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Achtung, Suchtgefahr!

Unterschätzte Serien II: Progammierer-Krimi „Unit 42“, schwedischer Nordic-Noir und Jason Momoa als Bergindianer

Serien, über die fast keiner redet, bekommen hier eine Plattform: Denn die Redaktion findet, es gibt viel unentdecktes Bildschirmgold, das im Schatten der großen Mainstream-Serien zu wenig Aufmerksamkeit bekommt.

„Unit 42“

Bei dieser Serie aus der ZDF-Mediathek treffen brillante Schauspieler auf einen spannungsreichen Plot: Der erfahrene Polizist Samuel Leroy (Patric Ridremont) übernimmt die Leitung von Brüssels Cybercrime-Einheit „Unit 42“. In seiner neuen Position als Teamleiter muss er erst einmal ankommen. Denn trotz der Beförderung ist es gerade nicht leicht für ihn: Neben der neuen Rolle als Chef, lastet nach dem Tod seiner Frau auch die alleinige Verantwortung für seine drei Kinder auf seinen Schultern.

Zu Sams Team gehört auch Billie Vebber (Constance Gay), eine ehemalige Hackerin, die ebenfalls unter einem großen Verlust leidet: Ihr Freund Antoine Chappard (Michaël Erpelding) ist vor kurzem ums Leben gekommen, doch die impulsive Billie möchte das nicht wahrhaben. Sie klammert sich an die Hoffnung, dass ihr Geliebter, der als Hacker „K40s“ tätig war, untertauchen musste und ermittelt privat und verdeckt, in dem festen Glauben, ihn lebend zu finden. Die „Unit 42“ besteht außerdem aus den beiden Teammitgliedern Bob Franck (Tom Audenaert) und Nassim Khaoulani (Roda Fawaz). Gemeinsam mit Sam und Billie gehen sie gegen gerissene und brutale Cyber-Verbrecher vor.

„Springflut II“

Fünf neue Folgen der Krimireihe „Springflut“ nach dem Roman „Die dritte Stimme“ von Cilla und Rolf Börjlind erwarten das Publikum. Olivia Rönning (Julia Ragnarsson) kehrt von einem Auslandsaufenthalt zurück. Ihr früherer Nachbar, der Zoll-Agent Bengt Sahlman, wird von seiner 17-jährigen Tochter Sandra (Saga Samuelsson) tot aufgefunden. Schnell ist klar, dass es sich nicht um Selbstmord handelt. Der Fall landet auf dem Schreibtisch von Mette Olsäter (Cecilia Nilsson), der Leiterin der Mordkommission. Zur gleichen Zeit wird in Südfrankreich die Leiche einer blinden jungen Frau entdeckt, die wohl in einem Zirkus gearbeitet hat. Abbas el Fassi (Dar Salim), der das Team von Mette Olsäter unterstützt, erfährt davon aus der Zeitung, erkennt in der Frau die Liebe seines Lebens und will klären, was passiert ist. Er bittet Tom Stilton (Kjell Bergqvist), der Kontakte zur Polizei in Marseille hat, ihn dorthin zu begleiten. Zunächst weisen die beiden Taten keinen Zusammenhang auf. Die ZDF-Koproduktion ist in der Mediathek abrufbar.

„The Red Road“

Als die US-Dramareihe „The Red Road“ 2015 heimlich, still und leise in der plötzlich kaum noch überschaubaren Serienflut auf Amazon Prime Video auftauchte, wurde sie von übermächtiger Konkurrenz überstrahlt: Hauptdarsteller Jason Momoa zählte als Khal Drogo selbst zu dem Ensemble aufsteigender Hollywood-Stars in „Game Of Thrones“, Serien mit hohem Suchtfaktor wie „Mad Men“ oder „The Walking Dead“ steuerten auf ihren Schluss- oder Höhepunkt zu. Da blieb wenig Sehzeit für eine vergleichsweise unaufgeregt erzählte, dafür aber handwerklich exzellent inszenierte und gespielte Mini-Serie über das Zusammenleben von überwiegend weißen Städtern eines fiktiven Orts in New Jersey mit den Nachkommen amerikanischer Ureinwohner im Dorf Walpole.

Diese ungewöhnliche Konstellation macht den Hauptreiz der nach zwei Staffeln à sechs Folgen eingestellten Produktion des Sundance Channels aus. Gespiegelt wird sie im Verhältnis der beiden Hauptfiguren: dem verhaltensauffälligen Ramapough-Bergindianer Phillip Kopus, dem „Aquaman“ Momoa seine wuchtige Gestalt leiht, und Stadt-Hilfssheriff Harold Jensen (Martin Henderson, „Grey’s Anatomy“). Schnell wird klar: Hinter ihrer heißkalten Beziehung steckt mehr als der klassische Konflikt zwischen Ordnungshüter und Teilzeit-Outlaw. Neben den nach und nach aufscheinenden zwischenmenschlichen Dramen entwickelt sich die Geschichte eines Umweltskandals auf dem Indianer-Territorium zum Thriller. Dass sie einen realen Hintergrund hat, verleiht „The Red Road“ zusätzlich Brisanz. Die Serie muss im Prime-Angebot inzwischen extra bezahlt werden, ist aber auch auf DVD erhältlich). see/jpk