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Weinheim Der neue Roman von Jo Berger spielt in Friesland / „Herz, Humor und Happy End“ sind das Erfolgsrezept all ihrer Bücher

Auf dem Weg zur ersten Million

Das Leben als freie Schriftstellerin ist harte Arbeit. Jo Berger (54) kann ein Lied davon singen. Seit drei Jahren ist die Weinheimerin hauptberuflich als Autorin tätig. Ohne Verlag im Rücken, der ihr alles abnehmen könnte, was sie vom Schreiben ablenkt. Aber dafür mit der Freiheit, selbst zu entscheiden, wie das Buchcover aussieht, wie sie ihre Romane vermarktet und wie sie in Dialog mit ihren Fans tritt. Davon hat Jo Berger mittlerweile eine ganze Menge. Ihre Verkaufszahlen nähern sich der magischen Marke von einer Million Exemplaren – etwa 80 Prozent davon als eBook und 20 Prozent als gedruckte Taschenbücher.

Ende Juli hat die quirlige Unternehmerin ihren nächsten Roman herausgebracht: „Liebe auf Friesisch: das Meer in unseren Herzen“. Unternehmerin? Der Begriff überrascht vielleicht. Aber er trifft das, was Jo Berger tut, auch wenn ihr manchmal immer noch unterstellt wird, sie würde sich in erster Linie „selbst verwirklichen“ mit ihrer „Schreiberei“. Man merkt Jo Berger an, dass sie das nervt. „Schreiben macht höchstens 40 Prozent meiner Arbeitszeit aus“, verrät sie im Gespräch mit unserer Lokalredaktion. „Der Rest ist Marketing, Vertrieb, Konkurrenzbeobachtung und Controlling, von der Gestaltung des Covers und der Beauftragung eines professionellen Lektors ganz zu schweigen.“

Die Pflege der Social-Media-Kanäle nimmt dabei besonders viel Zeit in Anspruch; aber auch die Vernetzung mit anderen unabhängigen Autoren ist wichtig, um im Meer der Bücher nicht sang- und klanglos unterzugehen. Deshalb organisiert Jo Berger seit einigen Jahren gemeinsam mit anderen „Freien“ zum Beispiel das „Autorensofa“ auf der Frankfurter Buchmesse. Mittlerweile würden sogar kleinere Verlage, die sich keinen eigenen Stand leisten können, die Präsentationsfläche stundenweise mieten.

Schriftstellerisches Talent

Der Buchmarkt ist ein knallhartes Geschäft. Wer damit seinen Lebensunterhalt verdienen will, muss neben dem schriftstellerischen Talent auch die Bereitschaft zu 16-Stunden-Tagen mitbringen. Da klingt dann oft die Betriebswirtschaftlerin durch, wenn sie zum Beispiel vom „Markenkern“ ihrer Bücher spricht, der als Motto auch auf ihrer Homepage steht: „Liebesromane mit Herz, Humor und Happy End“.

Genau dafür lieben sie ihren Leserinnen, die nach ihrer Marktanalyse zwischen 21 und 58 Jahre alt sind. Als Hauptzielgruppe hat sie Frauen zwischen 30 und 54 auserkoren. Die Heldinnen in ihren Romanen sind daher auch nicht zufällig zwischen 25 und 35 Jahren.

So leicht und locker ihre Bücher geschrieben sind, so konsequent hat Jo Berger ihren Stil entwickelt. Und das Konzept geht auf: 2018 veröffentlichte sie vier Bücher, die allesamt in der eBook-Rangliste von Amazon monatelang in den „Top Ten“ standen. Der Roman „Late Summer Hope – Highland Gentleman“ hielt sich sogar zehn Wochen auf dem ersten Platz. Auch ihr neues Buch „Liebe auf Friesisch“ hat wieder Bestsellerpotenzial. Der „Klappentext“ verrät, worum es geht: Hanna hat die Nase gestrichen voll von selbstsüchtigen Männern und miesen Chefs.

Mit gebrochenem Herzen flieht sie an die friesische Küste und bezieht in einem beschaulichen Dorf eine romantische Mühle. Sie hofft auf Ruhe, Wind und Wellen. Doch dann lernt sie gleich zwei Männer kennen, die ihr den Kopf verdrehen: Jan, den attraktiven, aber leider uncharmanten Tierarzt und Mühlenbesitzer, und Jans ehemals besten Freund Alex, der um jeden Preis verhindern will, dass Jan jemals wieder eine Liebe findet.

Es könnte eine Tragödie werden, doch Jo Berger beruhigt schon im Vorwort des Buches ihre Fans: „In meinen Romanen lernst du die ganz große Liebe kennen, erfährst Lebenslust, Glück, Sinnlichkeit und ganz große Gefühle. Natürlich immer mit einem zum Seufzen schönen Happy End. Garantiert.“