Seckenheim

Seckenheim Alte Lokale erinnern an Revolution, Schiffsverkehr, Vereinsgründungen und vieles mehr

Wechselvolle Wirtshaus-Geschichten

Archivartikel

Hier schlug die Revolution hohe Wellen, dort waren Zwangsarbeiter untergebracht, oder da gingen die „Amis“ ein und aus. Einige Seckenheimer Gasthäuser erlebten historische Momente von lokaler oder überregionaler Bedeutung. Manche von den Wirtshäusern gibt es noch heute, andere, und davon handelt dieser Artikel, sind selber längst Geschichte.

Die Schiffsanlegestelle und der Heumarkt am Neckar brachten, bevor die Mastochsen des Kurfürsten keine Rolle mehr spielten oder Kanal und Brücke gebaut waren, einst viele „Tagesgäste“ auf dem Neckar nach Seckenheim. Deshalb konzentrierten sich die meisten Gasthäuser rund um die Planken und entlang der Seckenheimer Hauptstraße. Zudem waren die Wirtschaften Treffpunkte von abgegrenzten Gruppen wie Bauern, Handwerker, Tagelöhner, Protestanten, Katholiken und so weiter.

Seckenheims ältester Verein, der „Männergesangverein“ wurde 1861 im „Lamm“, heute Privathaus Ecke Breisacher/Kehler Straße, gegründet. 1865 spalteten sich die katholischen Männer zum „Sängerbund“ ab, gründeten unweit vom „Lamm“, dort wo sich die Katholiken trafen, ihren Verein, und zwar im „Güldenen Adler“ Ecke Plittersdorfer/Säckinger Straße. Der Eingang zur Gaststube ist noch erkennbar. Doch schon 1920 schloss das Lokal, war dann Schreinerei, später Sektlager und diente als Raum für die neuapostolische Kirche.

Im Zusammenhang mit der Errichtung von Kirchen sind auch Lokale zu erwähnen. Historiker Probst zitiert dazu das Protokollbuch der reformierten Gemeinde vom März 1737, dass nach dem Gottesdienst der Grundsteinlegung zur simultanen St. Aegidiuskirche „alle anwesenden Herren, an der Zahl 34“ im nahe gelegenen „Güldenen Löwen“ gegessen und getrunken haben „und zwar auf der ganzen Seckenheimer Gemeinde ihre Unkosten“.

Dieser erste „Löwe“ verschwand um 1800, aber beim Bau des stattlichen Hauses, in dem heute ein Matratzengeschäft residiert, waren die Kellergewölbe des ehemaligen Lokals zutage getreten. Bei der Errichtung der evangelischen Erlöserkirche verschwand der „Karpfen“ völlig, denn die Kirche von 1869 steht genau an seiner Stelle. Ihre Funktion als Wirtschaft hat auch die Lokalität im Seitz’schen Anwesen an der Brückenauffahrt verloren, hier gab es den „Weißen Schwanen“. Von ihm liegt der älteste Antrag auf eine „Schildgerechtigkeit“ von 1672 vor.

Einige Wirtshäuser hatten mehr oder weniger große Säle. Sie waren nicht nur zur Kerwe gut gefüllt, auch andere Nutzungen und Termine gab es hier. So wurde im Kronen-Saal am 25. Mai 1881 eine der heute größten deutschen Volks- und Raiffeisenbanken als „Ländlicher Creditverein Seckenheim“ von 82 Bauern und Bürgern gegründet. „Zur Krone“ gab es bis 1904, später verlor das Haus durch den Bau der Brückenauffahrt seinen seitlichen Garten, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg abgerissen und beherbergt, neu aufgebaut, heute „Penny“ und Ärzte.

Im Saal des „Zähringer Hofs“ organisierten sich am 1. März die lokalen Fußballer in der Fußballgesellschaft 1898 Seckenheim, heute SV 98/07. Außerdem wurde der Saal, nach der Aufgabe der neben dem Rathaus gelegenen Wirtschaft 1903 von einer Zigarrenfabrik und dann von Fred Löffel für das Seckenheimer „Palast-Theater“ als Kino genutzt. Die Schaukästen mit den Kinoplakaten machten auch noch lange nach dem Umzug an die Hauptstraße gegenüber dem Schlossgarten, an der „Lämmler-Mauer“ in der Kehler Straße dann auf das „Helvetia“ aufmerksam.

Rasthäuser an der Autobahn

Als Beispiel eines Vereinslokals mit wechselvoller Geschichte darf der „Kaiserhof“ gelten. Der Jugendstilsaal war Domizil des Sängerbundes und des Turnerbundes bis 1961. Nachdem das Lokal zu Beginn des 21. Jahrhunderts geschlossen wurde, kehrte der TB, nun mit der „TSG Seckenheim“ und einem Vereins-Sportstudio zurück.

Wenige Seckenheimer verirrten sich an die Autobahn. Die heute unter Denkmalschutz stehenden Gebäude waren sehr frühe Rasthäuser und verloren durch die Entlastungsautobahn zum Walldorfer Kreuz Bedeutung und Gäste, bis sie 1973 geschlossen wurden. Etliche weitere Aspekte lokaler Geschichte liefern Seckenheims Gasthäuser, und Gruppen, die mehr davon hören und sehen möchten, können zum ausführlichen Referat kostenlos unter 0621/2 33 66 anfragen.