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Biografie In „Life undercover“ blickt die angebliche Kunsthändlerin Amaryllis Fox auf ihre Tätigkeiten als Geheimdienstlerin zurück / Autorin lebte jahrelang verdeckt

Aus dem Leben einer CIA-Agentin

Mit dem Buchtitel „Life Undercover“ hat Amaryllis Fox, ehemalige CIA-Agentin und nun nach Verlagsangaben Friedensaktivistin, womöglich ein bisschen hoch gegriffen. Denn auf eine ganze Lebensspanne in der Welt der Geheimdienste kann die 1980 geboren Autorin nun wirklich noch nicht zurückblicken. Als angebliche Kunsthändlerin arbeitete sie fünf Jahre lang in China, um Kontakte zu illegalen Waffenhändlern zu knüpfen und Terrornetzwerke zu infiltrieren.

Dem vorangegangen waren die Ausbildung bei der CIA und Kontakte zum Geheimdienst während ihres Studiums an der renommierten Georgetown University in Washington, wo sie einen Algorithmus zur Vorhersage von terroristischen Anschlägen entwickelte – insgesamt acht Jahre in der Welt der CIA, ob nun in der Rolle der Analystin oder als Agentin im Feld.

Eine „typische“ Geheimdienstkarriere war das angesichts dieser vergleichsweise kurzen Zeit wohl nicht, und auch allzu tiefe Einblicke in die Welt der CIA sollten Leser nicht erwarten. Die Verschwiegenheitsklauseln, die Fox seinerzeit unterzeichnete, dürften weiterhin gelten. Über Ausbildung und Leben auf der berühmten „Farm“ der CIA erfährt man jedenfalls nichts, was nicht auch bereits aus einschlägigen Filmen, Serien oder Büchern bekannt ist.

Schon der familiäre Hintergrund der Autorin ist dabei nicht ganz durchschnittlich: Der Vater ein amerikanischer Manager mit internationalen Posten, die Mutter eine britische Schauspielerin mit aristokratischen Wurzeln, eine Kindheit zwischen Washington, London, dem Landsitz der Großeltern, mit internationalen amerikanischen Schulen zwischen anderen Diplomaten- und Managerkindern. Das bedeutet schon naturgemäß auch ein deutlich privilegierteres Aufwachsen und ganz andere Chancen und Möglichkeiten als für einen Durchschnittsamerikaner. Das Studium in Oxford und Georgetown ist da dann nur noch eine Draufgabe.

Gescheiterte Ehe

Am interessantesten ist „Life Undercover“ dort, wo Fox ihre persönliche Philosophie ausdrückt, jene Haltung, die sie überhaupt für die Arbeit beim Geheimdienst motiviert hat: Das Gespräch mit dem Gegner zu suchen, verstehen zu lernen, was den Extremisten motiviert – und im besten Fall auch über die menschliche Begegnung einen möglichen Terroristen zu „entschärfen“. In ihrem Buch schildert Fox die Begegnung mit einem Mann in Pakistan, den sie verdächtigt, einen Anschlag vorzubereiten. Über seine Sorge um sein krankes Kind findet die junge Mutter einen Zugang zu dem Mann. Es gibt – diesmal – keinen Anschlag.

Ist das Wunschdenken angesichts der Bereitschaft von Fanatikern, alles zu opfern, Wunschdenken angesichts der „verschärften Verhörmethoden“ und anderer rechtlich umstrittener und international kritisierter Methoden? In „Life Undercover“ ist davon nur am Rande die Rede, wenn sich Fox schockiert zeigt angesichts der Konsequenzen, die ein häufig gebrauchter Name für unschuldig als Terrorverdächtige geltende Menschen haben kann. Auch die Beschreibungen des Alltags, in der Ehe mit einem Agenten-Kollegen, die angesichts des Wissens um ständige Überwachung zerbricht, gestattet einen Blick in eine Agentenwelt ganz jenseits von James-Bond-Klischees. dpa