Seckenheim

Schriesheim Italienischer Abend der Grünen Liste / Trio begeistert mit Mischung aus bewegenden Themen, Humor und Musik

Von Schafen, Krieg und Freiheit

Archivartikel

Ein Abend wie ein Spaziergang durch die Toskana und am Mittelmeer entlang, den erlebten die Gäste des zweiten italienischen Abends der Grünen Liste Schriesheim. Nachdem Rezitator Reinhold Joppich, Mario Di Leo und Luca Di Leo im vergangenen Jahr einen Abend ganz der Liebe gewidmet hatten, gastierten sie nun mit ihrem Programm „Viva la Libertà!“ in Majers Weinscheuer. Diese war voll besetzt, denn das Trio hatte sich bereits rumgesprochen. „Die Atmosphäre hier ist toll. Es gibt leckeres Essen, schöne Musik und ein bisschen Literatur, was will man mehr?“, schwärmte ein Gast.

Der einstige Wahl-Römer Reinhold Joppich tritt seit rund dreißig Jahren gemeinsam mit seinem Freund Mario Di Leo auf – seit kurzem ist mit dessen Sohn Luca, aus dem musikalisch-literarischen Duo ein Trio geworden. Ein echter Gewinn, denn der jungen Nürnberger Musikstudenten Luca bereichert die musikalische Bandbreite durch sein talentiertes Spiel an der Gitarre.

Sizilianische Geschichte

Auftakt der Lesung bildete ein Auszug aus dem autobiographischen Werk „Notausgang“ des Schriftstellers Ignazio Silone über dessen Kindheit in den Abruzzen und die ersten freien Wahlen in Italien vor über 100 Jahren. Es folgte eine bizarr-absurde sizilianische Geschichte von Andrea Camilleri zur Zeit des Mussolini-Faschismus und des spanischen Bürgerkrieges. Die Handlung so schräg wie witzig: Ein Arzt soll einen russischen Soldaten auf Seebehandeln, hat aber solche Probleme mit Seekrankheit, dass er einen Freund bittet sich als Arzt auszugeben, was zu vielen Missverständnissen und einem großen Skandal führt. Seine lebendige Art die Geschichten zu erzählen, machen Reinhold Joppich zu einem Vorleser, den wir uns alle als Kinder gewünscht hätten. Durch seinen Einsatz von Stimme und Betonung schaffte er es nämlich, lebendige Bilder in den Köpfen seiner Zuhörer entstehen zu lassen.

Die sorgfältig ausgewählten Texte hatten alle, trotz der meist ernsten Handlung, eine humorige Note, die immer wieder für Gelächter im Publikum und eine allgemein angenehme Stimmung sorgten. Komplettiert wurden Reinhold Joppichs leidenschaftliche Texte durch die Musik von Vater und Sohn Di Leo.

Sie präsentierten sowohl bekannte Stücke, wie „Bella ciao“, als auch Lieder aus dem italienischen Widerstand gegen den Faschismus und die Nazibesetzung. Die alten Bauerlieder, die vom Schafe hüten oder von Sehnsucht und Liebe handeln, waren für die nicht-italienisch-sprechenden Zuhörer alleine durch den schönen Klang der Worte in Verbindung mit der fröhlichen oder melancholischen Gitarrenmusik zu verstehen. Aber auch essenzielle Themen, wie die Bedrohung der Demokratie und die Flucht vor Krieg und Elend wurden thematisiert.

Schon bei der Begrüßung hatte der Initiator des Abends, Joseph Weisbrod, über die rund 300 000 Flüchtlinge gesprochen, die Italien in den Jahren 2016 und 2017 aufnehmen musste und über den Rechtsruck, der daraufhin durch das Land ging. Weisbrod betonte, dass er Verständnis für die Sorgen der Italiener habe, verdeutlichte aber auch: „Das sind Menschen, keine tickenden Zeitbomben.“ oe