Seckenheim

Seckenheim Stadtrat feiert heute seinen 65. Geburtstag / Aus dem Rentner-Dasein gerade für die Leitung des Schifferkinderheims reaktiviert

Ralph Waibel: Von Ruhestand noch keine Spur

Die meisten in jenem Alter, das er heute erreicht, treten damit zugleich in ihr Rentner-Dasein ein oder genießen es bereits. Nicht so er: Vor Jahresfrist in den Ruhestand verabschiedet, wurde er gerade auf seinen früheren Posten an der Spitze des Seckenheimer Schifferkinderheims reaktiviert. Und auch bei der Kommunalwahl im Mai 2019 will er wieder als Stadtrat für die SPD antreten. Doch heute feiert Ralph Waibel erst einmal seinen 65. Geburtstag.

Sein vielfältiger Einsatz in und für Seckenheim ist umso erstaunlicher, als seine Wiege fernab dieses Ortes stand: Geboren wurde er am 13. Juli 1953 in Kehl am Rhein. Schon früh zeichnete sich sein Talent ab: der Umgang mit Menschen. „Die Jungs in meiner damaligen Clique sagten immer, ich soll Bewährungshelfer werden“, erinnert er sich lachend im Gespräch mit dem „MM“. Das wurde es dann nicht ganz, aber die Richtung stimmte: Er machte eine Ausbildung zum Erzieher und Heilpädagogen, arbeitete zuerst in einem privaten Kinderheim im Schwarzwald.

40 Jahre im Schifferkinderheim

Durch seine damalige Lebensgefährtin verschlug es ihn 1978 nach Mannheim. Zunächst war er im Wespinstift tätig und bewarb sich 1982 im Schifferkinderheim; der damalige Leiter nahm ihn „in der Absicht, dass ich – schon damals mit der passenden Barttracht – bei der Nikolausfeier den Nikolaus mache.“

1993 wurde Waibel Erziehungsleiter, 2003 Chef der Einrichtung und blieb dies 15 Jahre lang. In dieser Zeit änderte sich deren Charakter grundlegend: „Als ich begann, hatten wir noch mehr als 50 Schifferkinder.“ Das ist längst Geschichte, obwohl der Name blieb. Heute ist das Schifferkinderheim eine moderne Einrichtung der Jugendhilfe: 60 Kinder leben hier ständig, 80 tagsüber, weitere 50 in Familien. Die Mitarbeiterzahl stieg in der Zeit von 45 auf 150.

Ende 2017 wurde Waibel verabschiedet, doch nach einem viertel Jahr reaktiviert: „Mit dem Nachfolger hat es einfach nicht geklappt.“ So hängt Waibel jetzt noch einige Zeit dran, „obwohl 45 Jahre Heimerziehung eigentlich genug sind.“ So hoffte er mehr Zeit für die Familie zu haben und für seine Ehrenämter, etwa die Tätigkeit als Mitglied des Gemeinderates der Stadt Mannheim.

2009 erstmals angetreten, rückte Waibel Ende 2015 ins Stadtparlament nach – im Alter von 62 Jahren. „Das hat Vorteile“, bekennt er: „Ich muss keine Karriere mehr machen, bin absolut unabhängig.“ So wird er als Sozialexperte ebenso hoch geschätzt wie als Stimme von Seckenheim und Friedrichsfeld in der SPD-Gemeinderatsfraktion.

Als solcher hat er sich noch Einiges vorgenommen: die Verkehrssituation in Seckenheim insgesamt („also Rad, Bus und Parken“) noch einmal grundlegend anpacken sowie ein Sportstättenkonzept für den Stadtteil auf den Weg bringen– auch aus eigenem sportlichen Interesse: Einst als Badmintonspieler dem SV beigetreten, leitet er seit 2010 den 700 Mitglieder starken Verein. Und damit ihm auch wirklich nicht langweilig wird, übernahm er gerade erst den Aufsichtsratsvorsitz des Diakonischen Werkes in Mannheim.