Seckenheim

Seckenheim Im Heimatmuseum Abend über „Seggemarisch“

Hans-Peter Schwöbel bricht eine Lanze für den Dialekt

„Sprache ist Heimat, und alle Sprache braucht Beschützer“, sagt einst Joseph Weizenbaum. Und so beschützt auch Hans-Peter Schwöbel vehement den Dialekt, seine Kurpfälzer „Muddaschbrooch“. Denn „Muttersprache ist lebendige Kraft im Bereich zwischen Gemeinschaft, Landschaft und Persönlichkeit“, so der Diplom-Soziologe.

Das Heimatmuseum Seckenheim feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen. In der Neujahrsproklamation hatten die örtlichen Fasnachter die Verantwortlichen im Museumsverein aufgefordert, einen Sprachkurs für „Neigeblaggde“, also Seckenheimer Neubürger und Zugezogene, zu organisieren.

Vereinschefin Traudl Gersbach gefiel die Idee gut. Und sie konnte den mit dem Heimatmuseum eng verbundenen Sprachwissenschaftler Hans-Peter Schwöbel für einen Abend über Dialekt und Heimat gewinnen. Um allen interessierten Seckenheimern und eben den „Neigeblaggde“ den Genuss dieser Einführung in die kurpfälzische und seggema Schbrooch zu ermöglichen, lud der Heimatverein ins evangelische Gemeindehaus ein. Und da reichte der Platz eben gerade so aus.

Alles andere als ordinär

Mit viel Leidenschaft gibt Schwöbel dort Einblicke in den hiesigen Dialekt, verteidigt vehement die Sprache, die viele für „ordinär und breit“ hielten. „Dialekte sind nicht primitiv, sondern anspruchsvolle Sprachmuster, und sie haben keinesfalls etwas mit Bildungsnotstand zu tun“ betont er. „Dialektsprecher haben eher einen sehr großen Wortschatz“, weiß der promovierte Pädagoge.

Und so zeigt er auf, wie sich Sprache verändert und welche Wurzeln in benachbarten Sprachen und welche Einflüsse vorhanden sind. Dialekte bewahren jahrhundertealte Sprachen und auch Fremdsprachen.

Für seine Ausführungen sucht sich Schwöbel etliche Ausdrücke und Sätze heraus, um zu unterstreichen, wie viel Musikalität und Klangfarbe auch und gerade in Dialketen vorhanden ist: „Sprachmelodie und Sprachrhythmus prägen die Persönlichkeit des Einzelnen und die Mentalität ganzer Völker“. Mit seinen Beispielen sorgt der Referent auch für manchen Lacher – schließlich ist er auch Kabarettist und kombiniert daher gerne künstlerische und wissenschaftliche Aspekte.

In seinem Essay „Sprache ist Heimat“ macht Schwöbel deutlich, dass Dialekt Kulturerbe der Menschheit ist und mahnt, die Vielfalt zu erhalten, ja sogar Dialekt in der Schule zu unterrichten. Mit einem Gedicht über „unser Muddaschbrooch“ beendet er seinen informativen und gleichzeitig heiteren Vortrag.

Mit wenigen Worten viel gesagt

Museumschefin Traudl Gersbach schließt noch einen kleinen Sprachunterricht an. Mit einer Wörtersammlung aus dem Buch „Alt-Seckenheim“ von Heimathistoriker Hansjörg Probst gibt sie nicht nur Pfarrer Helmut Krüger und seiner Frau Claudia sowie Stadtrat Ralph Waibel ein paar Beispiele an die Hand, wie diese in Seggemarisch ihre Zustimmung, Ablehnung oder Verwunderung kurz und knapp zum Ausdruck bringen können.

Wie wichtig Claudia und Helmut Krüger ihr Mutter-Dialekt ist, das zeigen sie mit einem alemannischen Gedicht über den Mann im Mond und einem Lied aus ihrer Heimat, dem Markgräflerland. Gerade die musikalische Dimension verbindet die Menschen, wenn auch nicht alle Wörter verstanden werden.

Ralph Waibel, ebenfalls im Badischen aufgewachsen, etliche Jahre im Schwäbischen lebend und seit 1982 in Seckenheim zuhause, tut sich dagegen schwer. Er schwätzt eben, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, von jedem Dialekt ein bisschen. Alle aber nehmen mit: Der Abend war „oig, oig schäh“. sane