Seckenheim

Seckenheim Ernüchterung bei Rundgang von OB Kurz / Wichtiger Pfeiler des Sportstättenkonzepts von TSG und SV bricht weg

Stadt lehnt weiteren Ausbau der Bezirkssportanlage strikt ab

Archivartikel

Ist das bislang angedachte Kooperationsmodell, mit dem die Raum- und Platzprobleme der beiden größten Seckenheimer Sportvereine TSG und SV gelöst werden sollten, vom Tisch? Bei seinem Rundgang zu den Brennpunkten im Vorort erteilte Oberbürgermeister Peter Kurz jedenfalls einem Herzstück dieses Konzeptes, einer intensiveren Nutzung der Bezirkssportanlage (BSA) Seckenheim, eine klare Absage: „Es bleibt beim Status quo!“, erklärte das Stadtoberhaupt vor Ort.

Damit kommt zunächst ein Prozess zum Stillstand, der vergangenes Jahr erfolgreich begonnen hatte. TSG und SV entwickelten ein gemeinsames Konzept. Demnach sollte der SV von der Stadt die Bezirkssportanlage übernehmen und ausbauen. Finanziert werden sollte dies durch Verkauf seiner Otto-Bauder-Anlage an die Stadt, die sie für den Wohnungsbau nutzen könnte. Die TSG wiederum wollte eine eigene Turnhalle errichten; dies könnte am Rande des SV-Geländes erfolgen.

Da auch bei diesem Konzept der Platz für alle Angebote in jedem der beiden Vereine nicht ausreicht, sollte es zwischen ihnen auch inhaltlich eine Kooperation geben. Angebote, die bislang in beiden Vereinen vorhanden sind, würden in jenem konzentriert sein, der darin führend ist. Sowohl die Mitgliederversammlungen des SV und der TSG als auch der Bezirksbeirat stimmten zu.

Lage im Landschaftsschutzgebiet

Doch die dafür notwendige intensivere Nutzung der Bezirkssportanlage ist nicht möglich, wie der Oberbürgermeister jetzt klar machte: „Stärkere Nutzung bedeutet mehr Zuschauer und mehr Verkehr. Und darauf hat das Verkehrskonzept keine Antwort“, begründet der OB: „Die Nutzung bleibt also limitiert, demnach bleibt es hier beim Status quo.“

„Wir haben hier ein Landschaftsschutzgebiet und ein Verkehrs-Nadelöhr“, ergänzte der Leiter des Fachbereichs Sport und Freizeit, Uwe Kaliske. Eine Unterstützung der Verwaltung für ein Konzept, das eine intensivere Nutzung der BSA vorsieht, „wird es nicht geben.“

Der TSG will die Stadt für den Neubau ihrer Turnhalle ein Gelände am Klettengewann südlich der Lämmertränke anbieten. Für TSG-Chef Andreas Hänssler sind aber auch die Stem-Barracks sowie das Gelände zwischen Schützen und Kleintierzüchtern nicht aus dem Rennen.

„Nach wie vor ist beim SV der Wille zur Verständigung mit der TSG vorhanden“, versichert wiederum SV-Chef Ralph Waibel. Allerdings sei der SV auch darauf gefasst, seinen Weg alleine zu gehen. „Doch wäre es hilfreich, wenn beide Vereine – so sie denn getrennt marschieren – zumindest auf ihren künftigen Sportgeländen die Sportarten vorhalten, die für beide Vereine sinnvolle Ergänzung sind.“ Dies sieht auch TSG-Chef Hänssler nach wie vor so.

Knackpunkt Verkehr

Bei der Ablehnung eines Ausbaus der Bezirkssportanlage erhielten die Stadtvertreter zumindest in diesem Punkt die Unterstützung der Bürger, konkret der Anwohner der Zufahrt zur Bezirkssportanlage; die sind schon jetzt mächtig genervt: „Alle, die zur Bezirkssportanlage wollen, müssen bei uns vorbei“, klagte ein Anwohner: „Wie man an den Autokennzeichen sieht, kommen viele sogar eigens von außerhalb, um hier mit ihren Hunden Gassi zu gehen.“

Um die Zufahrtssituation zu entspannen, erneuerte Stadtrat Holger Schmid (ML) vor Ort seinen Vorschlag, den Übergang über die OEG-Trasse in Höhe des Campingplatzes aufzugeben und dafür einen neuen in Höhe der Bezirkssportanlage zu schaffen. Doch da warnte der OB vor allzu viel Optimismus: „Das ist alles nicht so einfach. Die OEG arbeitet nach Eisenbahnrecht.“

Erster Bürgermeister Christian Specht legte den Finger direkt in die Wunde: „In den wenigen Minuten, die wir hier stehen, sind acht Fahrzeuge vorbeigefahren – übrigens alle mit Mannheimer Kennzeichen und nicht mit auswärtigen“, wie er betonte: „Und in den Autos saß jeweils ein Kind mit einem Elternteil“, argumentierte er: „Da sollten auch die Sportvereine mal aktiv werden und fragen, ob die Kinder wirklich mit dem Auto zum Sport gefahren werden müssen oder ob sie das nicht auch mit dem Fahrrad tun können.“