Seckenheim

Seckenheim Comedy-Duo Suchtpotenzial begeistert im Palü mit „Sexuelle Belustigung“

Lustig, listig und direkt

Archivartikel

Für das Damendoppel Suchtpotenzial, Ariane Müller und Julia Gámez Martin, war es bereits das dritte Gastspiel in der Seckenheimer Kleinkunstbühne „Palü“, und schon bislang war „sexuelle Belustigung“ eine der „Stärken“ des musikalischen Comedy-Duos. Was lag also näher, als dieses dritte Programm gleich so zu nennen und damit ganz früh nach Seckenheim zu kommen. Was mit dem Titel gemeint war? Den Stammgästen und bald auch jenen, die beide Künstlerinnen erstmals erlebten, war das rasch klar. Ging es doch wieder ziemlich rabenschwarz und verbal direkt zu. Ob feministische Gags mit Selbstreflexion, „MeToo“ oder Instagram, dem Publikum wurde im ausverkauften Jugendstilsaal des Badischen Hofes ebenso witzig wie gesellschaftskritisch der Spiegel vorgehalten.

Zunächst outeten sich Palü-Techniker Johannes Bähr sowie das Palü-Duo Jörg Knobloch und Andreas Hänssler optisch als Suchtpotenzial-Fantrio, und Hänssler freute sich auf einen tollen Abend, nicht ohne auf die Vielfalt des nächstjährigen Programms einzugehen. Das ist schon online anzuschauen, und Karten können ab 2. Dezember vorbestellt werden, pünktlich ab 12 Uhr mittags.

Ebenso forsch, wie die beiden Damen von Suchtpotenzial die Palü-Bühne eroberten, so landeten sie auch beim zunehmend begeisterten Publikum, das schon nach dem ersten Lied entflammt Beifall spendete. Ariane Müller und Julia Gámez Mart lieferten sich in der Folge heftige Gesangsduelle und kraftvoll herbe Wortgefechte, da galt es auch schon mal zwischen den Zeilen zuzuhören. Nicht alles, was platt schien, war es auch, denn sie versuchten mit Witz, Wollust und Wohlklang ihre Anliegen abzuarbeiten. Da hatten die Männer öfter Gelegenheit zu schlucken, freuten sich aber immerhin über das nicht gerade damenhafte Bekenntnis „Wir sind genau so sch… wie ihr“ – mit der nachgereichten Forderung, gegen die Ungleichbezahlung der Frauen im Beruf zu kämpfen.

Seit 2013 arbeiten die beiden Musikerinnen als erfolgreiches Comedy-Duo zusammen, schreiben alle Texte selbst, waren schon in diversen TV-Shows zu sehen, und man hat ihnen jetzt im Genre Chanson/Musik/Lied für 2020 den Deutschen Kleinkunstpreis zuerkannt.

Alberne Texte und virtuose Gesangsduelle mit klasse Stimmen, das sind keine Gegensätze, sondern ergänzen sich, es geht beides bei den beiden Powerfrauen. Sie werfen Konventionen und Klischees über Bord, beziehen politisch Positionen, verpacken das lustig und listig, provozieren einen ziemlich eskalierenden Streit über Operngesang und Breakdance und bieten dem Publikum so viel Spaß, dass es einfach nicht genug bekommen kann. Suchtpotenzial blieb gar nichts anderes übrig, als nach dem offiziellen Teil noch mit Zugaben aufzuwarten, und auch dafür gab es begeisterten Beifall. Das Duo lieferte mit „Sexuelle Belustigung“ eine klasse Gastspiel im Palü ab, die Begeisterung war groß, was wohl auch umgekehrt gilt, haben doch beide ins Gästebuch geschrieben: „Seckenheim hat Suchtpotenzial.“

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