Seckenheim

Verwaltung ist gefordert

 

Kenner der Kommunalpolitik haben die Erfahrung schon öfter gemacht: Das brisanteste Thema eines Gremiums steht gar nicht auf der Tagesordnung, sondern ergibt sich erst im Laufe eines Abends. So war es auch in der jüngsten Sitzung des Bezirksbeirates Seckenheim. In der Bürgerfragerunde kam das Problem Zabbe-Brunnen hoch. Und keines der zuvor diskutierten Themen – Kindergartenversorgung Hochstätt, Neubebauung Hammonds, neues Busnetz, Falschparken – bewegte die Gemüter so heftig wie dieses kleine Bauwerk.

Überraschend ist das nicht. Der Zabbe-Brunnen war für nicht wenige Seckenheimer mehr als nur Kunst am Bau auf den Planken. Die in der Tat etwas eigenwillige Symbolik eines Pfuhlwagens verkörpert für sie die bäuerliche Tradition ihres Vorortes, deren unwiderruflicher Verlust schmerzt. Gerade in einer globalisierten Welt werden solche Elemente zu Fixpunkten eigener Identität; dass es in Berlin künftig ein „Heimatministerium“ gibt, zeigt, dass auch die Bundespolitik auf diese Entwicklungen reagiert.

Die Verantwortlichen für die Neugestaltung der Seckenheimer Ortsmitte bei RNV und Stadt ha-ben diesen Faktor unterschätzt. Intensiv beschäftigten sie sich mit Verkehrsanbindung, Bahnsteigen und Haltestellen; der Brunnen war ein Detail, um das sie sich nicht so sehr gekümmert haben.

Es ist bezeichnend, dass über den künftigen Standort in einer Versammlung der Interessengemeinschaft der Vereine abgestimmt wurde. Obwohl es die Menschen bewegt, stand das Thema in den vergangenen Monaten kein einziges Mal auf der Tagesordnung des Bezirksbeirats. Nun brachten es die Bürger durch ihre Wortmeldung in der Fragerunde selbst aufs Tapet.

Die Heftigkeit dieser Diskussion hat jedoch auch gezeigt, dass dieses Thema das Klima im Vorort zunehmend belastet. Die Linie der Stadt, die Kosten für die Wiederaufstellung des Brunnens in ihren Etat einzuplanen, der Diskussion über deren Standort im Stadtteil jedoch freien Lauf zu lassen, hat sich als falsch erwiesen. Wie von der SPD beantragt, muss die Verwaltung nun als ehrlicher Makler die Initiative ergreifen. Damit ein Symbol für die Identität eines Vorortes nicht zum Anlass für Zwietracht wird.