Seckenheim

Seckenheim Agenda-Aktion führt „Stadtkinder“ ins Heimatmuseum

Wie vor 100 Jahren – Leben auf dem Bauernhof

Vielfältig sind die Angebote außerschulischer Bildung bei der kostenlosen Mitmachaktionen für neugierige Kinder, der Agenda-Aktion des Mannheimer Jugendamtes. Das bunte Programm zu Themen wie Kultur, Umwelt, Soziales, Bildung, Sport, Bewegung, Spiel, Artenvielfalt, Politik, Kreativität und vielem mehr, ermöglicht Kindern einen Blick in verschiedene Einrichtungen und Orte. Sie können so ihren Horizont erweitern und ihre Umgebung neu kennenlernen.

Auch das Heimatmuseum Seckenheim, das immer wieder Schulklassen zu Gast hat, beteiligt sich regelmäßig. Da sich das Museum in einem echten fränkischen Bauernhof mitten in Seckenheim befindet und ganz viel Authentizität beherbergt, ist es naheliegend hier den Kindern zu zeigen, wie Menschen in der Landwirtschaft früher gelebt und gearbeitet haben. Das denkmalgeschützte Anwesen befindet sich in einer der langen Straßen mit vielen ehemaligen gleichförmigen Bauernhöfen, die alle im 18. und 19. Jahrhundert nach fränkischer Bauart errichtet wurden, nämlich mit Wohnhaus, Nebengebäuden, Stallungen, Scheune, zentralem Hof und Garten.

Für das Heimatmuseum begrüßten Traudl und Hans-Peter Gersbach die Kinder sowie einige Eltern und erklärten zunächst die Funktionen der einzelnen Hofteile. In den Räumen des Heimatmuseums selbst konnte dann das Leben auf einem hiesigen Bauernhof erklärt werden, wie es noch bis vor wenigen Jahrzehnten besonders in den Mannheimer Vororten Sandhofen und Seckenheim, aber auch in den Nachbarorten und, besonders was den Tabak anbelangt, auch in Heddesheim üblich und Alltag war. Und da es nicht nur deutschstämmige Kinder waren, die das Bildungsangebot interessiert aufnahmen, wurde immer wieder mit eigenen Erfahrungen und Erinnerungen aus dem jeweiligen Heimatland, das die Kinder oftmals nur als Urlaubsort kennen, verglichen.

Dass diese Unterschiede auch den Horizont der hiesigen Kinder erweiterte, versteht sich. So wurde die Frage diskutiert, was die Menschen „damals“ alles selbst bewerkstelligen konnten oder wozu sie auf Experten setzten. Denn es gab Bereiche, da nutzen die Bauern Handwerker, ließen sich haltbare Schuhe vom Schuhmacher anfertigen oder passende Kleidung schneidern. Die Werkstätten von ehemals Seckenheimer Handwerkern sind im örtlichen Heimatmuseum ebenfalls zu sehen.

Essen selbst zubereitet

Was die Selbstversorgung bäuerlicher Familien mit Nahrungsmitteln anging, so leisteten die Ställe mit Schweinen, Ziegen, Rindern aber auch Geflügel und Kaninchen oder die Wurstküche und natürlich die Bauerngärten ihren Beitrag. Zusätzlich waren die als Zugtiere eingesetzten Pferde gut zu versorgen, ehe sie vom „Lanz-Bulldog“ abgelöst wurden, der aber auch gewartet werden musste und hier wieder einen Handwerker beschäftigte.

Die Speisen aber wurden selbst vor- und zubereitet, im Supermarkt mal schnell ein Pfund Butter einkaufen, das gab es nicht. Traudl Gersbach zeigte den Kindern, wie man schnell im Marmeladenglas Butter selbst herstellt, verblüffend einfach und doch ein Aha-Erlebnis. Dabei betonte die Museumsleiterin, wie einfach die Menschen damals lebten und wie sparsam sie mit Ressourcen umgingen.

Die Begeisterung der Kinder war groß, mehr und mehr Fragen kamen auf und so erlebten die Schülerinnen und Schüler gute zwei Stunden im Museum wie vor 100 Jahren und nahmen viel neues Wissen und die Erkenntnis mit, dass nicht jede moderne Entwicklung Fortschritt bedeuten muss.