Seckenheim

Seckenheim Katholische und evangelische Christen sorgen sich am Reformationstag um die Zukunft der Kirchen

Reden, Hören, Singen, Schweigen

Am Reformationstag laden die evangelische Erlösergemeinde und die katholische Pfarrei St. Aegidius in ökumenischer Verbundenheit seit einigen Jahren zur „Nacht der offenen Kirche“ ein. In diesem Jahr trafen sich die Christen beider Konfessionen unter dem Motto „Spirituelle Genüsse für Leib und Seele“ in der Erlöserkirche. Die besondere Atmosphäre des dezent beleuchteten gotischen Gotteshauses, das in diesem Jahr sein 150-jähriges Bestehen feiert, bot Raum zum Reden, Hören, Singen und Schweigen. Und für die leiblichen Genüsse war ebenfalls mit Fingerfood und verschiedenen Getränken bestens gesorgt.

Lieder mit Gitarre

Nach einem kleinen Umtrunk eröffnete Hausherr Pfarrer Helmut Krüger die Feierstunde und begleitete die Lieder aus dem neuen Anhang zum Kirchengesangbuch mit der Gitarre. Zusammen mit seinem katholischen Amtsbruder Markus Miles forderte er nach einleitenden Worten die Gäste auf, sich über verschiedene Themen auszutauschen. Dazu waren Stehtische aufgestellt, um die man sich versammelte. Zunächst ging es um das Thema Gemeinschaft und hier besonders um Ökumene vor Ort. Während an vielen Tischen zu hören war, dass die Zusammenarbeit von Erlöserkirche und St. Aegidiuskirche eigentlich gut gelingt, wünschte sich Hartwig Trinkaus noch mehr gegenseitige Einladungen zu Veranstaltungen, nicht nur zu den Gottesdiensten. Zum zweiten Thema „Zukunft der Kirche“ informierte Krüger zunächst über eine Studie, wonach durch den demographischen Wandel die christlichen Kirchen rund 20 Prozent ihrer Mitglieder verlieren. Dies lasse sich kaum beeinflussen, so der Geistliche weiter. Dass aber auch etwa 30 Prozent der Menschen bis 30 keine Bindung zur Kirche haben, mache ihn nachdenklich. Er forderte die Gäste auf, sich Gedanken zu machen, wie die Zukunft gestaltet werden könnte, um neue Gemeindemitglieder zu bekommen und weitere Kirchenaustritte zu verhindern. Aus den regen Diskussionen kamen verschiedene Vorschläge. Bernhard Hufnagel, langjähriger Kirchenältester, könnte sich vorstellen, dass noch mehr Einbindung der Gemeindemitglieder wichtig ist, und dass das Angebot der Kirche ausgebaut werden soll, vor allem die Hilfe im Alltag.

Von Kindesbeinen an

Irmtraud Seitz sagte, man müsse sich generell die Frage stellen: „Warum sollen Menschen in die Kirche gehen?“ Sie empfiehlt eine Bindung von Kindesbeinen an. Manfred Falkenberg fragte kritisch, ob es der richtige Weg sei, dass sich die Kirche aus der Fläche zurückzieht. „Bildung größerer Gemeinden, weniger Hauptamtliche und weniger Raum zur Zusammenkunft“ förderten nicht gerade Mitgliederzuwachs.

Das dritte Thema des Abends, war das ehrenamtliche Engagement. Pfarrer Miles berichtetet über die anstehenden Kirchenwahlen der Protestanten wie auch die Pfarrgemeinderatswahlen der Katholiken. Jeder müsse sich fragen: „Wo und wie will ich mich einbringen?“

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