Seckenheim

Seckenheim Erlösergemeinde bei Planung zu Kompromissen gezwungen / Denkmalschutz verhindert Neubau

Nach fast 60 Jahren ist Schluss im Gemeindehaus

Archivartikel

Das Gemeindehaus der evangelischen Erlösergemeinde Seckenheim in der Freiburger Straße ist Geschichte. Mit einer Abschlussparty haben sich nicht nur Protestanten, sondern viele weitere Seckenheimer von dem Gebäude nahe der Kirche verabschiedet. Nach fast 60 Jahren ist jetzt Schluss. Mit Beginn der Sommerferien ist der Betrieb eingestellt worden.

Ursprünglich wollte die Kirchengemeinde bereits im Sommer mit dem Neubau eines Gemeindehauses mit viergruppiger Kindertagesstätte beginnen, doch das Landesdenkmalamt lehnt das Projekt in der vorgelegten Form ab. Wie es nun weitergeht, ist nach Angaben von Pfarrer Helmut Krüger völlig offen.

Gefeiert wurde trotzdem. Ein letztes Mal trafen sich die Seckenheimer, um sich noch einmal zu erinnern und miteinander über die Vergangenheit des Gebäudes in der Freiburger Straße zu reden. Im Foyer wurde aufgetischt, was die Gäste mitbrachten, und dann setzten sie sich draußen an die Biertische.

Doch der Saal, in dem einst der junge Xavier Naidoo auftrat, wo der TV-Journalist Franz Alt zu Gast war, wo jahrelang Bauerntheater zu sehen oder bester Bazar-Bigband-Sound zu hören war, bleibt für immer geschlossen, auch wenn kein Ersatz dafür in Sicht ist. „Der Rückblick auf das, was ich hier gesehen habe, macht mich schon sehr stolz“ bekannte Pfarrer Krüger. „Das Haus war evangelisches Bürgerzentrum und Begegnungsmöglichkeit für Menschen verschiedener Konfessionen und Religionen“, sagte er: „Diese gute Tradition muss fortgeführt werden.“ Das Abschiedstreffen erinnere daran, dass hier diskutiert, geplant, gestritten, um die Wahrheit und um den rechten Weg gerungen, gesungen und musiziert wurde. Es wurde gekocht, Geschirr gespült, gebetet und geklagt, gehofft und gebangt, auch was das Haus selbst betrifft.

Denn die Erlösergemeinde hatte einen Bauplan erarbeitet, der sowohl dem Bedarf der Gemeinde als auch dem der Kindergärten und den Rahmenbedingungen der Mannheimer Gesamtkirchengemeinde gerecht wurde. Nicht wegen des damit verbundenen Abrisses eines typischen Gebäudes der 1960er Jahre, sondern wegen der funktionalen Form des Neubaus, der dem bisherigen Erscheinungsbild ähneln sollte, brachte jetzt der Denkmalsschutz das Projekt zu Fall, Dabei regelt Paragraf 15 Absatz 3 des Landesdenkmalschutzgesetzes ausdrücklich, dass „Gründe des Gemeinwohls zu beachten sind“, wie Pfarrer Krüger zitierte.

Dem Neubau habe der Denkmalschutz aber ein Spitzdach aufsetzen und seine Positionierung ändern wollen. Damit würden energetische Aspekte wie auch die geplante Nutzung durch die weltliche und kirchliche Gemeinde sowie die Kindergärten unbeachtet bleiben, kritisierten Kirchenälteste und Pfarrer Krüger.

Damit sei nun eine „kleine Lösung“ denkbar, die das bisherige Gebäude stehen lässt, es abdichtet und innen so umgestaltet, dass es zumindest für die Kindergärten passt.Die Pläne dazu sollten im Herbst fertig sein. In der nun anstehenden Zwangspause könnten einige Angebote wie die große Krabbelgruppe und der Seniorenkreis vorerst nicht aufrechterhalten werden. hat

Zum Thema