Seckenheim

Seckenheim Schmerzvoller Abschied von der Kerwe-Schlumbel

Tränen unterm Wasserturm

Archivartikel

„Die Kerweschlumbel hat es verdient“, sagt der Kerwepfarrer mit tränenreicher Stimme am Dienstagabend unter dem Wasserturm, „gemeinsam haben wir uns geliebt.“ Weiter vorne auf dem Messplatz werden zur selben Zeit Autoscooter und Karussells abgebaut, dort sieht die Bilanz nicht so gut aus: „Es hätte schlimmer kommen können, das ist im Oktober immer so eine Sache mit dem Wetter“, wie einer der Schausteller seine Bilanz beschreibt, aber unter dem Strich ist er zufrieden.

Zum letzten Akt der Kerwe versammelten sich die Seckenheimer unter dem Wasserturm und erwiesen der Schlumbel die letzte Ehre. Die Jugendfeuerwehr trug sie im Fackelschein ein letztes Mal durch den Stadtteil. Im Anschluss berichtete dann traditionell der Kerwepfarrer von dem kurzen aber schönen Leben der Schlumbel. Zwei Mal sei sie geklaut worden: Als sie das erste Mal wieder zurückkam, steckten 20 Euro in ihrem Dekolleté: „Die hatte eine spannende Nacht gehabt“, so Wilhelm Frey in seiner Rolle als Kerwepfarrer. Der hat die Schlumbel wieder „auf ihren Thron am Rathaus gehievt“, so Frey, doch wenig später kamen die alten Handballer mit der Feuerwehrleiter und sie war wieder weg. Eine Sonnenbrille hatte sie aufgehabt, damit sie den Entführern nicht mehr in die Augen schauen muss, wie Frey sagte.

Aber es war „ein geiles Schlumbelleben“, so das Resümee von Frey. „Die Schumbel wird jetzt in den Kerwehimmel eingehen, dort wartet schon Alfred Heierling auf sie.“ Frey erinnerte an den Mitbegründer der modernen Seckenheimer Kerwe, es wäre seine 50. Kerwe dieses Jahr gewesen. Nach tränenreichem Abschied wurde die Schlumbel verbrannt und die Jugendfeuerwehr rückte mit Blaulicht und Martinshorn an, um die letzten Glutnester zu löschen.

Kinder bekommen Brezeln

Zahlreiche Seckenheimer Familien begleiteten die Schlumbel auf ihrem letzten Weg, und dabei waren auch erstaunlich viele Kinder: „Das ist schön, dass wir mit Seckenheimer Brauchtum so viele junge Menschen begeistern können“, wie Brauchtumsvereinsvorstand Matthias Müller gegenüber dieser Zeitung sagte. Und auch das gehört zur Kerwe, zum Brauchtum: Am Ende gab es für die Kinder goldene Brezeln. dle

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