Seckenheim

Seckenheim Zauberkünstler Pit Hartling löst im Palü Erstaunen und Beifallsstürme aus

Geburtsdatum aus Schuhgröße, Haus- und Rufnummer errechnet

Archivartikel

„Nach wenigen Minuten waren wir überzeugt, den müssen wir engagieren.“ So beschrieb Palü-Intendant Andreas Hänssler die erste Begegnung mit Pit Hartling. Nach einem Abend voller Überraschungen und ganz viel guter Laune war das Publikum in Seckenheims ausverkaufter Kleinkunstbühne „Palü“ genau derselben Meinung. Hartling bot in der Tat einen Auftakt nach Maß ins nun schon 17. Palü-Jahr.

Schon mit 17 Jahren war der Frankfurter, auf den die Bezeichnung Zauber-„Künstler“ hundertprozentig zutrifft, in Tokio magischer Vize-Weltmeister für Kartentricks. Dass er nicht so TV-bekannt ist, liegt gewiss daran, dass er seine Kunst sehr bescheiden und minimalistisch ausgestattet anbietet. Dafür aber findet er sofort einen – für seine Darbietungsart wohl unerlässlichen und überaus sympathischen – direkten Zugang zum Publikum, wofür das „Palü“ genau den richtigen Rahmen bietet.

Gäste als Teil der Show

Dieser gut aufgelegte, fröhliche Mann, steckt an. Es scheint ihm keine Probleme zu verursachen, dass die vorderen Reihen ganz nahe dran sind. Im Gegenteil: Er bezieht die Palü-Freunde mit ein und macht sie zum Teil seiner Show, die er mit charmanten Kalauern und Gags anreichert. Hartling, der sich wohl zu Recht „Deutschlands dünnster Magier“ nennt, ist eigentlich ein unauffälliger Zeitgenosse, verzichtet auf die großen Gesten oder auf weit ausholende Effekte. Er präsentiert den Zuschauern hemmungslos eine Unmöglichkeit nach der anderen. Rasch hat er mit seinem Seil, das erst zwei, dann drei, vier und schließlich gar keine Enden mehr hat, bei den Besuchern Verwunderung ins Gesicht gezaubert. Ungläubiges Erstaunen ruft sein Umgang mit dem „Zauberwürfel“, auch Rubik’s Cube genannt, hervor. Er löst die Aufgaben blind oder in weniger als einer Sekunde, ohne am Würfel zu drehen. Er kann das – und stellt verschmitzt fest: „Wozu bin ich sonst Zauberer“.

Schnelligkeit und Präzision

Er ist aber auch Mathematikgenie, „errechnet“ aus Schuhgröße, Hausnummer und einer Ziffer der Telefonnummer das exakte Geburtsdatum. Er verteilt Umschläge und lässt einen Gast die acht Personen auf der Bühne in eine willkürliche Reihenfolge bringen und am Ende ergeben die Buchstaben in den Umschlägen doch ein Wort. Immer wieder macht seine Fingerfertigkeit, seine Schnelligkeit und Präzision fassungslos. Natürlich dürfen fantastische Kartentricks nicht fehlen, und die zehn Euronote, die er einem Gast eine Stunde zuvor abgeluchst hat, taucht, wen wundert‘s, in einer Zitrone wieder auf. Er verblüfft mit seinen Tricks, fügt vor den Augen der Gäste Ringe aus dem Publikum zu einer Kette zusammen und löst diese wieder – unmöglich zu erkennen oder zu begreifen, wie er das macht, egal wie intensiv man hinschaut.

Beleg für die große Aufmerksamkeit, die der Künstler genießt, ist, dass die Zuschauer derart überrascht und beeindruckt sind, dass sie völlig fasziniert mit offenem Mund dasitzen und fast vergessen zu applaudieren –was dann aber umso heftiger folgt. All die Täuschungen waren gewiss keine Enttäuschungen.

Kurzum: Hartling gelang ein Abend voll geistreichem Witz und perfekter Zauberkunst, unfassbar, aufgeweckt, lustig und ungemein unterhaltsam. Die Seckenheimer Kleinkunstbühne war quasi für einen Abend „Pits Palü“.