastung an Wochenenden wäre zu hoch“, sagt eine Dame. „Unser Verein besteht auch ohne das Gelände weiter“, entgegnet Andreas Hänssler, Chef der TSG, die hier eine Sporthalle errichten und damit ihre Platznot entschärfen möchte: „Seckenheim braucht dieses Gelände, damit die Kinder von der Straße weg sind – auch die Enkelkinder von Euch!“

Zwei Stunden wird diskutiert. An diesem Abend gibt es keine Lösung. Eine Arbeitsgruppe, bei der Teilnehmer noch willkommen sind, soll die einzelnen Standpunkte bündeln und ein Konzept erarbeiten. Im Frühjahr folgt ein neues Treffen.