Seckenheim

Seckenheim Informationsveranstaltung der Anwohnerinitiative gegen den Mobilfunkturm Süd / Nur geringe Resonanz auf Fachvortrag

„Kommunen entmachtet, Bürger völlig außen vor“

In den Gesichtern ist die Enttäuschung unübersehbar. „Es sind weit weniger da als erhofft“, bekennt Thomas Rieger, Sprecher der Bürgerinitiative gegen den Mobilfunkmast. Gerade mal zwei Dutzend Besucher sind zur Info-Veranstaltung im Siedlerheim erschienen, das für gut 100 Interessierte bestuhlt ist.

Und das, obgleich die Aktiven um Rieger und seinen Ko-Sprecher Jochen Güniker den Abend bis ins Detail vorbereitet haben. Sogar die Getränke- und Speisekarte am Tresen trägt als Hintergrundfoto den Turm, der sie seit August auf die Barrikaden führt. An den Wänden stehen die Info-Tafeln, auf denen die Aktiven Dokumente zeigen, die ihre Sicht der Dinge untermauern sollen. So etwa das Schreiben der Stadt an einen Grundstücksbesitzer, der bereits tot ist. „Die Verwaltung hat versäumt, eine aktuelle Version des Grundbuches zu konsultieren“, so Güniker.

Dokumente auf Stelltafeln

Oder aber die Stellungnahme des Mannheimer Umweltamtes vom 12. September 2018. Darin spricht sich die Behörde „aus natur- und artenschutzrechtlichen“ Gründen gegen den Bau des Turmes aus: „Wenn das sogar die zuständige Stelle der Stadt sagt“, wundert sich Güniker.

Warum dies keine Berücksichtigung findet, zeigt aus Sicht der Aktiven das Dokument direkt daneben, überschrieben mit dem Schriftzug „Druck auf den OB“: Ein Schreiben der Deutschen Funkturm (DFMG) vom 17. Dezember 2018 an Oberbürgermeister Peter Kurz. Darin bittet die Bauherrin des Turms unter Hinweis auf die gesamtgesellschaftliche Bedeutung der Digitalisierung den Rathaus-Chef um Unterstützung im Sinne einer zügigen Abwicklung entsprechender Anträge; drei Tage später antwortet das OB-Büro der DFMG, man habe dieses Ansinnen an die Bauverwaltung weitergeleitet.

Für den Referenten ist das alles keine Überraschung. Jörn Gutbier, Architekt und Baubiologe, ist Vorsitzender des Verbraucherschutzvereins „Diagnose: Funk“. Am Abend zuvor referiert er in Freiburg vor tausend Zuhörern. „Es geht immer wieder um die übliche Mastenproblematik.“ Und die sieht er im Kern in der geltenden Rechtslage begründet: „Die Kommunen sind entmachtet, die Bürger völlig außen vor gelassen.“ Getragen werde dies von einer breiten Unterstützung der etablierten Politik, ja teilweise auch von vielen Bürgern, die bestehende Bedenken verdrängen: „Als 2007 das Smartphone kam, war der Drops gelutscht.“ Doch dies sei falsch: „Die Auswirkungen sind völlig unklar.“

Mit einer Vielzahl von Folien erläutert Gutbier Studien, welche die Gefährdungen aufzeigen, etwa für das Hormon- und Nervensystem. „Und Krebs wächst unter Mikrowellenstrahlung stärker als ohne.“ Für Mäuse sei dies bereits allgemein anerkannt, nicht jedoch für Menschen: „Darauf angesprochen, verhält sich die Politik nach dem Motto: Da sollen die Mäuse eben weniger mit dem Handy telefonieren.“

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