Seckenheim

Sachlich und doch spannend

Konstantin Groß zur Diskussion über die Buslinien

Die Beratung im Seckenheimer Bezirksbeirat über die vor anderthalb Jahren eingeführten neuen Buslinien im Südosten Mannheims hat sich gelohnt. Sie führt zu einer weiteren Versachlichung der Debatte und sagt darüber hinaus viel aus über die Diskussionskultur der Beteiligten.

Da ist zum einen die Rhein-Neckar-Verkehrsgesellschaft. Nach einer mehrmonatigen Phase, in der die RNV die Kritik der Bürger nicht spürbar ernst genommen, vielleicht sogar eher gehofft hat, diese aussitzen zu können, hat sie sich zu einem ehrlichen Dialog entschlossen.

Sie hat den alternativen Linienvorschlag der Bürgerinitiative nicht nur zur Kenntnis genommen, sondern auch auf seine Machbarkeit hin überprüft und im Detail durchgerechnet, formuliert dabei sogar Beurteilungen wie „Diese hat in der Tat einige Vorteile“; das zeugt von großer Offenheit. Die Bürger dürfen sich zugute halten, ernst genommen zu werden, auch wenn die RNV ihren Vorschlägen am Ende doch nicht folgen kann.

Dass sie sich überzeugen lässt (wenn auch nicht nur durch gute Argumente, sondern auch durch sanften politischen Druck vor Ort), das zeigt ihre Entscheidung, auf die Linienführung durch die Rastatter Straße zu verzichten. Und die erst eingeführte Verlängerung der Linie bis zur Dualen Hochschule mit der Begründung „Dieses Angebot geht an der Nachfrage vorbei“ wieder einzustellen, das zeugt von großer Souveränität des Unternehmens.

Ihre Entsprechung findet diese Haltung der RNV aber in der Bürgerinitiative, die in Präsentation und Argumentation hochprofessionell agiert. Unsachliche Äußerungen wie der Einwurf eines Bürgers „Fahrt Ihr diese Linie, damit Ihr Eure Fahrer beschäftigen könnt?“, finden sich bei deren Sprechern nicht (mehr).

Noch interessanter wird die Debatte künftig dadurch, dass der Co-Sprecher der BI, Ralf Kittel, nun für die Grünen im Bezirksbeirat sitzt. Für ihn bietet dies die Chance, wichtige Informationen aus erster Hand zu gewinnen und für seine Argumentation eine offizielle Bühne zu nutzen. Für die Grünen ist es ein Coup, einen solch aktiven Bürger für sich als Bezirksbeirat zu gewinnen, damit einen ihrer zusätzlichen Ratsposten qualifiziert zu besetzen.

Allerdings ist das alles für beide Seiten nicht ganz ohne Risiko: Wie klappt das – ein Kritiker der aktuellen Buslinien in der Pro-Nahverkehrs-Partei „Die Grünen“? Das wird spannend.

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