Seckenheim

Seckenheim Markus Enzenauer referiert im Heimatmuseum über jüdische Mitbürger

Fritz und Julius Bär nahmen sich das Leben

Marchivum-Mitarbeiter Markus Enzenauer schreibt gerade an der Ortschronik von Ilvesheim. Dabei stellte er fest, dass auch Seckenheimer zu der dortigen jüdischen Gemeinde gehörten, denn ihre Zahl war stets sehr gering. Bei seinem Vortrag im Heimatmuseum bezog sich Enzenauer auf jene Quellen, die auch Hansjörg Probst nutzte, ergänzt um Einsichten, die sich erst nach Probsts Seckenheimbuch von 1981 auftaten.

In Seckenheim, das dem Kurfürsten direkt unterstellt war und nicht, wie einige benachbarte Dörfer, einen Ortsherrn hatten, lebten offenbar immer nur wenige Bürger mit jüdischen Wurzeln. Für diese Gläubigen gab es jedenfalls keine eigenständige israelitische Gemeinde. 1685 ist mit Moises Judt der erste dem Namen nach bekannte jüdische Seckenheimer benannt.

Nur wenige Nennungen

Dann tauchen in den Unterlagen erst 1716 wieder jüdische Familien auf, mit Löb Schutz Jud, dessen Sohn Joseph sowie Cusel Jud und dessen Sohn Baruch, mit den Frauen und kleinen Kindern, geschätzt etwa ein Dutzend. 1750 ist lediglich Judt Joseph Leeb notiert, nach der Volkszählung 1775 gibt es vier jüdische Seckenheimer, während Ilvesheim als viertgrößte jüdische Gemeinde in der Kurpfalz, nach Mannheim, Mosbach und Heidelberg, 82 Bürger jüdischen Glaubens zählte. Als auch Seckenheim drei Jahrzehnte später badisch wird, findet sich bis 1820 gar kein Eintrag mehr.

Selbst als die jüdische Bevölkerung in den 1860er Jahren endlich ihren Wohnsitz selbst wählen darf, bleibt die Zahl in Seckenheim gering, auch weil es im Ort weder Synagoge und Mikwe noch einen jüdischen Friedhof gibt und man seit 1827 als Filiale von Ilvesheim dem Rabbinat Ladenburg zugeordnet ist. Auch wurden Seckenheims Juden bis 1860 in Hemsbach, dann in Ilvesheim bestattet. Der 1880 aus Ilvesheim zugezogene Viehhändler Bernhard Bär war Teilnehmer des Krieges 1870/71, und 1925 gab es in Seckenheim mit 13 Einträgen die höchste Zahl jüdischer Mitbürger.

„Dass viele im Ort blieben, darf als Indiz für eine gute Assimilation gelten, waren sie doch Geschäftsleute und im Ortsleben verankert“, so Enzenauer. Arthur Baer zum Beispiel war aktiv in Rennverein, Fußballvereinigung und Männergesangverein, war Mitglied der Radfahrgesellschaft und anerkannter Geschäftsführer der Landwirtschaftlichen Ein- und Verkaufsgenossenschaft. Diese Bürger mit Wurzeln im jüdischen Glauben, waren Seckenheimer, hatten im Weltkrieg gedient oder waren gar „für Deutschland“ gefallen.

Ihre Eltern gaben ihnen Namen wie Arthur, Manfred oder Fritz. Mehrere von ihnen heirateten außerhalb ihrer Religion, z. B. evangelische Frauen wie Emma Seitz oder Elisabeth Schüssler. Heinrich Alperowitz wurde gar Katholik. Deren Kinder waren also Christen und galten trotzdem nach dem völlig unsinnigen Rassenwahn der Nazis als Halbjuden oder Mischlinge. Ihre Heimatliebe schützte sie nach der Machtübernahme nicht vor Anfeindungen, Konzentrationslager und Ermordung durch die Nazis.

Verhaftet und deportiert

Fritz und Julius Bär nahmen sich 1936 in Seckenheim das Leben. Andere Seckenheimer mit jüdischen Wurzeln wurden ohne nachvollziehbaren Anlass verhaftet und in Konzentrationslager deportiert. Dass jene Mitbürger ursprünglich jüdischen Glaubens, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Seckenheim lebten und leben wie Christen, Muslime oder auch Atheisten heute ganz selbstverständlicher Teil der hiesigen freien Gesellschaft sein können, ist ein hohes Gut, das die IG als Teil eines friedlichen und konstruktiven Miteinanders bei der Maidemonstration „Gegen Gewalt und Extremismus“ alljährlich betont.