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Auf der Jagd nach Bonnie und Clyde

Archivartikel

„The Highwaymen“: Netflix lässt Kevin Costner mit Woody Harrelson 132 Minuten lang ermitteln

Edel gefilmtes Starkino bei Netflix – und brutal viele Feuergefechte: Kevin Costner und Woody Harrelson glänzen angemessen grimmig im neuen Gangsterjagd-Epos zum altbekannten Verbrecherfall.

Die kessen, todesmutigen Bankräuber Bonnie und Clyde waren schon zu ihren (kurzen) Lebzeiten in den 1930er Jahren so etwas wie nationale Berühmtheiten in den USA. Eine Bank nach der anderen raubten sie im Süden des Landes aus. Und immer wieder entkamen sie ihren Häschern, die sie bald nur noch tot sehen wollten, um Haaresbreite.

Landesweite Sympathie

Schnell schlug den Outlaws so etwas wie landesweite Sympathie entgegen: Mitten in der härtesten Weltwirtschaftskrise war zumindest das Mitleid mit den Mächtigen im Bankenwesen eher schwach ausgeprägt beim sogenannten einfachen Volk.

Das reale Gangster-Duo dominierte lange die Schlagzeilen. 1967 setzte Regisseur Arthur Penn Bonnie und Clyde, im gleichnamigen Film kongenial gespielt von Faye Dunnaway und Warren Beatty, ein filmisches Denkmal. Über 50 Jahre später ist nun Netflix am Drücker. Und das darf man wörtlich verstehen: Der schießwütige, machohafte Action-Kostümthriller „The Highwaymen“ erzählt die gnadenlose Jagd auf die legendären Bankräuber aus Perspektive der Gegenseite. Und die beiden hartgesottenen Texas-Ranger nehmen keine Gefangenen, sondern ballern lieber gleich drauf los.

Regisseur John Lee Hancock, der schon für sein sehenswertes Drama „The Blind Side“ einen Oscar gewonnen hatte, setzt mit Hollywoods Superstars wie Kevin Costner und Woody Harrelson in den Hauptrollen, aber auch Hochkarätern wie Katy Bates als erste Gouverneurin im Bundesstaat Texas die atemlose Hatz auf Bonnie und Clyde sehr routiniert und packend in Szene.

Trotzdem wird man in dieser 132 Minuten langen Mischung aus Roadmovie und Hochglanzkrimi den Verdacht nicht ganz los, dass dieser brillant aufgenommene und bis in viele historische Details liebevoll ausgestattete Film doch ein wenig aus der Zeit gefallen wirkt.

Aufwendiges Star-Projekt

Erste Überlegungen, den Stoff wieder zu verfilmen – damals waren offenbar die „Zwei Banditen“-Legenden Paul Newman und Robert Redford als Titelhelden im Gespräch – gab es schon 2005. 2017 hat schließlich Netflix zugegriffen. Doch dass ein aufwendiges Star-Projekt so lange auf sich warten lässt, heißt im hektischen Hollywood selten etwas wirklich Gutes. tsch