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Weinheim TSG-Trainerlegende Heike Böhler erhält die Landesehrennadel aus der Hand von Oberbürgermeister Manuel Just

25 Wochenstunden in der Halle

Archivartikel

Das Geräteturnen hat in Weinheim eine fast 200-jährige Tradition und es hat, wie Fußball, Leichtathletik und Schwimmen, seinen Ursprung im international anerkannten Bender’schen Knabeninstitut. Seine Schüler übten im Schulhof (heute Institutsparkplatz) am Turngerüst, dem zweiten in Deutschland nach Jahns Original auf der Berliner Hasenheide. Auf ein Preisturnen des Instituts folgte 1862 die Gründung der heutigen TSG 1862 Weinheim.

Die 158-jährige Geschichte der Turnabteilung ist ein Spiegelbild der Entwicklung vom Geräteturnen zum Kunstturnen, ihrer Höhepunkte mit der Berufung von Max Walter und Franz Eschwei in die Deutschland-Riege und ihres Niedergangs mit dem Ausbleiben von Nachwuchsturnern für die Wettkampf-Mannschaften der Männer.

Heute ist das Turnen in der TSG 1862 Weinheim weiblich und wird von 85 Turnerinnen im Alter von sechs bis 20 Jahren repräsentiert. Die Mädchen und jungen Frauen stehen heute für eine jahrzehntelange Aufbauarbeit, mit der Heike Böhler dem Verein seine Ursprungssportart zurückgegeben hat. 1977 übernahm die frühere Turnerin und erfolgreiche Übungsleiterin die TSG-Turnabteilung und baute Schritt für Schritt aus der Purzelabteilung wettkampffähige Riegen auf, die heute in den Wettbewerben des Turngaues Mannheim und des Badischen Turnerbundes eine gute Figur machen.

Das Geräteturnen hat wieder eine Pflegestätte in der TSG 1862 Weinheim. Das jahrzehntelange Engagement von Heike Böhler hat die TSG 1862 Weinheim mit ihrer Ernennung zum Ehrenmitglied gewürdigt. Das Land Baden-Württemberg hat es mit der Verleihung der Ehrennadel für langjährige Verdienste im Ehrenamt anerkannt und die Stadt Weinheim hat die vorbildhafte Leistung für die Gemeinschaft mit einer würdevollen Feierstunde unterstrichen, in der Oberbürgermeister Manuel Just die Landesehrennadel an Heike Böhler überreichte.

Der OB tat das mit besonderer Freude, weil er als ehemaliger Kunstturner weiß, wie viel Training und Verzicht der Erfolg im Turnen voraussetzt. Deshalb betonte er die Bedeutung dieser Auszeichnung, die seit 1974 verliehen wird, und würdigte damit das ehrenamtliche Engagement von Heike Böhler über drei Jahrzehnte hinweg: „Bis zu 25 Wochenstunden haben Sie in der Turnhalle verbracht“, lobte der Oberbürgermeister und erinnerte zugleich an Heike Böhlers jahrelanges Mitwirken im TSG-Vorstand.

Dass diese Zeit auch von ihrer Familie viel Verständnis verlangte, machte Frau Böhler in ihren Dankesworten deutlich, ehe TSG-Präsident Hans-Jochen Hüchting in sehr persönlichen Worten Glückwunsch und Anerkennung des Vereins zum Ausdruck brachte: „Sie ist ein Vorbild und wir sind stolz auf Sie!“

Erfolgreiche Enkelin

Zwei Randbemerkungen des Abends verdienen Erwähnung: Luisa Bökenfeld, die die Ehrung musikalisch umrahmte, gehörte einst der Purzelgruppe von Heike Böhler an und die Böhler-Enkelin Line Mayer (10), Mitglied des Leistungszentrums Mannheim, wurde kürzlich Deutsche Jugendmeisterin in ihrer Altersklasse. Die Sportart? Turnen natürlich. -ell