Seckenheim

Diskussion Bürger beklagen massive Belastungen durch Lärm und Abgase der Busse / Meßkircher Straße besonders betroffen

„Nur nachts drei Stunden Ruhe“

Archivartikel

Trotz Biergartenwetters ist das Nebenzimmer des Lokals „Alt Seggene“ voll. Der Wirt begrüßt jeden Besucher mit einem Glas Sekt, doch zum Feiern ist an jenem Abend den meisten Besuchern der CDU-Veranstaltung „Wo drückt Seckenheim der Schuh?“ kaum. Was den Busverkehr betrifft, so drückt ihnen der Schuh längst nicht mehr nur. Die neue Linie 43 verursacht, um im Bild zu bleiben, längst schmerzhafte Blasen.

Obgleich es angesichts der herrschenden Temperaturen kaum nötig scheint, laufen sich die Anwesenden erst einmal bei anderen Themen warm, die vor Ort bewegen: die Verzögerung der Erschließung auf den Hammonds, der dadurch notwendige neue Standort für den Zabbe-Brunnen, der Trinkertreff, der sich auf den Planken zu etablieren droht.

Doch so richtig heiß wird die Diskussion beim Thema neue Buslinie 43, die nach dem Willen der RNV den Ortskern besser erschließen soll und daher durch die Meßkircher Straße führt. „Warum das denn?“, fragt eine Frau: „Tagsüber sitzen ein bis zwei Leute im Bus, in den Stoßzeiten sind es dann vier bis fünf.“ „Na, in der Rush Hour sind es schon mal zwölf Personen“, meint ein anderer Teilnehmer bewusst etwas sarkastisch.

„Und deswegen werden durch unsere enge Straße täglich 86 Busse gejagt?“, klagt eine Anwohnerin der Meßkircher Straße: „Alle zehn Minuten, vom frühen Morgen bis in die Nacht!“ „Wir können nur noch von halb zwei bis halb fünf schlafen, drei Stunden“, ergänzt ihre Nachbarin: „Was machen Leute, die arbeiten müssen und Schlaf brauchen?“

„Man kann kein Fenster mehr aufmachen“, klagt ein Mann. Denn zum Lärm kommt der Gestank: „Verwendet werden alte, stinkende Busse“, klagt er: „Da redet alle Welt über Diesel und Feinstaub“, schimpft er, „und dann setzt man den Anwohnern so etwas vor die Nase.“ „Wo bleiben denn die versprochenen Elektrobusse?“, lautet seine Frage.

Und dann die Sicherheit: „An der Linie befinden sich Kindergarten, Schule, Sporthalle“, erinnert eine Frau: „Was, wenn die Handballsaison wieder losgeht und die Zuschauer hier parken? Das wird willenlos!“, befürchtet sie: „Ich warte, bis das erste Kind hier angefahren wird.“

Unmut über RNV und Politik

Die Straße sei für die Busse zu eng: „Manchmal musste man den Bus einwinken, damit er überhaupt um die Ecke kam“, berichtet eine Frau. „Aber die RNV hat uns versichert, dass dies bei der Probefahrt funktioniert hat“, lautet der Einwand von Bezirksbeirat Jochen Güniker, der auf Kopfschütteln stößt: „Ja, ich hab‘ gesehen, als sie gefahren sind“, entgegnet eine Anwohnerin erregt: „Vormittags um neun! Wo die meisten an ihrem Arbeitsplatz sind, keine Autos hier parken und auch sonst kaum Verkehr ist.“ „Die Herrschaft der RNV in Seckenheim muss ein Ende haben“, formuliert ein Mann.

Doch der Unmut richtet sich nicht nur gegen sie: „Wie kann man als Bezirksbeirat zu so was zustimmen?“, schimpft ein anderer. CDU-Bezirksbeiratssprecherin Adelgunde Freisinger will das nicht auf sich sitzen lassen: „Die Route wurde mehrmals öffentlich vorgestellt. Das hat auch jeder Bürger sehen können.“

Und was sind die Vorschläge der Kritiker? „Wir sind nicht gegen öffentlichen Nahverkehr“, versichert einer: „Aber er muss sinnvoll sein und darf vor allem nicht krank machen.“ Daher fordert er zumindest Elektrobusse. Andere gehen dagegen weiter. Sie halten die Linienführung grundsätzlich für falsch: „Wir fordern die alte Streckenführung!“

Nach dem offiziellen Ende der Versammlung schließen sich einige Bürger kurz, von denen sich manche erst hier näher kennenlernen. Ihren Widerstand wollen sie nun koordinieren. Die erste Gelegenheit besteht am Mittwoch, rät Stadträtin Marianne Seitz: „Da ist der Oberbürgermeister zum Stadtteilrundgang in Seckenheim“, sagt sie: „Treffpunkt 16.30 Uhr vor dem ‘Löwen‘“.