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Im Test Das erste Elektroauto von Jaguar bietet beste Fahrleistungen und überzeugt mit tiefem Schwerpunkt als Kurvenjäger

Auf leisen Pfoten in die Zukunft

Archivartikel

Kronberg.Die Katze kann auch flüstern. Nahezu ohne Geräusche gleitet sie dahin – um bei Bedarf ansatzlos zum Sprung anzusetzen. Gut, die Katze ist ein Jaguar und springen will man natürlich nicht mit ihm. Aber die Vehemenz, mit der der I-Pace davonstürmt, beeindruckt. Vor allem aus dem Stand. Das begeistert die Autofans genauso wie die Form des Elektrofahrzeuges polarisiert. Die einen sind von der gestreckten Karosserie mit dem knuffigen Heck hingerissen, die anderen kritisieren die Form als verquetscht. In jedem Fall ist der neue Jaguar ein Hingucker.

„Cab-Forward-Design“ nennt Jaguar die Form – ein altbewährtes Gestaltungsmittel des Automobildesigns. Mit Ursprüngen im Lokomotivbau. Das Ziel: Indem die Frontscheibe weit nach vorne versetzt und der Radstand verlängert wird, entsteht mehr Platz im Innenraum. Das ist beim I-Pace trefflich gelungen. Der Radstand von fast drei Meter verhilft nicht nur zu opulenter Beinfreiheit, sondern auch zu einer souveränen Straßenlage.

Die schweren Akkus (mehr als 600 Kilogramm) sind tief an den Achsen eingebaut und setzen damit den Schwerpunkt deutlich nach unten. Auch die beiden Motoren sind zu jeweils 50 Prozent auf den Achsen verteilt. Die Folge: eine Gokart ähnliche Straßenlage, die für jede Menge Fahrspaß sorgt. Da stört es auch nicht, dass trotz aller Kraft die Elektronik den I-Pace bei 200 km/h ausbremst. Der Spaß liegt in seinem Antritt, seiner Leichtfüßigkeit und dem tollen Handling.

Akku mag die Kälte nicht

Der Test des Jaguars ist allerdings auch in so manchen kalten Tag gerutscht. Und jeder, der sein Handy schonmal im Winter in einer Außentasche der Jacke untergebracht hat, weiß: Das mag der Akku nicht. Und so müssen wir damit leben, dass schon beim Laden die theoretische Reichweite nach unten geht. Waren es am Anfang rund 400 Kilometer, werden es am Ende 320 Kilometer. Ab 200 Kilometern Fahrt kommt dann schon eine gewisse Nervosität auf. Wer ein E-Auto fahren will, muss Geduld mitbringen – und auf längeren Strecken entsprechend großzügig Ladepausen einplanen.

Im Innenraum des I-Pace geht es nüchtern zu. Anspruchsvolle Materialien und Oberflächen zieren den Jaguar, darunter auf Wunsch auch Alternativen zum traditionellen Windsor Leder. Die Briten haben zusammen mit der dänischen Textilfirma Kvadrat eine Kombination aus robustem Wollmischgewebe und recyceltem Veloursleder entwickelt, das sich gut anfühlt und auf dem man bequem sitzt. Das Dach ist nahezu komplett aus Glas, das die UV-Strahlung absorbieren soll, dennoch ein helles und luftiges Raumgefühl bietet.

Oft sind es ja die kleinen Dinge, die das Leben angenehm machen. Die bietet auch der I-Pace. Hängt er am Ladekabel, lässt sich schon vor Antritt der Fahrt eine gewünschte Innenraumtemperatur wählen – das Batteriepaket wird dann vier Stunden vor der gewählten Abfahrtszeit geheizt oder gekühlt, der Innenraum 30 Minuten vor Start. Da dazu Strom aus dem Netz entnommen wird, wird der Aktionsradius des I-Pace nicht geschmälert. Die Standheizung 4.0.

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/auto

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