Seckenheim

Seckenheim Ehemaliger Revierführer Rudolf gestorben

Sein Traum: Polizist am Heimatort

Archivartikel

Mittlerweile muss man schon weit mehr als 40 Lebensjahre zählen, um ihn noch bewusst mit seiner Uniform in seinem Amt erlebt zu haben. Doch älteren Seckenheimern und auch Friedrichsfeldern – ihnen wird er noch in bester Erinnerung sein: Dieter Rudolf, der ehemalige Leiter des früheren Polizeireviers Seckenheim, ist am Donnerstag wenige Wochen vor seinem 95. Geburtstag verstorben. Die traurige Nachricht wurde am Wochenende bekannt.

Der Rückblick auf Rudolfs aktive Jahre führt in eine Zeit, in welcher der Stadtteil Seckenheim – anders als seit Januar 1994 – nicht nur über einen Polizeiposten verfügte, der dem Revier Ladenburg untersteht, sondern noch selbst ein veritables Revier bildete. Drei Jahre war Rudolf hier Chef, bevor er 1985 an der „Nahtstelle“ beider Vororte Seckenheim und Friedrichsfeld, für die er zuständig war, verabschiedet wurde: im Saal der Binding-Brauerei.

Von Breslau in die Kurpfalz

Rudolfs Leidenschaft für Seckenheim ist umso bemerkenswerter, als er ursprünglich gar nicht aus dieser Ecke unseres Landes stammte: Geboren wurde er nämlich am 3. August 1925 in Breslau, heute polnisches Gebiet. Es waren denn auch die Wirren der Kriegs- und Nachkriegszeit, die ihn in die Kurpfalz verschlugen und konkret nach Seckenheim. 1947 begann er hier eine Lehre als Wagner. Die Liebe zur Tochter seines Meisters Pfeiffer führte dazu, dass er nach der Hochzeit endgültig in Seckenheim sesshaft wurde.

Doch im Betrieb des Schwiegervaters blieb er nicht, begann stattdessen eine Ausbildung im Stahlwerk Mannheim auf der Rheinau. Erst 1954 kam er zu seinem dritten und endgültigen Beruf: zur Polizei – wie übrigens viele „Seiteneinsteiger“ in jener Zeit. 1975 wurde er Kommissar und 1978 Hauptkommissar.

1983 wurde sein Traum wahr und er Revierleiter an seinem Heimatort Seckenheim. Es war für ihn eine besondere Zeit, auch wenn sie nur knapp drei Jahre währte, bis er regulär mit 60 Jahren in Pension gehen musste. Männer wie Rudolf seien „im alten Sinne des Wortes echte Schutzmänner und schaffen die Grundlage für das Vertrauensverhältnis der Polizei zum Bürger“, betonte der damalige Polizeipräsident, der zu Beginn dieses Jahres verstorbene Willi Menz, bei Rudolfs Verabschiedung im August 1985. Nachfolger damals wurde Peter Kanehl.

Engagement im Ehrenamt

Nach Ende seiner beruflichen Laufbahn übernahm Rudolf in seinem Heimatstadtteil am 1. April 1984 eine ehrenamtliche Aufgabe in einem durchaus verwandten Bereich: Er wurde Vorsitzender des Seckenheimer Ortsvereins des Deutschen Roten Kreuzes und blieb dies bis 1995. Für sein Engagement in diesem Amt wurde ihm eine hohe Auszeichnung des DRK zuteil: die Henry-Dunant-Medaille in Silber.

Zwar zog sich Dieter Rudolf nach Abgabe des Vorstandsamtes 1995 aus der ersten Reihe des DRK Seckenheim zurück, blieb dem Roten Kreuz jedoch noch viele Jahre eng verbunden und dort auch aktiv. So war er oft dabei, wenn das Kleiderlager seinen Ausgabetag hatte.

Auch dem damaligen Turnverein 1898 blieb der Jubilar Jahrzehnte treu, war Mitglied des legendären TV-Stammtisches und außerdem bei den Seniorenturnern engagiert. Mitte der 1980er Jahre gehörte er schließlich zum Organisationskomitee des traditionellen Seckenheimer Wandertages.

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