Seckenheim

Seckenheim Vorstand der TSG schlägt ehemalige Stem-Barracks als Ort eines integrierten Sportgeländes für den Stadtteil vor

„Jetzt sind wir echt am Limit“

Die Platznot der Sportvereine in Seckenheim und die damit verbundenen Probleme werden immer größer. „Jetzt sind wir echt am Limit“, formuliert TSG-Vorstand Andreas Hänssler. Gemeinsam mit seiner für den Sportbetrieb zuständigen Kollegin Regina Kasper hat er gestern zum Pressegespräch eingeladen, um die angespannte Situation zu schildern. Doch er präsentiert auch einen Lösungsvorschlag: ein neues Sportgelände in den ehemaligen Stem-Barracks entlang der Autobahn.

Mit 2500 Mitgliedern (Hänssler: „Tendenz steigend“) ist die TSG im Sportbereich nach dem TSV 1846 der zweitgrößte Verein Mannheims. Die Mitglieder sind in 180 Sportangeboten pro Woche aktiv, geleitet von 140 Übungsleitern, zu denen sich sieben Festangestellte gesellen. „In dieser Hinsicht sind wir ein modern aufgestellter Verein“, so Hänssler.

Doch die Räumlichkeiten entsprechen dem nicht. „Wir sind auf 19 verschiedene Sportstätten verteilt“, erläutert der Vorsitzende. Die Rope Skipper (Seilspringer) etwa müssen bis nach Rheinau-Süd fahren. „Für die Jüngeren ist das sehr weit, und das hindert natürlich manchen, dort mitzumachen“, berichtet Hänssler von dieser Gruppe des Vereins, die in Kürze sogar zur Weltmeisterschaft nach Shanghai reist.

Durch die Hallensituation gehemmt sind auch die Handballer. Die Männer spielen in der Landesliga, die Frauen in der Oberliga. Der Verband verlangt für die Oberliga jedoch die Nutzung von Haftmitteln an Händen und Ball. Die Damen haben dafür in der Richard-Möll-Halle nur eine Ausnahmegenehmigung.

Das größte Sorgenkind ist jedoch das Herzstück des Vereins, das Seckenheimer Schloss. „Hier müssen wir drei bis vier Mal pro Woche alle schweren Geräte auf- und wieder abbauen.“ Die reine Pacht sei zwar nicht hoch, die Nebenkosten aber immens: „Wir finanzieren Energie, Reinigung und den Hausmeister.“

Aus diesem Grund hat Hänssler, als er 2016 nach mehrjähriger Pause wieder in die Vorstandsarbeit einstieg, schon frühzeitig nach Lösungen gesucht. Eine davon: Kooperation mit dem mit 700 Mitgliedern zweitgrößten Verein Seckenheims, dem SV. Denn dieser hat ähnliche Sorgen, etwa ein Clubhaus und Anlagen, die sanierungsbedürftig sind.

Daraus entstand die Idee, die Otto-Bauder-Anlage, deren Pächter der SV ist, an die Stadt zurückzugeben, damit dort Wohnungsbau entstehen kann: Immerhin sind das 44 000 Quadratmeter in bester Lage. „Da passen 100 Einfamilienhäuser drauf, das ergibt einen Erlös von 20 bis 25 Millionen Euro.“ Davon könnte die Stadt etwa die Hälfte abzweigen zu Gunsten eines neuen integrierten Sportgeländes für den gesamten Vorort. „Zehn Millionen von der Stadt, zwei Millionen könnten die beteiligten Sportvereine dazugeben“, rechnet Hänssler vor.

Bleibt die Frage: Wo soll das neue Gelände entstehen? Hänssler spielt verschiedene Möglichkeiten durch. Etwa das Gelände südlich der Lämmertränke, das als Mischgebiet ausgewiesen sei, weil hier einst ein Supermarkt angedacht war; ein Teil davon gehört schon der Stadt. Oder das Freigelände neben den Schützen.

Doch als eher ideal erachtet Hänssler das Gelände der ehemaligen Stem-Barracks. Wohnungsbau sieht er hier wegen der ungeklärten Verkehrserschließung als unrealistisch an: „Einen direkten Anschluss an die Autobahn wird es nicht geben, eine Führung über die Holzwegbrücke wiederum ist nicht praktikabel.“

Allerdings ist Hänssler bewusst: „Auch dieses Gelände wird nicht reichen, alle Angebote der beiden großen Vereine unterzubringen.“ Daher bleibe das bereits angedachte Konzept der Kooperation aktuell: Konzentration bestimmter Sportarten in jenem Verein, der darin führend ist.

Grundsätzlich wünscht sich Hänssler von der Stadt eine aktivere Rolle: „Derart konzeptionelle Fragen sind eigentlich deren Aufgabe, nicht die von uns Ehrenamtlichen.“