Seckenheim

Seckenheim Drei Kleintiertunnel unterhalb der Landesstraße 542 nach zwei Monaten Bauzeit fertiggestellt

Hamster, Eidechse und Fuchs künftig vor Autos sicher

Montagmittag, 12 Uhr, an der Landesstraße 542 zwischen Seckenheim und Hochstätt. Der Autor dieses Beitrages steigt den Straßendamm hinab, um den neuen Kleintiertunnel zu betrachten. Gerade als er sich bückt, um in die Röhre hinein zu fotografieren, da blicken ihm zwei Augen eines Tieres entgegen. Dieses ist mindestens so erschrocken wie der Redakteur – und sucht das Weite. Doch die Begebenheit beweist: Er wird schon angenommen – der neue Kleintiertunnel unter der L 542.

Pünktlich zum Feiertag in der zurückliegenden Woche ist das Projekt fertig geworden. In knapp zwei Monaten Bauzeit wurden drei Betonrohre in den Damm der zwischen Hochstätt und Seckenheim verkehrenden Straße verlegt. Sie sollen dazu dienen, den Tieren ihre Bewegungsfreiheit zu erhalten – trotz des Systems an Straßen und Schienen, das diese Ecke der Region durchzieht; Habitatvernetzung heißt das.

Straßen zerschneiden Landschaft

Gerade rund um Seckenheim ist diese besonders nötig, weil auch die Belastung besonders stark: Am Ortsrand liegen die Autobahnen 6 und 656, senkrecht zu ihnen die Landesstraße 542, hinzu kommen die vielen Gleise des Rangierbahnhofs auf der Hochstätt. Sie alle zerschneiden die Lebensräume von Tieren, zumeist unüberwindbar. Betroffen sind vor allem Füchse, Kröten, Eidechsen, Kaninchen und der vom Aussterben bedrohte Feldhamster.

Um diese Belastungen zu verringern, hat das Land Maßnahmen zur Vernetzung entwickelt. Diese sind in verschiedenen Formen denkbar: Durch „Populationsmanagement“ (das heißt: Die Tiere werden eingefangen und an andere Orte transportiert), durch „Grünbrücken“ (Straßenüberquerungen) oder „Kleintierdurchlässe“, sprich: Tunnel.

Diese Lösung wurde im Fall der L 542 gewählt – „in enger Zusammenarbeit von Naturschutz- und Straßenbauverwaltung und unter Berücksichtigung der ökologischen, technischen sowie wirtschaftlichen Belange“, wie das Regierungspräsidium betont. Denn natürlich ist die ganze Sache nicht umsonst: 360 000 Euro kostet die Maßnahme.

Gearbeitet wurde übrigens bei laufendem Verkehr. Eine Spur war immer frei, mit Ampeln geregelt, so dass jeweils eine Fahrtrichtung genutzt werden konnte. Nur an wenigen Wochenenden war eine Vollsperrung notwendig, denn es wurde in offener Tunnelbauweise gearbeitet. Dazu wird das Gelände aufgegraben, das Rohr verlegt und die Grube wieder mit Erdreich bedeckt.

Das jetzige Projekt umfasst drei verschiedene Tunnel – für Fachleute: Betonröhren Typ DN 1000 –, von einem Meter Durchmesser, einer 31 Meter und zwei 17 Meter lang. Sie liegen etwa zwei Meter unterhalb der Fahrbahn. Denn die L 542 verläuft in diesem Abschnitt auf einem Damm, der zur Brücke über die A 656 führt. Ein Rohr befindet sich nördlich, zwei weitere südlich dieser Autobahn. Dank der Tunnel können die Tiere nun die jeweils andere Seite der L 542 erreichen, ohne sie überqueren zu müssen. Damit die Vierbeiner diesen Weg auch finden, wurden entlang der beiden Seiten der Fahrbahn auf einer Gesamtlänge von mehr als einem Kilometer Leitplanken errichtet, welche die Tiere gezielt zu den Tunneln führen.

Jeder Tunnel enthält noch eine kleinere, gelochte Fluchtröhre (auf den Bildern die grüne). Dieser sogenannte „Prädatorenschutz“ ermöglicht speziell kleinen Tieren wie Feldhamstern oder Eidechsen ihren Weg, ohne von natürlichen Feinden wie Füchsen gefressen zu werden.

Projekt wissenschaftlich begleitet

Der ökologische Gewinn des Projektes ist erheblich, laut Regierungspräsidium Karlsruhe hat es sogar „Pilotcharakter“, es wird daher wissenschaftlich begleitet. Schon jetzt steht fest: „Durch die Vernetzungsmaßnahme wurden Flächen von insgesamt rund fünf Quadratkilometern wieder zusammengeführt“, bilanziert das Regierungspräsidium zum Abschluss der Maßnahme. Für diejenigen, die sich mit den alten Flurnamen auskennen: Verbunden sind nun „Niederfeld“ und „Mittelfeld“ sowie „Kloppenheimer Feld“ und „Mittelfeld“ südlich der Autobahn.

Was aber ist, diese Frage bleibt zunächst, mit der Autobahn selbst? Wie können die Tiere auch diese viel breiteren und weit stärker befahrenen Trassen gefahrlos überwinden? „Ähnliche Maßnahmen sind geplant, um auch die Barrierewirkung der A 6 und A 656 für Kleintiere zu mindern“, versichert das RP. Klar ist aber auch: Eine Lösung für die Autobahnen ist technisch, logistisch und finanziell weit aufwendiger als an der eher kleinen L 542.

Immerhin: Bei der aktuell im Bau befindlichen L 597 zwischen Seckenheim und Ladenburg inklusive neuer Neckarbrücke sind derartige Habitatvernetzungen für Kleintiere bereits von vorneherein vorgesehen.

Info: Bilderstrecke unter morgenweb.de/seckenheim

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