Seckenheim

Seckenheim Stadt startet Diskussion über künftige Nutzung der ehemaligen Stem-Barracks / Bagger rollen frühestens 2022

Wohnen oder Gewerbe?

Die Planung zur Neubebauung des ehemaligen US-Kasernengeländes Stem Barracks in Seckenheim ist nicht vor 2022 abgeschlossen. „Baurechtlich werden wir erst in zweieinhalb bis dreienhalb Jahren fertig sein“, betonte Klaus Jürgen Ammer vom Fachbereich Stadtplanung auf der jüngsten Bezirksbeiratssitzung des Stadtteils. Ob es eine Nutzung für den Wohnungsbau oder Gewerbe gibt, gemischt oder was ganz anderes – das ist noch offen.

Mit drei Hektar sind die Stem-Barracks die kleinste der neun Konversionsflächen in Mannheim, aber eine der schwierigsten, wie aus Ammers Bericht hervorgeht. Es bestehen umfangreiche versiegelte Flächen, teilweise jedoch mit historischen Kopfsteinpflaster. Das Werkstattgebäude steht unter Denkmalschutz; ob dieser auch für das Verwaltungsgebäude gilt, wird geprüft.

Einige der Gebäude sind jedoch in schlechtem Zustand, wurden Ziel von Vandalismus: „Es fehlt die soziale Kontrolle.“ Vier Gebäude mussten bereits abgebrochen werden.

Größtes Problem wird jedoch die Verkehrserschließung. Bislang erfolgt sie über den Holzweg: „Bei einer Neubebauung wird dies aber nicht so bleiben können.“ Eine alternative Verkehrsführung liefe über den Dünenrand. Eine direkte Anbindung an die Autobahn ist dagegen nicht möglich: „Das Regierungspräsidium hat bereits klargemacht, dass Zufahrten für Private nicht gestattet werden.“

Die günstige Anbindung gibt es also nicht, aber die Nachteile der Autobahn: „Potentielle Wohnbebauung leidet unter der Lärmbelastung.“ Insofern sei noch überhaupt keine Entscheidung getroffen, was hier dereinst verwirklicht wird. Dies soll gemeinsam mit den Bürgern entwickelt werden. Die erste von drei Informationsveranstaltungen findet noch vor der Sommerpause statt; Ammer schlägt den 24. Juli vor.

Schwierige geografische Lage

„Ich dachte, wir beschäftigen uns heute mit den Hammonds“, gesteht SPD-Bezirksbeiratssprecherin Evi Korta-Petry: „Für mich ist das Thema etwas überraschend.“ Eine Erschließung durch das angrenzende Wohngebiet erachtet sie als nicht machbar. Die Straßen seien dafür nicht ausgelegt, die Wohngrundstücke so nah am Plangebiet, dass viele Besitzer eher dazu kaufen würden.

Ihre CDU-Kollegen Hermann Krauß und Jochen Güniker befürchten bei einer Wohnbebauung eine starke Belastung durch den Autobahnlärm. Beide bringen daher eine Renaturierung ins Spiel: „Das war der große Traum des verstorbenen Landtagsabgeordneten Wolfgang Raufelder“, erinnert Krauß. „Zumindest eine Teilfläche zu renaturieren, hätte Charme“, unterstützt Güniker.

Solche Ideen sieht Ammer skeptisch: „Gar nichts machen wird mit Sicherheit nicht gemacht“, formuliert er. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) werde das Gelände „sicher nicht verschenken“.

„Ich bin gespannt, wie man mit der BImA eine Sozialquote durchsetzen will“, meint ML-Stadtrat Holger Schmid. Nicht zuletzt deshalb hat er eine andere Idee: „Wenn Wohnbebauung wegen Autobahnlärm und Gewerbe wegen der Verkehrsanbindung nicht geht“, argumentiert der Freie Wähler, „dann bleibt nur eine Möglichkeit: ein Sportpark.“ Meint Sitzungsleiter Stadtrat Ralph Waibel, zugleich Chef eines Sportvereins: „Da sage ich jetzt mal nichts dazu.“