Seckenheim

Seckenheim Rhein-Neckar-Verkehrsgesellschaft (RNV) kündigt Änderungen im Detail am neuen Busliniensystem an

„Geht an der Nachfrage vorbei“

Manchmal werden Probleme für Kommunalpolitiker hautnah erlebbar. „Heute bin ich in der engen Messkircher Straße mit meinem Rad einem Bus begegnet“, berichtet Stadtrat Thorsten Riehle (SPD) auf der von ihm geleiteten Bezirksbeiratssitzung Seckenheim: „Wir standen uns gegenüber und überlegten, wer von uns zurückfahren soll.“

Der Kommunalpolitiker bestätigt mit seinem Erlebnis einen der Kritikpunkte, die gegen die neue Buslinienführung seit deren Einführung vor anderthalb Jahren vorgebracht werden. „Die neue Linienführung hat sich bewehrt“, bilanziert dennoch Felix Dmochowski, bei der Rhein-Neckar-Verkehrsgesellschaft (RNV) zuständig für Planung. Gegenüber 2017 seien die Fahrgastzahlen vor Ort um 16 Prozent gestiegen.

Gleichwohl hat die RNV auf Wunsch der Bürger bereits eine wichtige Veränderung vorgenommen: „Auf die Führung der Busse durch die enge Rastatter Straße haben wir verzichtet.“ So wird es für die Linie 42/46 am Badener Platz eine neue Haltestelle namens „Deutscher Hof“ geben: „Im Herbst wird sie fertiggestellt.“ Zum 7. Januar sollen weitere Änderungen in Kraft treten.

Geändert werden soll vor allem die Bedienung des Gewerbegebietes Mühlfeld. „Von der Verlängerung haben wir uns mehr versprochen“, bekennt Dmochowski und nennt ernüchternde Zahlen: Die Frequenz liegt bei 13 bis 15 Fahrgästen – pro Tag! „Bei manchen Fahrten hatten wir sogar zwei Fahrgäste, das Maximum waren einmal drei Fahrgäste“, erläutert der RNV-Vertreter unter ungläubigem Kopfschütteln des Publikums. „Dieses Angebot geht an der Nachfrage vorbei“, bilanziert er.

Streckenabschnitt einstellen

Daher schlägt Dmochowski dem Rat vor, die Linie auf dem Abschnitt zwischen Otto-Bauder-Anlage und Dualer Hochschule einzustellen. Beifall kommt auf. „Die Einstellung einer ÖPNV-Verbindung wird angekündigt, und es ertönt Beifall?“, wundert sich Sitzungsleiter Riehle.

Bei der Linie 43 hat sich laut RNV zwar die erwartete Nachfrage grundsätzlich ergeben, allerdings nicht bei der Fahrt durch die Messkircher Straße und den Inneren Heckweg abends nach 20 Uhr und in der Frühe. Da es dort ohnehin zu Beschwerden von Anwohnern über Lärmbelästigung zu diesen Zeiten gekommen ist, reagiert die RNV auch hier: Montags bis samstags vor 5.30 Uhr und nach 20.30 Uhr will sie stattdessen über Schwabenstraße und Lämmertränke fahren und für die Haltestellen Messkircher Straße und Innerer Heckweg ein Ruftaxi anbieten.

Bei einem solchen Service, der in der näheren Umgebung bereits in Friedrichsfeld Alteichwaldsiedlung/Südbahnhof besteht, wird das Fahrzeug 30 Minuten vor Fahrtantritt telefonisch bestellt. „Für Seckenheim wollen wir versuchen, diese Vorlaufzeit auf 20 Minuten zu verkürzen“, kündigt Dmochowski an. „Dann kann man anrufen, wenn man am Paradeplatz in die Linie 5 einsteigt.“

Die Linie 44 wiederum soll künftig eine kürzere Strecke nach Friedrichsfeld nehmen, und zwar über die Lämmertränke und die Holzwegbrücke. „Allerdings haben wir bezüglich der Holzwegbrücke noch Diskussionsbedarf mit der Verkehrsbehörde“, räumt Dmochowski ein. Diese Linie könne übrigens an neue Bedarfe angepasst werden, sollten auf den Stem-Barracks dereinst Sportanlagen in Betrieb gehen.

Alternativvorschlag geprüft

Ausführlich widmet sich der RNV-Vertreter dem Alternativvorschlag des ABÖ (Aktionsbündnis bürgerorientierter öffentlicher Nahverkehr), der eine Ringlinie vorsieht, die in der Diskussion unter dem Begriff „41+“ firmiert. „Diese hat in der Tat einige Vorteile“, räumt Dmochowski ein, so etwa die geringere Belastung von Anwohnern und die Erreichbarkeit vieler Punkte. Dem entgegen steht jedoch die Verfügbarkeit der Haltestellen: Am Rathaus sei nach dem Neuzuschnitt der Haltestege auf den Planken kein Platz mehr, am OEG-Bahnhof nur an der Rückseite.

„Heute will ich dazu gar nicht viel sagen“, betont der Co-Sprecher des ABÖ, Ralf Kittel, in seiner Funktion als Bezirksbeirat für die Grünen: „Dazu haben wir noch ausführlich Gelegenheit.“ Denn am 10. Oktober findet dazu ein Runder Tisch statt.

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