Seckenheim

Seckenheim Bundeswehr gibt Loretto-Kaserne erst drei Jahre später frei als geplant / Dennoch kaum Einfluss auf Zeitplan

Nach Mitteilung aus Berlin Schrecksekunde vor Ort

Zunächst sorgte die Ankündigung bei den Beteiligten für Sorgen: Die Bundeswehr, so die Nachricht, will die Loretto-Kaserne nicht wie erwartet schon 2019, sondern frühestens 2022 räumen. Platzt damit der Zeitplan für das Neubau-Projekt Hammonds? Nein, versichern sowohl die Stadt als auch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA).

Seit Jahren wird für das zehn Hektar große Militärgelände im Süden Seckenheims ein Neubau-Quartier geplant. Die Amerikaner haben das Areal bereits 2011 geräumt, die Bundeswehr ist noch mit einer Einrichtung vertreten: dem „Karrierecenter“, das nach Aussetzung der Wehrpflicht um Nachwuchs wirbt.

Verzögerung beim Umzug

Bisher ging man davon aus, dass die Bundeswehr dieses Gebäude im kommenden Jahr räumt und in ihren Neubau in Neuostheim umzieht. Doch das dortige Projekt zieht sich hin. „Bedingt durch die Verzögerung wird der Schließungszeitpunkt der Liegenschaft Loretto-Kaserne auf voraussichtlich 2022 verschoben“, schrieb der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium, Thomas Silberhorn (CSU), dem Bundestagsabgeordneten Nikolas Löbel (CDU).

Doch sowohl Stadt als auch BImA versichern, dass dies auf den Zeitplan für den Start des Projektes keinen negativen Einfluss hat. Im Oktober sollen im Mannheimer Gemeinderat der Bebauungsplan und der städtebauliche Vertrag zwischen der Stadt und der BImA beraten werden.

Die Verhandlungen darüber stehen laut Stadt unmittelbar vor dem Abschluss. „Wir haben die größten Steine aus dem Weg geräumt“, betont ihr Konversionsbeauftragter Klaus-Jürgen Ammer auf Anfrage des „MM“. Dies gelte sogar für die sogenannte „Sozialquote“ im Wohnungsbestand in Höhe von 30 Prozent: „Die Quote wird kommen.“

Wenn der Gemeinderat und die Gremien der BImA zustimmen, wären Ende 2018 sämtliche rechtlichen Grundlagen gelegt. Dann will die BImA mit der Erschließung des Areals beginnen, also dem Abriss der dafür vorgesehenen Gebäude, der Verlegung der Versorgungsleitungen und dem Anlegen der Straßen. Parallel dazu liefe die Vermarktung der Grundstücke. „Die ersten Bewohner“, so schätzt Martina Block von der BImA, „werden wohl 2022 einziehen können.“

Also keine Probleme? Nicht ganz. Denn just auf jener Fläche, die von der Bundeswehr noch belegt ist, sollte eigentlich der Supermarkt mit 1200 Quadratmetern Verkaufsfläche entstehen. Dass er nun wohl nicht vor 2023 kommt, hat nicht nur Folgen für das Neubau-Quartier selbst, sondern für ganz Seckenheim. „Wir haben in unserem Vorort ohnehin kaum noch Einkaufsmöglichkeiten“, beklagt Stadträtin Marianne Seitz (CDU) unter Verweis auf die jüngste Schließung des Edeka-Marktes am Wasserturm. Sie fordert daher eine Initiative der Stadt zu Lösungen für die Übergangszeit.

Eine weitere Folge hat die neue Entwicklung für ein Thema, das Auswärtigen als Detail erscheinen mag, in Seckenheim aber große Bedeutung hat: Neben dem Bundeswehrgebäude liegt der Badener Platz, der bislang als Standort des Zabbe-Brunnens vorgesehen ist, der bis zur Umgestaltung der Ortsmitte vor zwei Jahren auf den Planken stand.

Neuer Platz wird gesucht

War der neue Standort ohnehin nicht unumstritten, so scheint er jetzt kaum mehr zu halten. „Für Seckenheim ist es schwer vorstellbar, dass der für die Stadtteilgeschichte symbolträchtige Brunnen erst 2022 bis 2025 wieder im Stadtbild Seckenheims in Erscheinung tritt“, schrieb Nikolas Löbel in einem Brief an Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD). Darin fordert er die Stadt auf, die Initiative zur Suche nach einer neuen Fläche zu ergreifen – konkret, das Thema auf die Tagesordnung der anstehenden Sitzung des Bezirksbeirates zu setzen.

Auch bisherige Befürworter des Badener Platzes wie Stadtrat Ralph Waibel (SPD) sehen es ähnlich wie Löbel: „Wir können den Brunnen nicht zehn Jahre liegen lassen.“ Dieter Fedel, bekannter Vorkämpfer für den früheren Standort Planken, freut sich bereits auf die neue Chance für sein Projekt: „Nun werden die Karten wieder neu gemischt.“

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