Seckenheim

Seckenheim Nach neuem Zeitplan der Hammonds-Erschließung muss Diskussion über Zabbe-Brunnen von vorne beginnen

„Nicht zehn Jahre liegen lassen“

Archivartikel

Wenn Oberbürgermeister Peter Kurz heute um 16.30 Uhr nach Seckenheim kommt, um Brennpunkte des Stadtteils in Augenschein zu nehmen, dann gibt es reichlich Themen: die neue Buslinie, die Sperrung der Rastatter Straße, Parkprobleme, Bezirkssportanlage, Schulhofsanierung – und den Zabbe-Brunnen. Nachdem dieses Thema bereits erledigt schien, steht es nun wieder mitten auf der Tagesordnung der Kommunalpolitik in Seckenheim.

In den 1980er Jahren entstanden und auf den Planken aufgestellt, musste der Brunnen, der mit seiner Darstellung eines Pfuhlwagens an die bäuerliche Tradition Seckenheims erinnert, wegen der Umgestaltung der Ortsmitte von seinem angestammten Standort weichen. Seither lagert er im Betriebshof der Stadt Mannheim im Pfeifferswörth.

Im Zuge der Diskussion über die Neugestaltung der Ortsmitte teilte die Stadt den Bezirksbeiräten mit, dass eine Rückkehr des Brunnens dorthin nicht möglich ist. Die Voraussetzungen für einen Wasseranschluss seien nicht mehr gegeben. Daraufhin kam es auf einer Sitzung der Interessengemeinschaft der Vereine zu einer Abstimmung über einen Ersatzstandort, bei der das neue Quartier auf den Hammonds eine breite Zustimmung erhielt. Die Argumentation: Gerade der Standort Badener Platz als Scharnier zwischen Neubauviertel und historischem Ortskern sei dafür geeignet.

Doch als das Abstimmungsergebnis allmählich bekannt wurde, da ging die öffentliche Diskussion erst so richtig los. Motor war der Stammtisch des Traditions-Gasthauses „Engel“, vor dem der Brunnen einst seinen Platz hatte. Sein Sprecher Dieter Fedel sammelte Hunderte von Unterschriften, war bei Bezirksbeiratssitzungen und Parteiveranstaltungen präsent, trug bei Straßenfest und Kerwe seine Forderung als großes Plakat mit sich: Der Brunnen muss wieder auf die Planken.

„In jeder Gemeinde steht der Brunnen im Zentrum“, lautet Fedels zentrales Argument. Bei der Umsetzung zeigt er sich aber durchaus flexibel: Wenn auf den Planken kein Wasseranschluss möglich sein, dann eben ohne. Für Fedel und seine Mitstreiter ist der Brunnen ohnehin zuvorderst eines: historisches Denkmal.

Auf Grund dieses heftigen Gegenwindes schien die Legitimität der in mehreren Abstimmungen getroffenen Entscheidung für den Badener Platz immer mehr zu schwinden. Der Bezirksbeirat sah sich gezwungen, im Frühjahr erneut zu entscheiden – in nicht-öffentlicher Sitzung. Und wieder ergab sich eine breite Mehrheit für den Badener Platz.

Doch mit einer neuerlichen Entwicklung wurde diese Entscheidung obsolet: Im Juni gab die Bundeswehr bekannt, nicht vor 2022 ihr Gelände auf den Hammonds freigeben zu wollen. Und das liegt in jener Ecke, in der der Brunnen entstehen sollte.

„Wir müssen nun die Reset-Taste drücken“, erklärte CDU-Bezirksbeirat Jochen Güniker auf der jüngsten Veranstaltung seiner Partei. „Für Seckenheim ist es schwer vorstellbar, dass der für die Stadtteilgeschichte symbolträchtige Brunnen erst 2022 bis 2025 wieder im Stadtbild Seckenheims in Erscheinung tritt“, schrieb der CDU-Kreisvorsitzende Nikolas Löbel an OB Peter Kurz (SPD).

Auch die CDU ist sich nicht einig

Mancher Bezirksbeirat sieht dies anders: „Wir haben drei mal abgestimmt und uns für den Badener Platz entschieden“, meint Hermann Krauß (CDU): „Ich kann fünf Jahre warten, bis der Brunnen dort steht.“

Doch auch der überzeugteste Befürworter für den Badener Platz sieht die Situation nun wie dessen Kritiker: „Wir können den Brunnen nicht zehn Jahre lang liegen lassen“, betont SPD-Stadtrat Ralph Waibel.

Bei der Frage „Wohin?“ herrscht Uneinigkeit quer durch alle Parteien: Von der Stengelstraße bis zum Kapellenplatz reichen die Ideen.

Doch Dieter Fedel bleibt bei seiner Forderung. Er hat bereits Zeichnungen anfertigen lassen, die den Brunnen auf den Planken zeigen. Am Rande des Stadtteilfestes in Rheinau, das von Peter Kurz am Wochenende eröffnet wurde, übergab er dem Oberbürgermeister ein Exemplar. So ist der OB auf seinen anfangs erwähnten heutigen Termin vor Ort bereits bestens vorbereitet.