Seckenheim

Unauflösliches Dilemma

Archivartikel

Konstantin Groß zum Streit über den Mobilfunkturm

Sogar in der Ferienpause kann in Seckenheim ein Thema aufschlagen, das die Bürger auf die Barrikaden zu bringen vermag: Nach Planken-Gestaltung und Zabbe-Brunnen, Stem-Nutzung und Buslinien-Änderung ist es nun der Mobilfunkturm, der für Streit sorgt. Und wie bei diesen Themen, so ist auch jetzt eine für alle Beteiligten zufriedenstellende Lösung nicht in Sicht.

Zunächst ist festzuhalten: Keiner will Mobilfunktürme, aber jeder überall mit dem Handy telefonieren; wer erleben will, was los ist, wenn es damit hakt, der sollte in einem Zug sitzen, der gerade ein Funkloch durchfährt. Dass dafür aber auch Infrastruktur unerlässlich ist, wird verdrängt.

Gleichwohl gibt es für die notwendigen Funktürme natürlich gute und weniger gute Standorte. Und hier kommt die Politik ins Spiel. Ihre Aufgabe wäre es, dafür zu sorgen, dass nur solche Standorte genutzt werden, die technisch sinnvoll, aber eben auch stadtgestalterisch vertretbar sind.

Doch die Möglichkeit dazu hat die Politik vor langer Zeit selbst aus der Hand gegeben: Telekommunikation und damit auch Mobilfunk wurden als wertvolles öffentliches Anliegen definiert; ihre Bauten genießen daher Ausnahmerechte: Sie sind, wie die Landwirtschaft, im Baurecht „privilegiert“, wie das offiziell heißt.

Für den vorliegenden Fall bedeutet das: Die Stadt hatte kaum Möglichkeit, die Baugenehmigung zu versagen. Zwar sieht das Baurecht einige Hinderungsgründe vor; doch ästhetische gehören eben nicht dazu. Dass eine Großstadt auf derart prägnante Bauwerke keinerlei Einfluss hat, während in den Bauausschüssen kleiner Gemeinden jede Gaube breit diskutiert wird, das ist in der Tat ein Unding.

Bleibt die Kritik an der Informationspolitik der Stadt, die durchaus gerechtfertigt ist. Denn die angeführte Information in einer nicht-öffentlichen Bezirksbeiratssitzung ist wirklich eine, die eben keine ist. Einer breiten Öffentlichkeit wurde das Thema Funkturm damit erst Ende Mai bekannt – für ein Projekt, das zwei Monate später umgesetzt wird, viel zu kurzfristig. Hier muss die Verwaltung künftig nachbessern.

Den Beteiligten im vorliegenden Fall hilft das nicht mehr. Ihr Ziel, dass der Turm wieder abgebaut wird, wird wohl ein Wunsch bleiben – auch wenn er ebenso verständlich ist wie ihr Unmut darüber, wie das alles gelaufen ist.

 
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