Seckenheim

Seckenheim Bezirksbeirat diskutiert Zukunft der Stem-Barracks / Nein zu Wohnbebauung, ja zu sportlicher Nutzung

TSG-Chef Hänssler: „Nicht das beste Angebot, aber das einzige“

Einen solchen Andrang hat es bei einer Seckenheimer Bezirksbeiratssitzung schon lange nicht gegeben: Auf dem Parkplatz vor dem Siedlerheim bleibt keine Lücke frei, im Inneren kein Stuhl unbesetzt. Immerhin geht es um drei Bauprojekte, die die Bürger derzeit bewegen. Zufällig tragen sie die Namen von Personen: Hammonds, Stem, Otto Bauder.

Zunächst Hammonds: Auf dem 9,2 Hektar großen Gelände im Herzen Seckenheims geht es reibungslos voran. „Wir sind voll im Zeitplan“, sagt Michael Scharf von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). Die Abrissarbeiten sind bis Herbst beendet, danach beginnt die Vermarktung. Auf Frage von Bezirksbeirätin Evi Korta-Petry (SPD) versichert Scharf: Das zur Nutzung durch Schifferkinderheim und Sängerbund angedachte Gebäude „wird nicht auf den Markt gehen.“

Bei den 2,6 Hektar großen Stem-Barracks läuft es weniger geräuschlos, wie der Abend zeigt. Sie sind Teil des Sportkonzeptes der Verwaltung für den Vorort, das sich die Stadt bis 2026 jährlich 500 000 Euro, also zusammen drei Millionen Euro, kosten lässt. Es sieht vor, dass die TSG ihre Aktivitäten auf Stem konzentriert. Geplant ist eine Sporthalle, ein Lehrschwimmbecken, eine Kaltlufthalle sowie Freiflächen etwa für Beachvolleyball. „Regelmäßige Nutzung für Fußball ist nicht vorgesehen“, versichert Uwe Kaliske, Leiter des Fachbereiches Sport und Freizeit. Sitzungsleiter Lothar Quast, sowohl Bau- wie Sportbürgermeister, appelliert, „diese Chance zu nutzen“.

„Konzept der vertanen Chancen“

„Das ist ein Konzept der vertanenen Chancen“, meint dagegen FDP-Bezirksbeirat Ralf Busch: Stem sei zu klein, um alle heutigen Angebote der TSG aufzunehmen, erst recht die künftigen. „Trotzdem werde ich zustimmen, weil es die einzige Chance ist.“ Das ist der allgemeine Tenor.

„Es ist nicht das beste Angebot, aber das einzige“, begründet auch TSG-Chef Andreas Hänssler seine Zustimmung. Allerdings äußert er eine Sorge: „Von den Neubürgern im geplanten Wohngebiet braucht nur einer gegen Sport zu sein und zu klagen, dann haben wir ein Problem.“

Auch im Bezirksbeirat stößt die Wohnnutzung auf Ablehnung. Und dies, obwohl Stadtplanerin Julia Kaufmann Besitzern der angrenzenden Grundstücke in Aussicht stellt, ihre Gärten vergrößern zu können. Zur Verkehrsanbindung wird der Holzweg ausgebaut, die Suebenstraße nur als Fuß- und Radweg genutzt. Gutachten hätten ergeben, dass weder den Neubürgern noch Sporttreibenden von der Autobahn gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Feinstaub und Stickoxide drohen.

Dennoch: „Ich bin überrascht, dass doch wieder Wohnbebauung vorgesehen ist“, sagt Evi Korta-Petry: „Dafür ist dieses Gebiet nicht geeignet.“ Dem schließen sich alle anderen Fraktionen an. „Lassen Sie das Wohnen an dieser Stelle doch einfach sein“, appelliert auch CDU-Stadträtin Marianne Seitz.

„Wir hatten drei Bürgerinformationsveranstaltungen“, sagt Volkmar Bauder von der Bürgerinitiative: „Dabei war Renaturierung das oberste Ziel.“ Mit der sportlichen Nutzung habe sich die BI inzwischen „arrangiert“, eine Wohnbebauung lehnt sie jedoch weiterhin ab.

Klaus-Jürgen Ammer zeigt sich überrascht. „In die Planung haben wir die Ergebnisse der Bürgerveranstaltungen aufgenommen“, sagt der Konversionsbeauftragte der Stadt unter Gelächter des Publikums und bekräftigt: „Zu uns kommen auch Bürger, die hier wohnen wollen.“ Eine Nutzung durch ganze 45 Wohneinheiten, also knapp 120 Bewohner, sei doch keine übermäßige Belastung der Umgebung. Im Gegenteil: „Die Wohnbebauung hat für Sie auch eine abschirmende Wirkung.“

Bürgermeister Quast weist auf zwei grundsätzliche Punkte hin: die Schaffung von Wohnraum sei ein zentrales gesellschaftliches Ziel; und bei der Entwicklung von Konversionsflächen könnten wirtschaftliche Aspekte „nicht vollständig ignoriert werden.“ Trotzdem: Der Bezirksbeirat lehnt Wohnungsbau hier ab.

Zustimmung zu Geländetausch

Anders bei der Otto-Bauder-Anlage, bisher im Besitz des SV, der künftig auf die städtische Bezirkssportanlage wechseln soll. Sein 4,6 Hektar großes Areal soll Baugelände werden. Größe je nach Ausrichtung zwischen 70 Wohneinheiten (bei Bebauung nur mit Einfamilienhäusern) und 450 (bei viergeschossigen Wohnhäusern). „Die Verwaltung strebt einen Mix an“, sagt Johanna Doepner vom Fachbereich Stadtplanung.

Das kommt dem Bezirksbeirat entgegen. „Wir wollen eine soziale Komponente“, fordert Evi Korta-Petry. Grundsätzliche Ablehnung dennoch von den Grünen: „Wir sehen es kritisch, Grund und Boden zur Finanzierung von Projekten zu verkaufen und Flächen komplett zu versiegeln“, sagt Stadträtin Nina Wellenreuther. „Ein schlechter Tausch für den SV“, meint Volkmar Bauder, Sohn des früheren Stadtrates, dessen Name diese Anlage trägt.

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