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Aktiv in den Bergen Die Ferienregion Wilder Kaiser punktet mit einem ausgezeichneten Streckennetz für Genussradfahrer und Mountainbiker / Neue Tour für jedermann

Am Kaiser geht’s ganz schön rund

Archivartikel

Radfahren erfreut sich großer Beliebtheit. Und das nicht erst seit den pandemiebedingten Einschränkungen der zurückliegenden Wochen. Ein Grund für die wachsende Sattelbegeisterung sind sicher die technischen Voraussetzungen. Dank der batteriebetriebenen Fahrräder erreichen Menschen Ziele, die sie zuvor vielleicht gar nicht ins Auge gefasst hätten – beispielsweise einen langen Rundkurs oder eine Berghütte. Ein Trend, prognostizieren Touristiker für dieses Jahr und für auch kommende Saisons, wird daher der Aktiv- und Genussurlaub im eigenen Land oder direkt angrenzenden Destinationen sein. Eine Region, die hier die Interessen von Familien, Paaren und Individualisten jeden Alters abdeckt, ist die Ferienregion Wilder Kaiser im österreichischen Tirol. Für deutsche Urlauber liegt sie günstig: Sie ist mautfrei mit dem Auto und gut mit der Bahn zu erreichen.

Einen filmreifen Auftritt legen die Kaiser-Orte Ellmau, Scheffau, Söll und Going nicht nur durch die beliebte Fernsehserie „Der Bergdoktor“ hin, sondern auch in Sachen Radeln. So sorgt ein sehr gut ausgezeichnetes Streckennetz von mehr als 350 Kilometern an Rad- und Mountainbikewegen für Abwechslung und Herausforderung gleichermaßen. Dazu bieten qualitätsgeprüfte Radunterkünfte und Leihradshops die ideale Infrastruktur. Außer der eigenen Radkleidung muss man nichts mitnehmen, es gibt alles vor Ort.

Zu den Experten rund um den Radsport gehört unter anderem das Team um Alexander Edinger – gleichzeitig Tourismusvorstand am Wilden Kaiser – vom gleichnamigen Sporthaus in Söll in der Talstation der Bergbahn. Hier gibt es nicht nur von Montag bis Sonntag sowie an Feiertagen die neuesten Bikes samt Zubehör wie Kinder- und Hundeanhänger für jedes Alter und jeden Anspruch, sondern auch ausgebildete Guides für geführte Touren.

Georg Treichl ist einer dieser ortskundigen Experten. Der ausgebildete Bergwanderführer geht im Sommer mit Gästen zu Fuß auf die Gipfel oder im Winter mit Schneeschuhen. Und er kennt Radtouren für jeden Anspruch. Eine mittelschwere Tour mit einigen kernigen Anstiegen, die jedoch mit dem E-Bike dank Unterstützung kein Problem sind, ist die Brandstadlrunde mit gleichnamiger Alm auf 1650 Metern. Auf dieser Panoramatour (Nummer 348) mit knapp 30 Kilometern Länge und 940 Höhenmetern gibt es tolle Aussichten, urige Hütten und wunderbare Bergseen. Von der Talstation Söll-Hochsöll aus geht es vorbei an der Stampfangerkapelle hinauf auf den Bromberg mit dem Gruberhof unweit der gleichnamigen Filmkulisse aus „Der Bergdoktor“ (Wohnhaus des Bergdoktors) und dann weiter in Richtung Südhanglift. Entlang der Straßen und vorbei an malerischen Almwiesen erreicht man nach einigen Serpentinen eine Kreuzung – hier in Richtung Tanzbodenalm radeln. Auf dieser Alm mit herrlicher Sonnenterrasse lohnt eine Pause: Als Stärkung warten Tiroler Spezialitäten wie Kaiserschmarrn und Gröstl. Den Forstweg geht’s retour vorbei am Tanzbodenteich nach Ellmau, am Bauernhof Frauenwalden und durch den Weißachgraben zur Talstation der Hartkaiserbahn. Jetzt führt der Weg Richtung Ellmau, an der Brücke – noch vor dem Gasthof Au – links ab auf dem Radweg Nummer 14 vorbei an Scheffau und zurück nach Söll. Ein weiterer Tipp von Georg Teichl ist die Strecke zur Jochstubn (1643 Meter) am Joch-stubnsee, auf dem sogar Segelschiffe schippern. Auch toll: die Filzalm am Filzalmsee. Abends, wenn die untergehende Sonne die Berge in ein feuerrotes Licht taucht, sei der Blick von dort oben noch einmal etwas Besonderes, so der Profi.

Naturjuwel als Krönung

Wer flachere Strecken bevorzugt, dem sei die Kaiserradrunde (www.kaiserradrunde.com) ans Herz gelegt. Das finale Teilstück – der knapp elf Kilometer lange Eiberg-Radweg – wurde erst im Juli vergangenen Jahres fertiggestellt. Mit 83 Kilometern und 700 Höhenmetern handelt es sich bei der Kaiserradrunde um eine Genussroute, die man ohne und mit elektrischer Unterstützung an einem Tag entspannt zurücklegen kann. Die Tour führt um das markante Bergmassiv des Kaisergebirges. Sie ist erstklassig ausgeschildert und kann daher von jedem individuell gefahren werden. Das bietet sich auch an, da es viel Sehenswertes gibt und eine Menge an Einkehrmöglichkeiten. Ein Einstieg ist in allen vier Kaiser-Orten sowie den Gemeinden, durch die die Kaiserradrunde führt, möglich – ebenso jede Richtung.

Die Tour mit Roger Brierley von Team Sport Edinger startet in Söll und führt im Uhrzeigersinn um das Kaisergebirge herum – also zuerst in Richtung Kufstein, vorbei an idyllischen Wiesen und Weiden. Kufstein lädt zu einem ersten Kaffee am Fuße seines Wahrzeichens, der Festung, ein. Wer den Besuch des hübschen Städtchens zu einem anderen Zeitpunkt ausgiebig plant, hat auch die Möglichkeit, über Radwege am Stadtrand weiter in Richtung Ebbs zu fahren. Roger Brierley kennt diese Routen gut. Der gebürtige Engländer lebt seit vielen Jahren in der Ferienregion Wilder Kaiser. Der Liebe zu den Bergen und zum Bergsport wegen hat er seiner Heimat den Rücken gekehrt. Und wer auf der Kaiserradrunde unterwegs ist, versteht ihn sehr gut. Zwischen den Gipfeln des Zahmen und Wilden Kaisers lenkt die Ache mit ihrem in der Sonne glitzerndem Wasser immer wieder die Aufmerksamkeit auf sich. Idylle pur.

In Ebbs kommen die Radler am Raritätenzoo vorbei, der zu einer wahrlich tierischen Pause einlädt. Danach steigt der Radweg leicht in Richtung Niederndorf an und führt an der Traditionskäserei Plangger vorbei. Die Waden werden bei einer kleinen Bergetappe gefordert – und die Mühe schließlich belohnt: mit einem Blick auf den Walchsee und die Nordseite des Zahmen Kaisers. Der See hat offizielle Badestellen und lädt zu einer erfrischenden Abkühlung ein. Die Radroute führt entlang des Ufers nach Kössen, weiter durch Wälder und Auen nach Kirchdorf in Tirol. Entlang der Weißache geht es nach Scheffau.

Wer jetzt noch Kraft hat, strampelt hinauf zum Hintersteiner See auf 883 Metern – ein echtes Naturjuwel und einer der schönsten Bergseen Tirols. Da möchte man einfach nur verweilen – und durchatmen.

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