Seckenheim

Seckenheim Innungsobermeister Salvatore Jaci feiert 40. Jubiläum seines Friseurbetriebes / Paradebeispiel gelungener Integration

Wie ein Sizilianer Seggema wird

Archivartikel

Er holt sein ledergebundenes Gästebuch. Die erste Innenseite zeigt einen Zeitungsausschnitt. Das Papier ist schon ein wenig vergilbt. Dennoch ist das abgedruckte Bild gut zu erkennen: ein junger Mann, in jeder Beziehung akkurat, natürlich mit elegant gezeichneter Frisur. „Das war die Anzeige, mit der ich 1980 im ‘MM’ für die Neueröffnung meines ersten eigenen Geschäftes geworben habe“, lächelt Salvatore Jaci.

Genau 40 Jahre ist das her. Und diesen außergewöhnlichen Jahrestag feiert er an diesem Samstag – mit vielen Gästen. Denn es ist mehr als ein Geschäftsjubiläum. Das Leben des sympathischen Mannes aus Sizilien, der seit 19 Jahren Obermeister der Friseur-Innung Mannheim ist und zudem Träger der höchsten Ehrung im traditionsreichen Seckenheim – es ist Paradebeispiel gelungener Integration, daher auch Forschungsgegenstand in einem gleichnamigen Projekt des Technoseums.

Der Beginn dieser Entwicklung führt uns in die 1960er Jahre. Vater Giuseppe stammt aus Sizilien und arbeitet in Mannheim im Strebelwerk und bei PWA. 1966 kommt die Familie nach. Auch der kleine Salvatore. Und um es ehrlich zu sagen: Italiener, mit ihrer Lebensart heute für uns gar nicht mehr wegzudenken, erleben damals vieles von dem, das später andere Migranten erleiden: „In der Schule wurde ich in die letzte Reihe gesetzt“, erinnert sich Jaci: „Das war keine leichte Zeit.“

Sprache als Schlüssel

Doch der intelligente Junge beißt sich durch. „Das Wichtigste für mich war: Deutsch lernen.“ Und früh sagt er sich: „Immer mit den eigenen Landsleuten rumhängen, das bringt mir nichts.“ Er geht in die örtlichen Vereine in Sandhofen, spielt Handball, wird im Spielmannszug aktiv.

Bald stellt sich die Frage nach dem Beruf. Als ein Freund ihn in den bekannten Friseursalon Jaime in der Neckarstadt mitnimmt, findet er Gefallen an der Tätigkeit: „Mit acht Jahren habe ich die Männer vor dem Rasieren eingeschäumt“, erinnert er sich: „Dafür gab es eine Cola oder Geld fürs Kino.“ Er macht eine Lehre, wird gar Geschäftsführer bei Jaime.

Doch bald regt sich der Wunsch nach Selbstständigkeit. 1980 übernimmt er den ehemaligen Salon Rogmann in der Sinsheimer Straße, im April 1989 die Räume im neugebauten Haus Hauptstraße 142. So wird Seckenheim zu seiner Wirkungsstätte, nein: zu seiner Heimat.

Er bringt sich ein in das Leben des Vorortes, wirkt als „Hoffriseur“ während der Fasnachtskampagne und stylt immerhin elf Prinzessinnen der Zabbe „fer umme“, stellt seinen Laden den Narren für verschiedenste Events zur Verfügung. Seine Enkelin wird als „Marlen I. aus dem Hause Jaci“ Prinzessin, er selbst Ehrensenator und schließlich sogar Träger des angesehenen Blümmel-Ordens.

Doch Basis seines Wirkens bleibt sein Geschäft, mit dem er alle Moden der Zeit erlebt. „Bis in die 1980er Jahre waren Dauerwellen das A und O.“ Sogar bei Männern: „Ich selbst habe die natürlich auch gehabt.“ Heutzutage sind sie selbst bei Frauen out. „Es gibt allerdings noch ältere Damen, die das nach wie vor möchten.“

Und die Bärte? Auch hier treten Veränderungen ein: „Am Anfang habe ich noch viel rasiert“, erzählt er. Später sinkt die Nachfrage. Mit dem Trend zu Bärten in den vergangenen Jahren entsteht für deren Pflege erneut ein Markt. Doch da will Jaci nicht wieder einsteigen: „Das überlasse ich den Barber Shops“, sagt er.

Generell registriert Jaci, seit fast 20 Jahren Chef der Innung: „In unserer Branche wird es schwieriger.“ Früher gab es 300 Betriebe, heute etwa die Hälfte. Kleine Läden sterben, großen Ketten machen ihnen zu schaffen. Jaci selbst mag nicht klagen, erfreut sich vieler Stammkunden. „Darunter solche, die schon 1980 bei mir waren und sogar vorher, als ich noch Lehrling war.“ Rund 500 seiner Kunden sind an diesem Samstag ins Festzelt im Hof eingeladen.

Auch beim Personal setzt Jaci schon immer auf Kontinuität. Kiraz Dalaslan ist 39 Jahre bei ihm, Meral Hizarci – mit kurzer Unterbrechung – immerhin 34 Jahre. Mit ihr teilt er sich fortan den Laden, betreibt hier seinen „Salon in Salon“, fährt aber seine Präsenz zurück, auf „nur“ vier Tage in der Woche – statt bisher viereinhalb. So sieht Kürzertreten eben aus bei einem agilen Geist wie Jaci.

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