Seckenheim

Seckenheim Diskussion um Mobilfunkturm in Süd geht weiter / Keine Annäherung der Standpunkte

Stadt lehnt Baustopp ab, Anwohner bleiben aktiv

Die Stadt Mannheim lehnt die Verhängung eines Baustopps für den Mobilfunkturm in Seckenheim-Süd ab. Die Bürgerinitiative lässt sich davon nicht entmutigen, will weiter für eine bessere Lösung werben, etwa bei der anstehenden Bezirksbeiratssitzung am kommenden Mittwoch.

Die BI hatte den Wunsch vorgetragen, die Baumaßnahme zu unterbrechen, um Zeit für die Suche nach einer einvernehmlichen Lösung zu gewinnen. Dazu „hat die Stadt Mannheim keine rechtliche Handhabe“, betont jedoch deren Sprecher Jan Krasko am Freitag gegenüber dem „MM“: „Der Bauherr könnte – sicher erfolgreich – gegen einen Baustopp eine einstweilige Verfügung beim Verwaltungsgericht Karlsruhe erwirken“, argumentiert Krasko und bekräftigt früher Gesagtes: „Die Baugenehmigung für das Vorhaben musste basierend auf § 58 Landesbauordnung in Verbindung mit § 35 Baugesetzbuch erteilt werden.“

Die Anwohner setzen ihre Aktionen dennoch fort. Inzwischen haben sie 400 Unterschriften gesammelt, für die Übergabe an die Verwaltung aber noch keinen Terminvorschlag erhalten. „Die Stadtspitze schweigt“, bedauert Thomas Rieger, Co-Sprecher der BI: „Wir hatten auf lösungsorientierte Gespräche gehofft.“

Zu diesem Zweck bat die Initiative in Schreiben an alle Stadt- und Bezirksbeiräte etwa, das Thema auf die Tagesordnung der anstehenden Bezirksbeiratssitzung am Mittwoch, 19 Uhr, zu setzen. Dieser Wunsch wurde jedoch ignoriert: Die Tagesordnung des Stadtteilgremiums, das übrigens fernab des Ortskerns im Ortsteil Hochstätt tagt, zeigt, dass zwar über Probleme bei der Kindergartenversorgung und die neue Buslinie, Hammonds und Stem diskutiert werden soll, nicht aber über das Thema, das viele Seckenheimer derzeit am stärksten bewegt.

Erst in der Fragerunde, nach Erfahrung zurückliegender Sitzungen nach 22.30 Uhr, haben die Anwohner die Chance, dieses Thema anzusprechen. Doch die wollen sie nutzen. „Wir werden mit Sicherheit mit gut 100 Aktiven vor Ort sein“, kündigt Rieger an. Ihr Wunsch ist, sachlich ihre Argumente vorzutragen.

Thema Gesundheitsbelastung

Davon haben sie ihrer Ansicht nach nämlich viele auf ihrer Seite. Und diese gehen längst über Optisch-Ästhetisches hinaus. „Das Gesundheitsthema gewinnt in der Bevölkerung an Bedeutung“, berichtet Rieger: „Offenbar macht es einen Unterschied, wie nah man am Sendemast lebt“, zitiert er Recherchen der BI. Nach mehr als 400 Metern scheine die Belastung unkritisch zu sein: „Die nur 42 Meter Abstand des Turms zum Wohngebiet werfen aber große Zweifel auf.“ Gesundheitsbelastung ist jedoch einer der – ganz wenigen – Gründe, mit denen eine Stadt solche Masten ablehnen kann.

Hinzu kommt die Problematik der Massierung. Nicht zuletzt im Sinne der Gesundheit bestehe nämlich eine – allerdings freiwillige – Vereinbarung der Bundesregierung mit den Providern, wonach diese ihre Standorte aufeinander abstimmen sollen. Davon kann in Seckenheim jedoch längst keine Rede mehr sein.

Ballung von Funkanlagen

„Neben unserem Turm wurde inzwischen ein zweiter Turm gebaut, hinter dem Hundeplatz“, berichtet Rieger: „Eine dritte Antenne steht in den Aussiedlerhöfen in Richtung Hochstätt. Rechts im Feld auf einem Strommasten werden ebenfalls Sendezellen montiert.“ Rieger: „Eine solche Massierung von Strahlungs-Emittenten kann doch unmöglich gesund sein, gerade für kleine Kinder. Und das macht vielen Familien bei uns Angst.“ Hier sei dringend ein Gesamtkonzept der Stadt nötig, „um einen ungesteuerten Funkmast-Wildwuchs zu verhindern.“

Dies alles unterstützt nach Ansicht der BI deren Vorschlag, den hiesigen Mast um 400 Meter ins freie Feld zu versetzen. „Da der Funkturm eine Reichweite von fünf bis sechs Kilometern hat, dürfte das technisch keinen Nachteil darstellen.“ Dies würde also sowohl dem Betreiber als auch den Anwohnern gerecht.

Doch viele von ihnen beschleicht inzwischen das Gefühl, gegen Windmühlen zu rennen: „Bei manchen kommt schon Frust in einem Ausmaß auf, das ich nicht für möglich gehalten habe“, berichtet Rieger: „Es melden sich schon Leute, die wir gar nicht wollen, und bieten ihre Unterstützung an“, betont er. „Wir wollen hier einfach nur weiter in Ruhe leben – wie vor dem Bau des Funkmastes.“

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