Seckenheim

Vorbildliches Projekt

Der neue Kleintiertunnel unter der Landesstraße 542 zwischen Seckenheim und Hochstätt ist eine tolle Sache. Die 360 000 Euro dafür sind nicht nur an dieser Stelle gut angelegtes Geld; sie markieren ein Projekt, das auch für andere Orte in der Region Vorbild sein kann, nein: muss.

Zunächst einmal mag es verwundern, dass Straßenbau ökologisch begründet und sinnvoll ist. Das hiesige Beispiel zeigt: Beides muss kein Widerspruch sein. In unserer modernen Zivilisation bedarf es eben zuweilen der technischen Bauwerke von Menschen, um frei lebenden Tieren ihren Lebensraum zu erhalten. Etwa mit Tunneln aus Beton.

Zur Wahrheit gehört auch: Die Einsicht in die Notwendigkeit derartiger Maßnahmen ist leider noch immer nicht Allgemeingut. Bei Veranstaltungen etwa über Neubaugebiete können sich Stadtplaner nach wie vor des Kopfschüttelns oder gar Gelächters zu vieler sicher sein, wenn sie kostenintensive Schutzmaßnahmen für Hamster ansprechen. Immerhin markieren die 360 000 Euro Steuergelder, die für Fuchs und Hase an der L 542 ausgegeben werden, den Wert eines veritablen kleinen Reihenhäuschens.

Doch Kritik daran ist unangemessen. Artenschutz ist eben nicht nur Aufgabe in Afrika oder Asien, er betrifft nicht nur Tiger oder Nashörner; er beginnt in Feld und Flur bei uns, bei Eidechsen und – beklagenswerterweise – sogar schon bei Feldhamstern.

Viele Maßnahmen wie die jetzige „Habitatvernetzung“ an der L 542 haben ihren Ursprung übrigens in Brüssel; die „Fauna-Flora-Habitat“ (FFH)-Richtlinie hat die EU bereits 1992 erlassen; Bremser waren lange die Mitgliedstaaten, auch die Bundesrepublik. Die EU selbst ist nicht zuletzt in Sachen Ökologie eher ein Motor. Auch diese Erkenntnis offenbart der Kleintiertunnel von Seckenheim.

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