Seckenheim

Zu wenig Sensibilität

Wenn in Seckenheim am Wochenende das Straßenfest gefeiert wird, dann werden einige Besucher möglicherweise ein wenig abseits des Festgeländes flanieren, um die bekannteste Straßensperrung im Mannheimer Süden in Augenschein zu nehmen: jene in der Rastatter Straße, deren Ende nun schon mehrere Male angekündigt und die ebenso oft – zuletzt gerade eben – verlängert wurde. Und die, wie sich jetzt herausstellt, für einen Großteil ihrer Dauer gar nicht notwendig gewesen wäre.

Denn wie der städtische Fachbereich nun erläutert hat, sei in den letzten Monaten vor allem am Keller herumlaboriert worden. Der Kran, der mitten auf der Rastatter Straße steht und deren Sperrung erfordert, komme erst jetzt stärker zum Einsatz. Für die Anwohner, die seit einem dreiviertel Jahr unter seinen negativen Begleiterscheinungen wie dem Herumschleppen der schweren Mülltonnen leiden, muss das wie Hohn klingen.

Anschein von zweierlei Maß

Die Anwohner haben das tiefe Empfinden, dass die Verwaltung nicht auf ihrer Seite zu stehen scheint, sondern auf jener des Bauherrn, der seine Terminzusagen nicht einzuhalten vermag – und dies ohne Folgen für ihn. „Aber wenn ich meine Parkscheibe nur um ein paar Minuten überziehe, geht die Stadt mit der ganzen Kraft des Rechtsstaates gegen mich vor“, sagte jüngst ein Seckenheimer und brachte damit die Stimmung gut auf den Punkt.

Mancher Anwohner empfindet längst Hilflosigkeit gegenüber dieser Art des Umgangs, darunter viele Ältere; anders als die Jungen können sie die Stadt nicht mit Protestmails „bombardieren“. Bei einigen ist diese Hilflosigkeit bereits in Wut umgeschlagen, wie die Begehungen von Parteien gezeigt haben, bei denen es fast schon zu Handgreiflichkeiten kam. Dies hier ist ein Konflikt, den mehr Sensibilität auf Seiten der Stadt hätte minimieren können.