Seite 1 - MM

Im Porträt Schiedsrichterin Meike Weichselmann (26) aus Hockenheim pfeift erst seit 2015, ist aber jetzt schon in die Herren-Verbandsliga aufgestiegen

Austausch ist ihr besonders wichtig

Archivartikel

Meike Weichselmann ist eine Quereinsteigerin in der Schiedsrichter-gilde. Im September 2015 hatte sie den Schein erworben, in diesem Jahr ist sie bereits in die Herren-Verbandsliga aufgestiegen.

„Ich muss sagen, dass ich zu Beginn meiner Schiedsrichter-Zeit nicht damit gerechnet habe, in den Leistungsbereich einzusteigen, den ich mit Spielen auf DFB-Ebene oder jetzt in der Verbandsliga in den letzten Jahren erreichen konnte. Doch natürlich freut man sich über solche Möglichkeiten und daher habe ich diese auch genutzt“, sagt die 26-Jährige, die erst durch ihren Lebensgefährten Ivo Leonhardt den Einstieg in die „Schiedsrichterei“ gefunden hatte.

„Nachdem ich aufgehört hatte, selbst zu spielen, hat er mir vorgeschlagen, doch mal das Pfeifen auszuprobieren. Ich wollte weiterhin etwas mit meiner Leidenschaft Fußball in meiner Freizeit zu tun haben und so entschied ich mich, einen Schiedsrichter-Kurs zu besuchen“, berichtet sie von ihren Erstlingsversuchen auf zuvor fremden Terrain. Und sehr schnell wurden auch die Verantwortlichen im Verband auf die aufstrebende Unparteiische aufmerksam.

Kurve zeigt stetig nach oben

Und so zeigte die Kurve bei Weichselmann stetig nach oben. Nach Erlangung der Lizenz im September 2015 durfte sie zwei Jahre später bereits Herrenspiele leiten. 2017/18 stand sie in der Kreisliga auf dem Feld, ab Januar 2019 in der Landesliga und seit Juli 2020 darf sie Partien in der Herren-Verbandsliga leiten.

Durch ihre unaufgeregte und natürliche Art auf dem Spielfeld hatte sie auch selbst als einzige Frau unter 22 Männern nie Probleme. „Ich möchte auch einmal eine Lanze brechen: In den meisten Fällen verlaufen die Spiele positiv, es macht sehr viel Spaß, und wir gehen als Schiedsrichtergespann entspannt und positiv vom Feld“, kann sie bislang von keinen negativen Erfahrungen berichten.

„Diskussionen und kleinere Auseinandersetzungen gehören dazu. Ernsthafte Probleme wie heftige Beleidigungen, Drohungen oder gar Körperverletzungen sind fatal, aber ich habe selbst zum Glück noch nichts Schlimmeres erlebt.“

Netten Kontakt aufbauen

Zu ihrer Spielvorbereitung zählt dann, einen netten Kontakt zu Vereinsverantwortlichen und Spielern aufzubauen und den Respekt, den sie dann auf dem Feld später verkörpern muss, dennoch zu wahren. Der verbale Austausch ist dabei ein ganz besonders wichtiges Stil- und Ausdrucksmittel und baut Brücken zwischen der Person mit der Pfeife und den Spielern, die dem Leder hinterherjagen. „Kurz vor dem Spiel oder auch mal wenn das Spiel ruht versuche ich, mit den Spielern locker ins Gespräch zu kommen. Und auch während des Spiels setze ich auf Kommunikation. Ich merke auch, dass diese Art zu pfeifen gut ankommt, zu mir passt, und ich so als Frau auf dem Platz akzeptiert werde“, erklärt Weichselmann.

Der Austausch mit ihrem Lebensgefährten Ivo Leonhardt, der Vorsitzender der Schiedsrichtervereinigung Mannheim und selbst noch regelmäßig im Einsatz ist, ist ihr sehr wichtig. „Bei uns ist das Pfeifen und Fußball generell schon ein großes Thema. Zum einen hilft mir das natürlich auch sehr, denn ich habe immer einen Partner, mit dem ich über meine Spiele sprechen kann, der mir Feedback gibt und mich auch motiviert und antreibt“, sagt sie, weist aber darauf hin, dass auch hier Grenzen eingehalten werden müssen: „Manchmal müssen wir uns dann aber auch auf andere Themen fokussieren und vom Fußball abschalten, damit es nicht zu viel wird.“

Sehr vielseitig

Was macht für Weichselmann, die sogar in der Regionalliga als Assistentin fungieren darf, den Reiz des Schiedsrichter-Seins aus? „Es ist wirklich sehr vielseitig. Mir gefällt zum einen der Teamgeist, der unter den Schiedsrichtern besteht und auch wenn man als Gespann gemeinsam auf den Platz geht. Und die Herausforderung, in wenigen Sekunden die richtige Entscheidung zu treffen und diese verständlich zu vermitteln.“ Diese sind von ihr nun in der Verbandsliga gefordert – und auch da setzt sie auf ihre unaufgeregte Art mit Kommunikation und positiver Ausstrahlung. Meike Weichselmann - eine Schiedsrichterin, die mit ihrer Freude zum Hobby ansteckt.