Seite 1 - MM

Literatur Rebecca Gablé legt Roman „Teufelskrone“ vor / Detailgenau recherchierte Hintergrundfakten

Ausflug ins englische Mittelalter

King John dürfte zu den bekanntesten Königen des englischen Mittelalters gehören, aber nun wirklich nicht zu den beliebtesten. Als verschlagener König ist er in die Geschichte eingegangen, der seinen eigenen Bruder, den edlen König und Kreuzfahrer Richard Löwenherz, verriet, den noch viel edleren Robin Hood verfolgte und so willkürlich und grausam regierte, dass der englische Adel ihm 1215 die Magna Charta abrang. Aber Robin Hood hat höchstwahrscheinlich nie gelebt und Richard war nicht besonders edel und nicht einmal so richtig englisch. Und John? Wer mehr über ihn wissen möchte, aber auf Sachbücher keine Lust hat, dem sei Rebecca Gablés neuer Roman „Teufelskrone“ empfohlen.

Dabei ist es ja fast ein Sachbuch, wie bei Gablé üblich. Die 54-Jährige, die vor ihrer Schriftsteller-Karriere Geschichte studiert hatte, fühlt sich im englischen Mittelalter wohl – insbesondere in Waringham, dem von ihr erfundenen Städtchen in der südöstlichen Grafschaft Kent. „Da habe ich meine eigene kleine Welt kreiert, aber mir ist es wichtig, dass sich die Leser auf das gezeichnete Bild verlassen können“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. „Natürlich habe ich als Schriftstellerin meine Freiheiten und das genieße ich auch. Aber die Eckdaten müssen stimmen. Wo immer etwas belegt ist, verändere ich nichts.“

Bewährtes Konzept genutzt

„Teufelskrone“ ist der sechste „Waringham“-Roman von Gablé und wer ihre Bücher kennt, erahnt den Erzählstrang: Ein heranwachsender Junge aus altem, aber nicht übermäßig einflussreichem Adel versteht viel von Pferden, ist unglücklich verliebt und gerät durch Zufall in die unmittelbare Nähe der Mächtigsten. Fast jedes Mal nutzt sie dieses Grundkonzept – aber es funktioniert immer noch.

In diesem Fall ist es also Prinz John, auf den der junge Yvain trifft, und als der schließlich König wird, wird der immer noch recht junge Yvain zu einem seiner wichtigsten Vertrauten, der sich jedoch im Gegensatz zu seinem Herrscher von Moral leiten lässt und deshalb regelmäßig in Ungnade fällt.

Yvain ist mit dabei, wenn Richard Löwenherz durch eine fast dumme Kriegsverletzung stirbt, wenn John als König einem anderen Adligen die schönste Frau ihrer Zeit ausspannt, wenn Johns Neffe gemeuchelt wird und auch, wenn auf der Wiese von Runnymede die Magna Charta Libertatum, die Großmutter aller modernen Verfassungen, verlesen wird.

Dazwischen sind natürlich noch Liebe und Leid, Leben und Tod, Freundschaft und Verrat, Zärtlichkeit und Grausamkeit. „Teufelskrone“ ist ein typischer Gablé: Selbst in den Phasen, in denen nicht gerade Weltgeschichte erlebt wird, macht es Spaß, weiterzulesen. Ihr gelingt es wieder, Protagonisten zu formen, die fast zu Freunden (oder Feinden) des Lesers werden. „Mir tut es auch, bei aller Erleichterung, jedes Mal Leid, wenn ein Buch abgeschlossen ist. Es ist ein Abschied“, sagt sie selbst. Wer frühere Bücher gelesen hat, weiß, was ihn erwartet.

Eines ist aber doch anders, zumindest etwas: Gablé führt vor, wie grausam das Zeitalter und wie rücksichtslos die Herrscher waren. Und so sind die Schilderungen der Schlachten, der Folter und der Brutalitäten etwas drastischer und lebhafter als in früheren Romanen. Aber so und nicht anders war das 13. Jahrhundert und auch wenn man den neuen Gablé in der Sicherheit des deutschen Wohnzimmers liest, weiß man insgeheim, dass es in einigen Regionen der Erde immer noch so ist. Welch ein Luxus, sich dann einfach zu Hause ein Geschichtsbuch zu Gemüte zu führen, das auch noch Spaß macht.