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Hintergrund Die Bundesliga-Fußballerinnen der TSG 1899 Hoffenheim machen sich regelmäßig im Pfitzenmeier Premium Resort in Schwetzingen fit

Auch in der 90. Minute noch den langen Weg nach vorne gehen

Archivartikel

Die Frauenfußball-Weltmeisterschaft in Frankreich hat gezeigt, dass dem Bereich Fitness und Athletik eine immer größer werdende Bedeutung zukommt. Weltmeister USA war in diesem Bereich das beste Team. Auch in der Frauenfußball-Bundesliga gehört ein umfangreiches Athletiktraining längst zum Standard. Die Fußballerinnen der TSG 1899 Hoffenheim, die seit 2013 zur deutschen Eliteklasse gehören, sind dafür regelmäßig im Pfitzenmeier Premium Plus Resort in Schwetzingen-Hirschacker zu Gast – im Sommer und Winter zur Vorbereitung und darüber hinaus in den verschiedenen Fitnessstudios der Region. „Es ist wichtig, Abwechslung ins Training zu bringen“, sagte Reiner Fuchs, der Indoorcycling-Coach bei Pfitzenmeier. So saß nahezu der komplette TSG-Kader im Juli eine Stunde auf dem Rad und gab alles. Die entsprechende Musikunterstützung gehört mit dazu, „burning fire“ war sinnbildlich für das Feuer, dass in den Fußballerinnen steckt – oder vielleicht auch für brennende Beine…

„Jede Spielerin entscheidet über den Widerstand“, erklärt Fuchs, der selbst ein ganz ambitionierter Rennradler ist – und Hoffenheim-Fan, denn er wohnt nur einen Steinwurf vom Dietmar-Hopp-Stadion entfernt und hat eine Dauerkarte für die Profis. Auch bei den Frauen war er schon häufig zu Gast.

Belastung ist geringer

Als guter Motivator weiß er, wie er die Spielerinnen ansprechen muss. Mit Mikrofon gab er vorneweg radelnd die Kommandos. Nach einem Aufwärmen von fünf bis zehn Minuten folgen verschiedene Be- und Entlastungsphasen. Dabei floss der Schweiß im Strömen. Der Vorteil beim Indoorcycling gegenüber dem Laufen auf dem Platz oder im Wald ist, dass die Belastung für Bänder und Sehnen deutlich geringer ist. Das ist auch für Spielerinnen ideal, die Verletzungen haben oder gerade aus der Reha kommen. „Laufen ist eine völlig andere Belastung“, so Fuchs. Neben den TSG-Frauen sind auch andere Profivereine der Region wie der SV Sandhausen, die Adler Mannheim oder die Rhein-Neckar-Löwen regelmäßig bei Pfitzenmeier.

Hoffenheims Trainer Jürgen Ehrmann unterstreicht, dass Fitness ein Prozess über Jahre ist. „Man kann von den ganz jungen Spielerinnen eine hohe Fitness noch nicht erwarten“, sagt Ehrmann, der schon im zwölften Jahr Trainer der TSG-Frauen ist. Früher wurden Athletik und Fitness „freizügig trainiert“, heute stehen die Spielerinnen unter Kontrolle. TSG-Athletikcoach Alvaro Molinos erklärt wie. „Es gibt beispielsweise eine Belastungsmessung per GPS“, sagt der 33-jährige Spanier, der schon für den 1. FFC Frankfurt und den SC Sand tätig war. „Frauenfußball ist wesentlich schneller geworden“, hat er festgestellt.

Aktive Erholung

Und wie in allen Sportarten bedeutet vorübergehender Müßiggang einen harten Weg zurück. „Wenn die Spielerinnen beispielsweise 15 Tage gar nichts machen, braucht es eine Weile, bis sie wieder fit werden.“ Während einer Saisonvorbereitung ist die Belastungssteuerung enorm wichtig. „Indoorcycling ist auch für den Kopf gut und daher aktive Erholung“, findet Alvaro Molinos.

Die Einheit bei Pfitzenmeier fand am Tag nach einem Testspiel der Hoffenheimerinnen statt, da gab es dann zusätzlich keine andere Einheit, denn es ging eher darum, die Muskulatur zu entlasten. Stretching und Yoga rundeten das Programm ab. Dass die Spielerinnen natürlich lieber Fußball spielen, ist nachvollziehbar. „Cycling ist nicht meine Lieblingsdisziplin“, meinte beispielsweise Nationalspielerin Maxi Rall, „aber dass Fitness und Athletik immer wichtiger werden, hat man bei der WM gesehen.“

Viel Lob für Angebot

Innenverteidigerin Michaela Specht verdeutlicht den Willen, den das Hoffenheimer Team hat. „Wir wollen eine sehr gute Runde spielen und die letzte Saison bestätigen“, so Specht. Das war immerhin Platz sechs in der Bundesliga, im DFB-Pokal wurde zudem das Halbfinale erreicht. „Ich bin weder im Laufen noch im Indoorcycling die Beste“, gibt sie ehrlich zu. Dennoch gibt auch sie dabei alles, denn „wir wollen auch in der 90. Minute noch den langen Weg nach vorne gehen.“

Torfrau Martina Tufekovic ist voll des Lobes über das Angebot bei Pfitzenmeier. „Nicht jede Mannschaft hat dieses Angebot“, sagte sie. Laufen und Radfahren für den Erfolg – es könnte wieder eine überaus positive Saison für die Frauen der TSG 1899 Hoffenheim werden.